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An die faule Mutter im Supermarkt

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
SUPERMARKT
iStock
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Liebe faule Mutter im Supermarkt,

ich habe dich gesehen.

Fertiggerichte? Ernsthaft?

Ich habe geh├Ârt, wie dein Kind gequengelt hat und ein Eis wollte. Du hast in die Gefriertruhe gegriffen und gefragt, welche Sorte es sein soll.

Als du das Gesch├Ąft verlassen hast, sa├č dein Kind in einem Wagen, f├╝r den es schon viel zu gro├č war. Es hat dir tausende Fragen gestellt. Du hast die Augen geschlossen und einmal tief Luft geholt. Dann hast Du geantwortet: "Das ist halt einfach so." Es war nicht einmal eine richtige Antwort.

Ich habe dich gesehen. Ich sehe dich immer noch.

Ich bin du.

Die vorherrschende Meinung ist die, dass eine Mutter immer und zu jeder Zeit "auf Empfang" eingestellt sein muss. Das ist in das kollektive Bewusstsein gesickert und befeuert die "Mutti-Kriege" stets neu.

Ich bin nicht faul! Ich bin m├╝de! Ich bin ├╝berfordert!

Wir M├╝tter m├╝ssen perfekt sein und wenn uns ein Fehler unterl├Ąuft, dann sollten wir das gef├Ąlligst f├╝r uns behalten. Entscheiden wir uns doch daf├╝r, die Geschichte zu erz├Ąhlen, dann bitte nur in Zusammenhang mit der Lehre, die wir daraus ziehen und der Erkenntnis, wie sehr uns das alles hat pers├Ânlich wachsen lassen.

Als ich meinen Text "Dear Mom Who is Totally Screwing Up" geschrieben habe, da war es meine Intention, die Wirklichkeit zu Papier zu bringen. Ein St├╝ckchen Solidarit├Ąt f├╝r jede Mutter.

Aber das Internet ist nun einmal das Internet. Ich bekam postwendend ein Rezept gegen meine Fehler. Sei nicht so verdammt bequem.

Ein Gef├╝hlsmix aus Wut, Traurigkeit, Hilflosigkeit und dem Drang mich zu verteidigen ├╝berrollte mich. Typisch f├╝r Autoren, die es wagen, Kommentare im Internet zu lesen.

Ich bin nicht faul!

Ich bin m├╝de! Ich bin ├╝berfordert! Ich... ich... oh, OK. Ich bin faul und bequem. Manchmal.

Und diese Lehre habe ich daraus gezogen: Damit kann ich leben.

Eigentlich war ich aber ganz einfach nur wahnsinnig m├╝de

Ich habe mir vorgenommen, nicht weniger bequem zu sein, sondern die Bequemlichkeit besser zu organisieren.

Ô×Ę Mehr zum Thema: An die Mutter, die auf dem Spielplatz in ihr iPhone starrt

Mit Multitasking kann ich ganz bequem tolle Kindheitserfahrungen schaffen.

Um ehrlich zu sein sind wahrscheinlich einige der besten Kindheitserinnerungen meiner Tochter direkt auf meine Bequemlichkeit zur├╝ckzuf├╝hren.

Vor kurzem wollte sie eine Party f├╝r mich geben. Einfach so, sie findet mich nun einmal gro├čartig. Das rauschende Fest endete damit, dass ich im Flur eine Pedik├╝re von ihr bekam.

Ich lag auf dem Boden, die H├Ąnde hinter dem Kopf verschr├Ąnkt, und fand es toll, wie nahe wir uns waren, Mutter und Tochter. Eigentlich war ich aber ganz einfach nur wahnsinnig m├╝de.

Wenn mich eine Panik ├╝berkommt, dann werde ich schnell zum "Nein"-Monster

Ein anderes Mal spielte sie am Ufer eines Sees im Matsch. Von oben bis unten mit Matsch beschmiert - sie war ein Seeungeheuer. Eigentlich bin ich ganz locker, was solche Spiele betrifft. Aber ich ahnte, dass es mir leidtun w├╝rde, wenn ich sie sp├Ąter mit dem Gartenschlauch w├╝rde abspritzen m├╝ssen. Trotzdem lie├č ich sie spielen.

Mein kleiner Sohn kippte die Wasserschale unseres Hundes um. Ich legte ein Handtuch auf den Boden, gab ihm einen L├Âffel und eine Gabel und eine neue Schale voller Wasser. Ich war mir sicher, dass er etwas Wichtiges lernen w├╝rde. Ich selbst wollte aber nur schnell das Abendessen vorbereiten.

Wenn mich eine Panik ├╝berkommt, dann werde ich schnell zum "Nein"-Monster und verbiete alles, was Spa├č macht, weil meine Kinder ein Chaos veranstalten k├Ânnten und oh Gott, jetzt blo├č nicht auch noch die Wasserfarben!

Wenn ich einfach loslassen kann und mich dem "ich k├╝mmere mich sp├Ąter darum" hingebe, dann f├╝hrt das zu tollen Erlebnissen f├╝r meine Kinder. Ich wei├č, dass sie sich ihr Leben lang gerne daran zur├╝ckerinnern werden.

Mein Ich von morgen findet mich furchtbar.

Wenn ich faul bin, ist das okay so

Meine Kinder werden nie erfahren, dass die Gebr├Ąue in der K├╝che und das anschlie├čende Chaos nur dadurch zu erkl├Ąren sind, dass ich hungrig war und einfach schnell etwas zubereiten wollte.

Wer hat denn noch nie das Spiel "Wer kann am l├Ąngsten leise sein?" gespielt? Oder auch "ich tue so als sei ich krank und du bist mein Arzt. Ich liege hier einfach, w├Ąhrend du mich gesund machst".

Man kann immer irgendetwas besser machen. Wenn du das nicht glaubst, dann liegst du sogar doppelt falsch. Manchmal bin ich einfach ausgebrannt und meine Bequemlichkeit kommt durch und zwar auf die "das ist einfach so"-Weise.

Die restliche Zeit verschmelzen meine Bequemlichkeit und meine Kreativit├Ąt, genauso wie die rote und die blaue Knete, die ich aus Bequemlichkeit in einen Topf getan habe.

Irgendwann einmal, wenn ich l├Ąngst nicht mehr bin, dann wird mein Sohn sagen "wisst ihr noch, als Mama uns erlaubt hat, die W├Ąnde mit Kreide zu bemalen?".

Seine Schwester wird l├Ącheln und hinzuf├╝gen: "Und k├Ânnt ihr euch noch an all den Glitzer erinnern?"

Ja, vielleicht bin ich manchmal faul. Und vielleicht ist das ganz okay so.

Dieser Blog erschien urspr├╝nglich in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia L├╝ttmann aus dem Englischen ├╝bersetzt.

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(lk)