Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Rev. Cindy Maddox Headshot

An alle, die sich durch unseren Trauerzug belästigt fühlten

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FUNERAL PROCESSION
RubberBall Productions via Getty Images
Drucken

An die Frau mittleren Alters, die wütend gestikuliert hat und rumgeschrien hat, als wir vorbeifuhren.

An den Mann Mitte 30 im Anzug, der hupte und seinen schwarzen SUV durch unsere Reihe zwang.

An die Person, die erst versucht hat, uns vorbei zu lassen und ihr Auto dann in unsere Spur lenkte und uns blockierte.

Vielleicht wusstest ihr es nicht. Vielleicht habt ihr den Bestattungswagen und die flatternden Fahnen an den ersten Autos einfach nicht wahrgenommen. Vielleicht habt ihr nicht bemerkt, dass wir alle unsere Lichter und Warnblicker eingestellt hatten.

Vielleicht haben euch eure Mütter aber auch einfach nicht beigebracht, den Toten Respekt zu zollen, indem ihr freundlich zu den Trauernden seid.

Ihr konntet natürlich nicht wissen, dass die Frau im Leichenwagen nur 20 Jahre alt geworden ist. Ihr konntet nicht wissen, dass sie Eltern, Geschwister, einen jungen Ehemann und ein einjähriges Kind hinterließ. Ihr konntet nichts über die Person in dem Bestattungswagen wissen und wie viele Menschen ihr an diesem Tag folgten.

Trotzdem hättet ihr auch einfach stehenbleiben können. Ihr hättet warten können. Ihr hättet wissen können, dass die Trauer der anderen Leute größer ist als euer Bedürfnis, so schnell wie möglich zum Mittagessen zu kommen.

Bei einem Trauerzug geht es nicht darum, so schnell wie möglich am Friedhof anzukommen. Ein Trauerzug symbolisiert Verbundenheit, er macht das unsichtbare Band der Trauer sichtbar.

Ihre Eltern haben euch gesehen - ihr wart nur einige von Vielen, die ihrer Trauer mit Ungeduld begegneten. Die jüngeren Geschwister sahen euch - wie ihr die Kolonne durchbrochen habt und sie von dem Körper ihrer toten Schwester und den Armen ihrer Eltern getrennt habt.

Ihr seht, bei einem Trauerzug geht es nicht darum, so schnell wie möglich am Friedhof anzukommen. Ein Trauerzug symbolisiert Verbundenheit, er macht das unsichtbare Band der Trauer sichtbar.

Für die Trauernden ist es unerträglich, dass sich die Welt weiterdreht, obwohl ihre stehen geblieben ist. Sie können nicht verstehen, wie der Rest der Welt einfach weitermacht, nicht kapiert, dass sie etwas Wertvolles verloren hat. Während ihre Welt nie mehr dieselbe sein wird.

Sie werden die nächsten Wochen, Monate und vielleicht sogar Jahre mit einem Loch in ihren Eingeweiden leben müssen, das für niemanden sichtbar sein wird. Aber an diesem Tag, in diesem Moment, sind sie sichtbar. Und wenn ihre Trauer schon nicht die Welt anhält, dann sollte sie zumindest den Verkehr stoppen.

Als Priester ist es mein Job - meine Ehre, mein Segen und meine Bürde - bei Familien inmitten ihres Schmerzes zu sein, ihre Hände zu halten, für sie da zu sein, wenn das Undenkbare passiert. Ich höre ihnen zu. Ich helfe ihnen, einen Gottesdienst zu planen, der ihre Liebsten ehrt. Ich helfe ihnen, geeignete Bibelstellen für den Gottesdienst raus zu suchen, unabhängig davon, ob sie viele auswendig kennen, oder ob ihre Liebsten einfach gläubig waren oder ob sie einfach nur so was Religiöses möchten.

Wir kreieren eine Blase, vielleicht auch einen Kokon - einen sicheren Ort, an dem sie sich erinnern können, weinen und lachen können und gemeinsam in Trauer und Wut zusammenkommen können. Und an dem sie wissen, es ist okay, was sie fühlen.

Es bricht einem das Herz, in der ersten Reihe zu sitzen. Und es dreht einem den Magen um, die zu betrachten, die in der ersten Reihe sitzen. Aber wir alle stehen das gemeinsam durch - denn das nennt sich Leben, Trauer und Liebe. Und dann verlassen wir diesen geschützten Raum zusammen, um einen letzten, schwierigen Akt zu vollziehen - einen, den wir uns nicht vorstellen möchten und vor dem wir uns alle fürchten: Dem Moment, in dem wir unsere Liebsten der Erde überlassen.

Wir folgen dem Wagen vor uns, in dem Wissen, dass wir das immer noch gemeinsam durchmachen, immer noch durch unsere Trauer verbunden sind - sogar wenn wir in diese schnelle, ungeduldige, unsensible Welt hinausgehen.

Für die Trauernden ist es unerträglich, dass sich die Welt weiterdreht, obwohl ihre stehen geblieben ist. Wenn ihre Trauer schon nicht die Welt anhält, dann sollte sie zumindest den Verkehr stoppen.

Für alle, die so wütend waren, dass ein Trauerzug ihren Weg kreuzte, habe ich ein par Vorschläge. Wenn euch sowas das nächste Mal passiert, versucht, nicht daran zu denken, dass ihr eine Ampel-Phase verpasst habt; denkt stattdessen darüber nach, was die Menschen in den Autos vermissen werden.

Versucht, nicht daran zu denken, dass ihr zu spät zu einem Mittagessen kommt; denkt an die Leute, die nie wieder mit ihren Liebsten zu Mittag essen können. Nehmt diese Unbequemlichkeit für einen Moment in Kauf und lasst es zu, dass eine verletzte Familie zusammen bleibt. Um ihr zu zeigen, dass ihr sie seht und ihren Verlust erkannt habt.

Ich hoffe, ihr könnt das umsetzen. Denn eines Tages werdet ihr diejenigen sein, die mit eingeschaltetem Licht und Warnblinkern so nah wie möglich an den anderen dranbleiben möchtet, um den Weg zu finden und die Verbindung nicht zu verlieren. Und ich hoffe, dass die Welt dann auch für euch stoppen wird.

Dieser Text erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Bettina Pohl aus dem Englischen übersetzt.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Werdet zum Umwelthelfer

Keine Frage: Das Umweltbewusstsein in unserem Land hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch gewandelt. Viele fragen sich allerdings: Wie kann ich wirklich effektiv helfen?

Das ist gar nicht schwer. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org stellt die Huffington Post Projekte vor, die jeder von Euch unterstützen kann.

Die Aktionsgemeinschaft Artenschutz e.V. zum Beispiel setzt sich mit einem Projekt in Kenia für den Schutz und die Aufzucht von Elefantenbabys ein.

Denn noch immer werden ausgewachsene Elefanten wegen ihrer kostbaren Stoßzähne gejagt und getötet. Zurück bleiben verstörte Jungtiere, die auf sich allein gestellt sind und nicht überleben würden.

Die Elefantenbabys benötigen teure tierärztliche Versorgung und Verpflegung über mehrere Jahre, um schließlich wieder in die Wildnis entlassen werden zu können. Nach ihrem Aufenthalt im Waisenhaus sind die ausgewachsenen Tiere in der Lage, sich in bestehende Elefantenherden zu integrieren.

Unterstütze jetzt die Aktionsgemeinschaft Artenschutz bei ihrer Arbeit im Waisenhaus für Elefantenbabys auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.


(ben)