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Was Sie wissen sollten, wenn Sie Ihren Blinddarm noch haben

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APPENDIX PAIN
stevanovicigor via Getty Images
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Bauchschmerzen können ganz harmlos sein, bei 80.000 Deutschen pro Jahr sind sie allerdings auf eine Blinddarmentzündung zurückzuführen. Wann Sie auch Ihren Blinddarm als Ursache in Betracht ziehen sollten und was dann zu tun ist, verrät dieser Artikel.

Der Blinddarm galt lange als nutzloses Überbleibsel der Evolution. Aber mittlerweile weiß man: Auch der Blinddarm hat eine Aufgabe. Er beherbergt zahlreiche Abwehrzellen, die Krankheitserreger bekämpfen, die sich im Darm ansiedeln wollen. Wahrscheinlich kompensieren andere Teile des Immunsystems ihre Aufgabe, wenn der Blinddarm entfernt wird.

Welche Symptome auf eine Blinddarmentzündung hindeuten

Vor allem 10- bis 19-Jährige haben mit dem Blinddarm zu tun. Wenn sie unter Magenschmerzen leiden, die im Oberbauch beginnen und dann in den Unterbauch wandern, sollten die Eltern aufhorchen. Häufig verstärkt sich der Schmerz beim Laufen, besonders beim Anheben des rechten Beins. Übelkeit, Verstopfung und Fieber können ebenfalls dazu kommen.

Wer diese Symptome beobachtet, sollte sofort zum Arzt!

Ob wirklich eine Blinddarmentzündung vorliegt, prüft der Arzt anhand eines Bluttests und mit Ultraschallbildern. Indiz einer Entzündung ist auch der sogenannte Druckschmerz, der mit Verhärtungen in der Bauchregion einhergeht.

In seltenen Fällen kann sich der Blinddarm auch bei Erwachsenne entzünden. Dann treten teilweise andere Symptome auf: Schwangere haben eher Oberbauch- oder Mittelbauchschmerzen, Senioren nur leichtes Fieber.

OP oder Antibiotika?

Eine Blinddarmentzündung ist meist ganz harmlos. Wer die typischen Signale übersieht und sein Bauchweh mit Schmerzmitteln betäubt, geht allerdings ein Risiko ein: Wird die Blinddarmentzündung nicht korrekt behandelt, kann der Blinddarm durchbrechen. Dann droht Lebensgefahr!

In seltenen Fällen reicht eine medikamentöse Behandlung mit Antibiotika aus, um die Entzündung einzudämmen. Meistens entscheidet sich der Arzt jedoch für eine Operation, um das entzündete Gewebe zu entfernen. Die Operationstechnik hat sich in den letzten Jahren sehr verbessert und ist immer patientenfreundlicher geworden.

Minimalinvasiv oder offen operieren?

Früher war ein mehrere Zentimeter großer Schnitt notwendig, um den Blinddarm zu entfernen. Heute nutzt man vor allem bei Kindern die sogenannte Schlüsselloch-Technik: Kleine Schnitte reichen aus, um den Wurmfortsatz mit länglichen Instrumenten und einer Kamera zu erreichen. Bei Erwachsenen mit Herzproblemen ist allerdings eine offene Operation vorzuziehen.

Risiken der OP sind Wundheilungsstörungen, Probleme mit der Vollnarkose und Darmverschlüsse. Weil Komplikationen nur selten auftreten, gilt die Blinddarmoperation jedoch als risikoarm. Der Eingriff dauert ca. nur 20 bis 30 Minuten.

Blinddarmentzündung vorbeugen?

Das Gerücht, dass Kirschkerne eine Blinddarmentzündung auslösen können und daher möglichst nicht geschluckt werden sollten, hält sich hartnäckig. Kirschkerne sind allerdings zu groß, um den Blinddarm zu verschließen und dadurch eine Entzündung auszulösen. Apfelkernen gelingt das schon eher - allerdings ist eine Blinddarmentzündung nur in den seltensten Fällen darauf zurückzuführen. Sie können also sorgenlos in den nächsten Apfel beißen.

Auch durch andere präventive Maßnahmen oder Hausmittel lässt sich eine Blinddarmentzündung leider nicht vorbeugen. Warum sich der Eingang des Wurmfortsatzes bei den einen verstopft und entzündet und bei den anderen nie Komplikationen verursacht, ist bis heute wissenschaftlich nicht geklärt.

Wer typische Symptome bemerkt und schnell zum Arzt geht, kann sich jedoch gut schützen, denn gefährliche Blinddarm-Durchbrüche lassen sich so vermeiden.

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