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Srebrenica - ein Abgrund des Westens

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SREBRENICA
Dado Ruvic / Reuters
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Geheime Diplomatie

Und wieder trauert die Welt in diesen Tagen in Erinnerung an ein Massakker, das vor genau 22 Jahren im bosnischen Srebrenica stattfand. Ein kaum zu überblickendes Meer von Grabsteinen mit pfählernen Mahnmahlen dicht an dicht rückt erneut die Tragödie vom 10.Juli - 18. Juli 1995 ins Gedächtnis, als rund 7000 Muslime von der serbisch-bosnischen Armee unter ihrem Kommandanten Ratko Mladic bei der Flucht aus der damaligen Enklave Srebrenica grausam abgeschlachtet wurden. Doch nicht jeder der zahlreichen Ehrengäste, die sich in diesen Tagen vor den Opfern verneigen, wird die Dämonen der Vergangenheit - nämlich die Mitschuld der Internationalen Gemeinschaft an diesem Verbrechen - gänzlich aus seinem Gewissen löschen können. Denn Srebrenica bleibt neben dem größten Völkermord seit dem 2. Weltkrieg auch ein Mysterium, ein Abgrund an internationaler Ignoranz, Feigheit und perfider Diplomatie, die um der eigenen Interessen willen buchtäblich „über Leichen ging."

Fakten, Dementis und Widersprüche

Hunderte von Medienberichten, Memoiren und Bücher haben seither versucht, die damaligen Ereignisse nachträglich aufzuarbeiten.

Mit zweifelhaftem Erfolg. Nicht selten wird der Leser am Ende verwirrter sein als zuvor. Schuldzuweisungen über die nicht erfolgte Nato-Luftunterstützung oder die Frage, ob westliche Geheimdienste die Massakker in Echtzeit verfolgen konnten werden wie ping-pong-Bälle zwischen den Verantwortlichen verschoben, nicht selten sind nationale Tendenzen - etwa bei Recherchen zugunsten der damals in Srebrenica stationierten holländischen Blauhelme (Unprofor)- nicht zu übersehen. Uneinigkeit besteht zudem darüber, ob die in der Enklave eingeschlossen Muslime aufgrund fehlender militärischer Ausrüstung keine Gegenwehr leisteten, ob sie Flucht aus Angst ergriffen oder gar der Befehl zur widerstandslosen Aufgabe aus Sarajewo kam. Auch die Frage, ob es erst der fehlende Widerstand der bosnischen Armee war, der den serbisch-bosnischen Generalstabschef Mladic ermutigte nicht nur die Außenbezirke sondern die gesamte Stadt einzunehmen oder die Eroberung bereits Monate vorab geplant war, wird heiß und kontrovers diskutiert. Auch 22 Jahre nach dem Fall Srebrenicas bleiben so viele Fragen ohne Antworten.

Der deal ist perfekt

Ungeachtet mancher Widersprüche bei der Einschätzung der Geschehnisse im Juli 1995 - in einem Punkt scheint sich wohl die Mehrzahl der mit den Hintergründen befaßten Autoren einig zu sein: Dem Angriff der serbisch-bosnischen Armee auf Srebrenica und den folgenden Massakern ging ein diplomatischer deal mit Belgrad und dessem damals uneingeschränkt herrschendem Präsidenten Slobodan Milosevic voraus (+2006 während seines Prozesses vor dem Haager Kriegstribunal). Den Großmächten war der blutige Krieg in Bosnien zwischen der muslimisch-kroatischen Armee und der bis dahin übermächtigen serbischen Armee längst entglitten. Sie verfolgten nur noch ein Ziel: eine Friedensvereinbarung um jeden Preis und dies vor Wintereinbruch. Fast das ganze Frühjahr 1995 hatten internationale Vermittler, u.a. der US-Vertreter in der 5-köpfigen Kontaktgruppe Robert Frasure, mit Milosevic über dessen Anerkennung Bosniens und ein Friedensabkommen für Bosnien verhandelt. Die tatsächlichen serbischen Gesprächspartner in Bosnien - der Präsident der „Republik Srpska", Radovan Karadzic und sein Militärchef Ratko Mladic- wurden vom Westen weitgehendst ignoriert. Sie hatten sich durch ihre brutalen ethischen Säuberungen und die 3 ½ -jährige Bombardierung Sarajewos längst als legitime Verhandlungspartner disqualifiziert. Der starke Mann und die letzte Hoffnung eines kriegsmüden Westens war aller Ironie zum Trotz der Initiator aller Kriege auf dem Balkan, Slobodan Milosevic.

