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Wie ich meine Ehe gerettet habe

Veröffentlicht: Aktualisiert:
EHE GERETTET
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(Für meinen Liebling.)

Meine älteste Tochter Jenna sagte vor Kurzem zu mir: "Meine größte Angst als Kind war, dass du und Mom euch scheiden lasst. Dann, als ich zwölf war, dachte ich, dass es vielleicht besser wäre, weil ihr so viel gestritten habt." Dann fügte sie mit einem Lächeln hinzu: "Ich bin froh, dass ihr euch wieder zusammengerauft habt."

Schon seit einigen Jahren hatten meine Frau Keri und ich Probleme. Wenn ich zurückblicke, weiß ich nicht wirklich, warum wir überhaupt zusammengekommen sind, denn unsere Charaktere sind von Grund auf verschieden.

Je länger wir verheiratet waren, desto extremer schienen die Unterschiede zwischen uns zu werden. Unser "Ruhm und Reichtum" machte unsere Ehe nicht unbedingt leichter. Im Gegenteil, es verschlimmerte unsere Probleme. Die Lage zwischen uns war so angespannt, dass es mir wie eine Erlösung vorkam, wenn ich auf Tour ging, um meine Bücher zu promoten.

"Wir waren ständig in Abwehrhaltung"

Auch wenn es jedes Mal noch schlimmer schien, wenn ich wieder nach Hause zurückkehrte. Unsere dauernden Streitigkeiten machten es fast unmöglich, sich eine friedliche Beziehung überhaupt vorzustellen. Wir waren ständig in Abwehrhaltung. Wir bauten Mauern um unsere Herzen. Wir standen kurz vor der Scheidung und hatten es schon mehr als einmal in Erwägung gezogen.

Ich war wieder auf Promotion-Tour, als die Dinge ihren Höhepunkt erreichten. Wir hatten gerade wieder einen schlimmen Streit am Telefon gehabt und Keri hatte einfach aufgelegt. Ich war allein und einsam, frustriert und wütend. Ich hatte meine Grenze erreicht.

Das war der Moment, in dem ich mich an Gott wand. Oder mir Gott vorknöpfte. Ich weiß nicht, ob man es Gebet nennen kann - vielleicht ist Gott anzuschreien kein Gebet, vielleicht ist es eins - was auch immer es war, ich werde es nie vergessen. Ich stand brüllend in der Dusche des Ritz-Carlton Hotels in Atlanta, schrie, dass die Ehe falsch sei und ich so nicht mehr weiter machen könnte.

So sehr wie ich den Gedanken an Scheidung hasste, ich konnte diese Beziehung einfach nicht mehr ertragen. Ich war außerdem verwirrt. Ich konnte einfach nicht verstehen, warum die Ehe mit Keri so hart war. Eigentlich wusste ich, dass Keri ein guter Mensch war. Und ich ebenso. Also warum klappte es einfach nicht mit uns? Warum hatte ich jemanden geheiratet, der so anders war als ich? Warum änderte sie sich nicht?

"Du kannst nur dich ändern"

Heiser vom Schreien und völlig geknickt setzte ich mich in die Dusche und fing an zu weinen. Und am Tiefpunkt meiner Verzweiflung verstand ich endlich. Du kannst sie nicht ändern, Rick. Du kannst nur dich ändern. Dann begann ich zu beten. Wenn ich sie nicht ändern kann, Gott, dann ändere mich.

Ich betete bis in die Nacht hinein. Ich betete am nächsten Tag im Flieger auf dem Weg nach Hause. Ich betete, als ich Zuhause ankam, wo eine unterkühlte Ehefrau mich kaum beachtete. Nachts lagen wir nebeneinander im Bett. Nur wenige Zentimeter trennten uns, doch schienen wir meilenweit von einander entfernt. Und plötzlich hatte ich die Lösung. Ich wusste, was ich zu tun hatte.

Am nächsten Morgen rollte ich mich auf Keris Seite vom Bett und fragte sie: "Wie kann ich dir den Tag verschönern?"

Keri sah mich wütend an. "Was?"

"Wie kann ich dir den Tag verschönern?"

"Kannst du nicht", sagte sie. "Wieso fragst du mich das?"

"Weil ich es so meine", sagte ich. "Ich möchte nur wissen, was ich tun kann, um dir den Tag zu verschönern."

Sie sah mich mit zynischem Blick an.

"Du möchtest etwas tun? Dann geh die Küche putzen."

Sie hatte erwartet, dass ich sauer werde. Stattdessen nickte ich einfach nur. "Okay."

Ich stand auf und putze die Küche.

Der Satz, der meine Ehe rettete

Am nächsten Tag fragte ich sie dasselbe. "Wie kann ich dir den Tag verschönern?"

Sie kniff die Augen zusammen. "Mach die Garage sauber."

Ich atmete tief ein und aus. Ich hatte bereits einen anstrengenden Tag hinter mir und ich wusste, dass sie mich nur aus Trotz darum bat. Ich war kurz davor zu explodieren.

Ich sagte jedoch: "Okay." Ich stand auf und räumte für die nächsten zwei Stunden die Garage auf. Keri wusste nicht, was sie denken sollte. Der nächste Morgen kam.

"Was kann ich tun, um dir den Tag zu verschönern?"

"Nichts!", sagte sie. "Du kannst nichts tun, bitte hör auf damit."

Eine Abmachung mit mir selbst

"Tut mir Leid", antwortete ich. "Aber ich kann nicht aufhören. Ich habe eine Abmachung mit mir selbst getroffen. Was kann ich tun, um dir den Tag zu verschönern?"

