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Erfolgreiche Energiewende: Made in Kasachstan

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ASTANA
RenatMansurov via Getty Images
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Wer durch die Expo 2017 in Astana l√§uft, kann sich nur dar√ľber wundern, wie sehr sich die Stadt ver√§ndert hat, seitdem sie 1997 zur Hauptstadt von Kasachstan wurde. Die Bezeichnung ‚Äěpost-sowjetisch" ist pass√© und wird der Stadt nicht gerecht.

Vorbild f√ľr Astana ist Dubai. Astana pr√§sentiert vom Expo-Standort √ľber die Pyramide des Friedens und der Eintracht bis zur Khazret-Sultan-Moschee, einer der gr√∂√üten Moschee Zentralasiens, stolz seine Ambitionen und seine Zuversicht.

Wenn man etwas anmerken wollte, dann vielleicht, dass Dubai noch immer einen Vorsprung hat, doch die Stadt Astana holt schnell auf und geht ihren eigenen Weg - und das sollte sie auch.

Abgesehen von seiner futuristisch anmutenden Architektur, gehört Kasachstan zu der Handvoll an Ländern, die der Welt Einblick gewähren, wie vollständige Energieeffizienz aussehen könnte. Mit der neuntgrößten Landfläche auf unserem Planeten und einer Bevölkerung von gerade einmal 18 Millionen Menschen ist das Land randvoll mit allem was mit der Energieerzeugung zu tun hat.

Es ist eines von nur zwei L√§ndern, in denen theoretisch alle Mineralien des Periodensystems der Elemente vorkommen. Das zweite Land ist die Demokratische Republik Kongo - die von dem belgischen Geologen Ren√©-Jules Cornet als ‚Äěgeologischer Skandal" bezeichnet wurde, als er Ende des 19. Jahrhunderts den Mineralreichtum des Landes entdeckte.

Nicht dass sich jemand in Kasachstan beschweren w√ľrde. Mit f√∂rderbaren Reserven von 13 Millarden √Ėlf√§ssern ist Kashagan, mitten im kaspischen Meer, eines der gr√∂√üten √Ėlfelder, die in den vergangenen 30 Jahren entdeckt wurden. √Ėl, Gas, Kohle, Uran - wenn es um das Thema Energie geht, kann Kasachstan mit allem dienen.

Auch wenn andere L√§nder gro√üe Mengen an √Ėl oder Gas besitzen, haben diese aufgrund ihrer wachsenden Bev√∂lkerung oft nur wenige M√∂glichkeiten, zu entscheiden, wie sie ihr Land mit Energie versorgen m√∂chten. Angesichts der in Kasachstan in H√ľlle und F√ľlle vorhandenen nat√ľrlichen Rohstoffe und der relativ geringen Bev√∂lkerungszahl, mit einer Bev√∂lkerungsdichte von sechs Menschen pro Quadratkilometer, hat das Land die ‚ÄěQual der Wahl". Ohne sich dabei allerdings qu√§len zu m√ľssen.

Mit seiner windgepeitschten Steppe war das Land einst ein Ort des Schreckens f√ľr alle, die beim Zaren oder dem Politb√ľro der Sowjetunion in Ungnade gefallen sind. Heute ist der Wind eine wertvolle Ressource, die st√§rker genutzt werden sollte.

Mit etwas weniger als einer Million Einwohnern hat Astana eine wachsende, aber doch √ľberschaubare Bev√∂lkerung. In seinem Bestreben, sich von den W√ľstenmonarchien am Golf abzugrenzen, k√∂nnte Kasachstan das Thema erneuerbare Energien weiter vorantreiben. Die Bezeichnung ‚Äěerste nur mit erneuerbaren Energien versorgte Hauptstadt der Welt" geht einem leicht von der Zunge und ist bei weitem kein Hirngespinnst.

Den Wind, der kontinuierlich mit etwa acht Metern pro Sekunde um die Stadt herum weht, nutzend, k√∂nnte Astana dem Vorbild von Norwegen folgen, das mithilfe seines √Ėlreichtums eine nachhaltige Energiezukunft finanziert.

Mit seiner Strategie 2050 beabsichtigt Kasachstan mindestens 50 Prozent seiner Energie aus erneuerbaren und alternativen Energiequellen zu gewinnen. Die Expo bietet dem Land die Möglichkeit seine Ambitionen zu demonstrieren und verdeutlicht, mit welchem Ernst die Regierung dieses Ziel erreichen möchte.