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Und der hielt sich an sein Prinzip: „Man muß immer den richtigen Augenblick wählen um seine Ziele zu erreichen. Der erste Schuß muß immer geradewegs in die Stirn gehen." (während einer Diskussion mit der serbischen Führung in Pale, aufgezeichnet im Buch von Nikola Koljevic:Stvaranja republike Srpske)

Schuß in die Stirn

Der richtige Augenblick für Stirn und Erpressung des Westens war jetzt gekommen: Milosevic forderte als Gegenleistung für ein Friedensabkommen die 3 unter UN-Schutz stehenden Enklaven Srebrenica, Zepa und Gorazde. Diese waren in dem seit Sommer 1994 vorliegenden Plan über eine künftige territoriale Aufteilung Bosniens den bosnischen Muslimen zugeschlagen worden - was die Kompaktheit der serbischen Entität empfindlich beeinträchtigt hätte. Im Gegenzug stand die Garantie, den Widerstand der bosnischen Serben gegen eine Friedensvereinbarung zu brechen und deren militärischen Rückzug auf 49 % des Territoriums (zu diesem Zeitpunkt hielten die Serben 70 % ) zu sichern.
Ein Angebot das , wenn auch unmoralisch, Washington - und in dessen Schlepptau vermutlich auch Paris und London - kaum ablehnen konnten und wollten. Der deal war besiegelt, die Enklaven zum Sturm freigegeben. In einer mittlerweile dechiffrierten Depesche der CNN wird die doppelte Moral des Westens deutlich. 3 Tage nachdem General Mladic Srebrenica eingenommen hatte resümmierte der CIA, ..."daß man sich der Analyse einiger amerikanischer Politiker anschließe, die Entfernung der Enklaven, die ein fortgesetztes Hindernis gewesen seien, würde die Verhandlungschancen für einen Frieden erhöhen."
Auch andere internationale Politiker wie etwa der schwedische Vermittler Carl Bildt gestanden: Alle wußten daß ein Friedensabkommen den Verlust der Enklaven bedeutetet.
Eine Untersuchungskomission des französischen Parlaments kam zum selben Schluß: Hinter der UN hätten Großmächte gestanden, die 1995 die Verhandlungen über eine küftige ethnische Aufteilung Bosniens vereinfachen wollten.
Srebrenica wurde geopfert. Doch man machte einen fatalen Fehler, schreibt Florence Hartmann, die langjährige Sprecherin der ehemaligen Tribunal-Chefanklägerin Carla Del Ponte in ihrem Buch „Friede und Bestrafung": Man hätte Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergreifen müssen - und tat es nicht. Das Resultat ist bekannt.

Blauäugige Strategie am grünen Tisch

Es ist indes kaum anzunehmen daß die Reißbrett-Strategen, die am Verhandlungstisch ganze Bataillons in die Schlacht schickten um ihre diplomatischen Ziele zu realisieren, die Frage der Evakuierung von rund 42 000 Einwohnern Srebrenicas nicht erörterten - etwa einen Korridor ins rund 70 km entfernte Tuzla, das von den bosnischen Truppen kontrolliert wurde. Mit der Ermordung von 7000 Männern auf diesem Fluchtweg hatte dabei sicher niemand gerechnet - auch wenn bosnische Politiker angesichts der immer deutlicheren Anzeichen eines serbischen Angriffs eindringlich davor warnten.

Wie also kam es dazu, daß Tausende Männer und Jungen gezwungen wurden, auf Feldern niederzuknien um dann von Erschießungskommandos wie Schlachtvieh in stundenlangen Exekutionen ermordet zu werden ? Wer gab den Befehl, 1000 Männer in einer Fabrik in Kravica einzusperren, die Gefangenen darin anschließend mit Bomben und Gewehrsalven zu töten? Beim Haager Kriegstribunal ist man davon überzeugt, daß nur der serbische General Ratko Mladic, seinerzeit Militärchef der serbisch-bosnischen Armee, diese Befehle erteilten konnte - ungeachtet der Horden von Freischärlern, die sich schon in der Planungsphase der Eroberung nahe Srebrenica versammelt hatten - Abschaum der mordete und plünderte und sich seit Jahren als willkommener Handlanger bei ethnischen Säuberungen verdient machte.