"Warum machst du das?"

"Weil mir etwas an dir liegt", sagte ich. "Und an unserer Ehe."

Der nächste Morgen kam und ich fragte sie wieder. Und am Morgen darauf. Und an dem darauf. Dann, in der zweiten Woche, geschah ein Wunder. Als ich die Frage erneut stellte, wurden Keris Augen feucht. Und dann brach sie in Tränen aus. Als sie wieder reden konnte sagte sie: "Bitte hör auf mich zu fragen. Du bist nicht das Problem. Ich bin es. Es ist nicht leicht mit mir zu leben. Ich verstehe nicht, wieso du bei mir bleibst."

Sanft hob ich ihr Kinn, bis sie mir in die Augen schaute. "Weil ich dich liebe", antwortete ich. "Was kann ich tun, um dir den Tag zu verschönern?"

"Ich sollte dich das fragen."

"Das solltest du", sagte ich. "Aber nicht jetzt. Jetzt muss ich mich verändern. Du musst wissen, wie viel du mir bedeutest."

Sie lehnte ihren Kopf an meine Brust. "Tut mir Leid, dass ich so gemein zu dir war."

"Ich liebe dich", sagte ich.

"Ich liebe dich", erwiderte sie.

"Wie kann ich dir den Tag schöner machen?"

Sie sah mich mit süßem Blick an. "Können wir vielleicht einfach etwas Zeit zusammen verbringen?"

Ich lächelte. "Das klingt gut."

Unsere Streits haben sich verändert

Für einen weiteren Monat stellte ich ihr die Frage immer wieder. Und die Dinge änderten sich. Der Streit hörte auf. Dann fragte mich Keri: "Was brauchst du von mir? Wie kann ich eine bessere Ehefrau sein?"

Und die Mauern, die wir errichtet hatten, fielen. Wir fingen an tiefgründige Unterhaltungen zu haben. Wir redeten darüber was wir vom Leben wollen und wie wir uns gegenseitig glücklicher machen können. Nein, wir lösten nicht alle unsere Probleme. Ich kann auch nicht sagen, dass wir uns nie wieder gestritten haben. Aber unsere Streitkultur hatte sich verändert.

Streits kamen nicht nur immer seltener vor, sie fingen längst nicht mehr so Feuer wie vorher. Wir hatten ihnen die Luft genommen. Wir wollten einander nicht mehr verletzen.

Keri und ich sind nun über dreißig Jahre verheiratet. Ich liebe meine Frau nicht nur, ich mag sie auch. Ich mag es mit ihr zusammen zu sein. Ich begehre sie. Ich brauche sie. Viele Unterschiede sind zu Stärken geworden und die übrigen sind nicht so wichtig.

Jeder sollte die Frage ab und zu stellen

Wir haben gelernt, wie wir uns um einander kümmern können und, was noch viel wichtiger ist, wir haben den Wunsch, es zu tun. Eine Ehe ist hart. Aber hart ist es auch, Eltern zu sein und fit zu bleiben und Bücher zu schreiben und alles andere Wichtige und Erstrebenswerte in meinem Leben.

Einen Partner im Leben zu haben ist ein außergewöhnliches Geschenk. Ich habe auch gelernt, dass die Institution Ehe dabei helfen kann, die wenig liebenswerten Seiten an uns zu kurieren. Und wir alle haben eine unsympathische Seite.

Mit der Zeit habe ich erkannt, dass unsere Erfahrung ein Teil einer viel größeren Erkenntnis ist, die Ehe betrifft. Jeder, der in einer festen Beziehung ist, sollte seine bessere Hälfte von Zeit zu Zeit fragen: "Was kann ich tun, um dir den Tag zu verschönern?"

Das ist Liebe. Liebesromane (und ich habe einige von dieser Sorte geschrieben) handeln von Sehnsucht und "sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage". Aber ein Happy End kommt nicht durch Sehnsucht - zumindest nicht das Happy End, was in Liebesromanen immer dargestellt wird.

Wahre Liebe ist, eine andere Person glücklich sehen zu wollen

Wahre Liebe ist nicht, eine andere Person zu begehren. Wahre Liebe ist, diese Person glücklich sehen zu wollen - manchmal sogar auf Kosten des eigenen Glücks. Jemanden zu einer Kopie von sich selbst machen zu wollen, ist keine Liebe. Es geht darum, unsere eigenen Fähigkeiten der Toleranz und Fürsorge zu erweitern, sich aktiv um das Wohlbefinden des anderen zu bemühen.

Alles andere ist nur Affentheater von Eigeninteressen.

Ich sage nicht, dass was mit Keri und mir passiert ist, bei jedem funktioniert. Ich möchte auch nicht behaupten, dass jede Ehe gerettet werden sollte. Aber für meinen Teil bin ich unbeschreiblich dankbar für diese Eingebung, die ich an jenem Tag in Atlanta vor so langer Zeit hatte.

Ich bin dankbar, dass meine Familie noch intakt ist und dass meine Ehefrau, meine beste Freundin, immer noch neben mir im Bett liegt, wenn ich morgens aufwache. Und ich bin dankbar, dass selbst noch Jahrzehnte später einer von uns sich hin und wieder morgens zum anderen auf die Bettseite rollt und fragt: "Was kann ich tun, um dir den Tag zu verschönern?"

Diese Frage zu stellen und sie gestellt zu bekommen, das ist, warum es sich lohnt, morgens aufzuwachen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Huffington Post USA und wurde von Ann-Kathrin Pohlers aus dem Englischen übersetzt.


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