Dabei unternimmt das Land mit der Eröffnung der Yereimentau Windfarm durch Samruk-Energo, das Teil des staatlichen Fonds ist, bereits Schritte in diese Richtung. Es ist auch schon von einer nächsten Phase die Rede.

Windenergie bedeutet auf Kohle zu verzichten, ohne dass die Lichter ausgehen. Die Lungen der Einwohner von Kasachstan werden es sicherlich danken. Das Land gehört zu den zehn Ländern der Welt mit den meisten Kohlenreserven und ist beim Verbrauch unter den Top 15. 87 Prozent der Elektrizität stammen aus fossilen Brennstoffen, nur 1 Prozent wird aus Wind- oder Solarenergie gewonnen. Dieses Verhältnis muss sich ändern.

Die Stadtentwicklung ist eine weitere gro√üe Herausforderung. Als ehemalige Sowjetrepublik gibt es in dem Land eine gro√üe Anzahl an unattraktiven, veralteten Plattenbauten und zahlreichen Baus√ľnden. Doch der √Ėlreichtum des Landes k√∂nnte sich auch hier als Trumpf erweisen. Zwischen 2010 und 2015 verdiente Kasachstan mit seinen Bodensch√§tzen 160 Milliarden USD.

Dieses Geld k√∂nnte verwendet werden, um den Bildungssektor und das Gesundheitswesen zu verbessern. Zudem sollte man in die Steigerung der Energieeffiziens f√ľr die breite Masse investieren. Astana k√∂nnte als Vorbild daf√ľr dienen, wie eine Stadt zu einem Organismus mit eigenem Stoffwechsel wird. Dabei k√∂nnte Smart Design zu einer erheblichen Reduzierung des Energieverbrauchs und der Energiekosten f√ľhren.

Das Verkehrsmanagement in Astana ist ein weiterer Bereich, der dringend √ľberarbeitet werden muss. Die Regierung hat mit einem Schnellbahnnetz, das im kommenden Jahr seinen Betrieb aufnehmen soll, bereits erste Ma√ünahmen ergriffen. Die Stadt sollte st√§rker bei den ‚Äěkostenlosen" Parkpl√§tzen durchgreifen, durch die Milliarden an Einnahmen verloren gehen.

W√§hrend der Expo sagte Olzhas Sartayev, CEO von Astana Innovations, auf einer Konferenz, dass das Dr√§ngen auf Nachhaltigkeit eine gro√üe Herausforderung sei. Das gilt nicht nur f√ľr Astana, sondern auch f√ľr die anderen St√§dte des Landes.

Dieses Drängen auf Nachhaltigkeit wird auch dazu beitragen, die Probleme, die mit dem Klimawandel einhergehen, in den Griff zu bekommen. Astana könnte zum Vorreiter der Energie- und Stadtentwicklung des Landes werden, indem es neue Richtlinien und Methoden austestet, die anschließend im ganzen Land umgesetzt werden können.

Gelingt es den Beh√∂rden und der Bev√∂lkerung die Bedeutung der Energieeffizienz, vor allem w√§hrend der rauen Winter des Landes, zu vermitteln, kann bei schlechtem Wetter dringend gebrauchte Energie eingespart werden und, was noch wichtiger ist, ein Exempel f√ľr die k√ľnftige Generation statuiert werden. Die ‚Äěneue Normalit√§t" sollte Nachhaltigkeit hei√üen, Punkt.

Wichtig sind diesbez√ľglich der Erfahrungsaustausch und die Kenntnis anderer Theorien und Praktiken der St√§dteplanung, die √ľber das sowjetische Denken hinausgehen. Inklusivere Ideen, wie ein am √∂ffentlichen Nahverkehr orientierter Wohnungsbau, reduzieren nicht nur die Umweltfolgen, sondern steigern auch die Lebensqualit√§t.

Wenn die Regierung von Kasachstan sich in den kommenden Jahren eine Frage zu Herzen nehmen sollte, dann ist es diese: Wie lebenswert sind unsere Städte? Eine smarte Energieauswahl, intelligentere Städteplanung und schärfere Regulierung können enorm dazu beitragen, die Lebensqualität zu erhöhen. Dieses Ziel kann und sollte die Regierung in Angriff nehmen.

Richard R. Dion war Fulbright Senior Specialist in Kasachstan und ist vor kurzem nach Deutschland zur√ľckgekehrt. Er ist auch Direktor der Entwicklung des Br√ľckenmuseums in San Francisco, dem weltweit ersten Museum, das strukturellen und konzeptionellen Br√ľcken gewidmet ist.