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Trump startet ein neues atomares Wettrüsten mit Russland - und die Welt wird dafür bezahlen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP PUTIN
Stevo Vasiljevic / Reuters
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Von Jim McGovern und Dr. Ira Helfland

Amerika verfügt über eines der beiden mächtigsten Atomwaffenlager der Welt. Auf Trumps jüngsten, waghalsigen Tweet, die USA sollten ihre „nuklearen Möglichkeiten ausbauen", reagiert die Welt angespannt. Und das alles nur Stunden nachdem Putin Russland dazu aufgerufen hat, seine Atomwaffen aufzurüsten.

Donald Trump ist noch nicht einmal ins Weiße Haus eingezogen und droht jetzt schon damit, jahrzehntelange Nuklearpolitik der USA zur Nichte zu machen und uns in gefährliches Wettrüsten zurückfallen zu lassen. Das führte damals schon zum Kalten Krieg.

Sowohl republikanische als auch demokratische Sicherheitsexperten bestätigen, dass Trump nicht über das richtige Temperament verfüge, um die Verantwortung für unser Atomwaffenarsenal zu übernehmen. Und wir wissen jetzt schon, warum.

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Sobald Trump das Präsidentschaftsamt antritt, wird er über die alleinige Macht verfügen, einen Atomkrieg zu initiieren, ohne, dass seine Entscheidungen rechtlich geprüft werden müssten. Wir können nur hoffen, dass sein impulsives Verhalten, das er während seiner Wahlkampfkampagnen und seit der Wahl gezeigt hat, kein Indikator dafür ist, wie er das Land regieren wird.

Es ist jedenfalls klar, dass unsere Antwort auf lange Sicht sein muss, einen Wandel in der US-Atomwaffenpolitik zu schaffen.

Die Macht über tausende Atomwaffen hat ein Mann

Jahrzehntelang behaupteten die USA, dass sogar wenige Atomwaffen in den Händen zwielichtiger Nationen eine inakzeptable Bedrohung darstellen würden, aber wenn „verantwortungsvolle" Staaten wie die USA über derlei Waffen verfügen, sei das in Ordnung.

Die USA haben die Macht über tausende Atomwaffen einem Mann übergeben, dessen Temperament ihn anscheinend daran hindert, verantwortungsvoll mit dieser Position umzugehen. Das zeigt, wie lückenhaft diese Logik ist.

Viele Mediziner und Wissenschaftler behaupten schon seit langem, dass es die „richtigen Hände", in denen Atomwaffen landen könnten, nicht gibt. Ein groß angelegter Angriff mit Atomwaffen könnte fast die gesamte Menschheit auslöschen.

Jüngste Studien belegen, dass sogar ein eingeschränkter Atomkrieg, in dem weniger als 0,5 Prozent der auf der Welt verfügbaren nuklearen Waffen zum Einsatz kommen, eine weltweite, dramatische Verschlechterung des Klimas und eine globale Hungersnot bewirken sowie etwa zwei Milliarden Menschen bedrohen würde. Kein Mensch sollte jemals über solch eine destruktive Macht verfügen.

Gegenstimmen behaupten, manchen Staatsoberhäuptern könnte diese schreckliche Macht anvertraut werden. Bei solchen Aussagen gehen sie allerdings davon aus, dass wir stets Machthaber wählen, die mit dieser schwerwiegenden Verantwortung umgehen könnten.

Die Wahl Donald Trumps und die Tatsache, dass Vladimir Putin nach wie vor Russland regiert, zeigen, dass solche Annahmen falsch sind. Wenn solche Politiker die Kontrolle über derartige Waffenarsenale haben, müssen wir uns eingestehen, dass es im Zusammenhang mit Atomwaffen keine akzeptablen Risiken gibt. Wir müssen diese Waffen eliminieren.

Es wird nicht einfach sein, mit den jetzigen Atomstaaten zusammenzuarbeiten, um eine atomwaffenfreie Welt zu schaffen, aber es ist möglich und essenziell, um unsere Zukunft zu sichern.

Jeder Atomstaat behauptet eigene Gründe, warum diese Arsenale wichtig sind, um die eigene nationale Sicherheit und einen Platz in der Welt zu gewährleisten.

Aggressive Nuklearpolitik sei laut Trump berechtigt

Trump behauptet, eine aggressive Nuklearpolitik sei solange gerechtfertigt, bis die Welt „zur Besinnung kommt". Aber das ist sie bereits. Immer mehr Menschen befürworten eine Reduzierung der Kernwaffen und Trump als unser nächster Präsident sollte diesen Forderungen nachgehen.

Erstens müssen die USA eine endgültige Entscheidung treffen, die nationale Sicherheit zu gewährleisten, und das geht nur in einer atomwaffenfreien Welt. Das würde das Fundament für den Fortschritt legen, den wir wirklich brauchen. Die USA sollten von dem Plan abrücken, in den nächsten 30 Jahren eine Billion Dollar in das atomare Aufrüsten zu investieren.

Zweitens müssen sich die USA ausdrücklich dazu bereit erklären, niemals wieder Atomwaffen gegen Nicht-Atomstaaten zu verwenden und nie zuerst eine Atomwaffe zu zünden.

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Drittens sollten die USA mit Russland zusammenarbeiten, um gemeinsame Maßnahmen zu finden, wie beide Länder sich in ihrer Aufrüstungspanik beruhigen können, um zu vermeiden, dass eines von ihnen seine Waffen schließlich als Antwort auf eine drohende Attacke einsetzt.

Nicht zuletzt müssen sich die USA international für einen Vertrag einsetzen, der den Besitz von Atomwaffen verbietet. Die Vereinten Nationen haben im Oktober mit überwältigender Mehrheit dafür gestimmt, Verhandlungen für solch einen Vertrag anzusetzen. Die USA sollten sich diesem Prozess anschließen und einen daraus resultierenden Vertrag als Basis für Verhandlungen mit anderen Atomstaaten nutzen, um ihre Arsenale kontrolliert zu reduzieren und zu eliminieren.

Wir müssen unseren Kindern eine sicherere Zukunft bieten

Jeden Tag zeigt der gewählte Präsident Trump die Gefahren, die ein undurchdachter Umgang mit Außenpolitik birgt. Wir schließen uns den Republikanern und Demokraten an und hoffen, dass Trumps Rhetorik nicht die Rückkehr zu einem längst überholten Umgang mit Atomwaffen bedeutet.

Mehr als jemals zuvor müssen die USA mit Machthabern aus der ganzen Welt kooperieren, um Atomwaffenarsenale zu reduzieren und den Weg zu einer atomwaffenfreien Welt zu ebnen. Wir sind dazu verpflichtet, unseren Kindern eine sicherere Zukunft zu bieten. Wir können es uns nicht leisten, die USA in ein gefährliches Wettrüsten zurückfallen zu lassen und einen neuen Kalten Krieg zu riskieren.

US-Kongressmann Jim McGovern repräsentiert den zweiten Wahlbezirk von Massachusetts. Dr. Ira Helfand ist Friedensnobelpreisträgerin und Co-Präsidentin des International Physicians for the Prevention of Nuclear War.

Folge Jim McGovern auf Twitter: www.twitter.com/RepMcGovern

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt.

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