Zwischen Napoleon und Waterloo

Wer den serbischen General Ratko Mladic kennt wird ihn als unberechenbar beschreiben, ein Mann der seit dem Selbstmord seiner Tochter 1994 zwischen Depressionen und cholerischen Anfällen schwankte. Ein Napoleon wollte er sein, der mit seiner Genialität die Serben in Bosnien zur „La Grande Nation" erheben würde, befreit von den „Türken", wie die Muslime verächtlich von der serbischen Bevölkerung genannt wurden. Doch gleichzeitig sah er auch sein Waterloo nahen..

Wir werden den Krieg verlieren, tobte und wütete ein entfesselter Mladic am 15.April 1995, drei Monate vor dem Angriff auf Srebrenica, mit hochrotem Gesicht auf einer Sitzung der politischen Führung im bosnischen Sanski Most. Während seine Armee ohne Nahrung, Munition und Treibstoff sei, herrsche in Pale - dem Sitz der bosnischen Serbenführer - Profitgier, humanitäre Hilfen würden veruntreut und Unfähigkeit machten jeden Erfolg seiner Armee zunichte.

Die Korruption der serbischen Führung in Pale war kein Geheimnis. Selbst im entlegensten Schützengraben wußte man längst, daß der vermeintliche Serben-Retter Radovan Karadzic in den Kasinos von Belgrad pro Nacht Millionen DM verspielte während der Sold eines Soldaten an der Front 8 DM monatlich betrug. Massenweise machten sich Deserteure jede Nacht auf den Weg, um mit Booten über die Drina den sicheren Hafen Belgrad zu erreichen. Mladics Versuche, Tausende seiner Deserteure gewaltsam wieder mit Bussen nach Bosnien zurückzubringen, blieben erfolglos. Erst als auch serbische Polizisten die „Verräter" jagten, konnten einige wieder in den Dienst des Vaterlandes gestellt werden.
Indes, nicht genug um 1600 km Grenzlinie zu kontrollieren, die die Serben mittlerweile in Bosnien erobert hatten.

Mehr zum Thema: 40 Jahre Gefängnis für Radovan Karadzic, - doch der Geist ist noch lange nicht in der Flasche

Mladic - vergeblicher Bittsteller in Moskau

Neid und Panik muß Mladic gleichermaßen erfaßt haben wenn er die Entwicklung beim Kriegsgegner beobachtete. Die bosnischen Armee hatte mittlerweile nicht nur weitaus mehr Kämpfer zur Verfügung, sie erhielt auch - mit stillschweigendem Einverständnis der USA und unter Verletzung des Waffenembargos - immer mehr Militärausrüstung aus dem Iran, Saudi-Arabien und der Türkei.
In Washington wurde auf Drängen Senator Robert Doles zugleich darüber diskutiert, das Waffenembargo gegen die Muslime in Bosnien einseitig aufzuheben. Amerikanische Militärausbilder schulten seit langem die bosnischen Militärs. Im Falle eines (mehrfach angedrohten) Rückzugs der Unprofor sollte die bosnische Armee zum gleichwertigen Gegner auf dem Schlachtfeld werden.

Solchen Entwicklungen konnte Mladics nur verzweifelt hinterherrennen. Belgrad leistete zwar nach wie vor militärische Hilfe - doch Milosevic wollte sich die Chance einer Aufhebung des gegen Serbien verhängten Wirtschaftsembargos nicht von „Verrückten",wie er die serbische Führung jenseits der Drina mittlerweie bezeichnete, nehmen lassen. Mladic reiste heimlich als Bittsteller nach Moskau - letztmals am 3.April 1995 - und forderte von dort militärische Hilfe. Vergeblich. Jelzin dachte nicht daran, sich die guten Beziehungen zu Washington durch den international geächteten „Schlächter" zerstören zu lassen.

Mehr zum Thema: Gericht urteilt: Niederlande tragen Mitschuld am Völkermord in Srebrenica


Erfolgreiches Prinzip „Geiselnahme"

Als die UN mit der Resolution 998 vom 15.6.1995, also einen Monat vor der Einnahme Srebrenicas, auch noch eine 12 500 Mann starke „schnelle Eingreiftruppe" genehmigte, die ausgerüstet mit Panzern, schwerer Artillerie und Kampfhubschraubern in Bosnien zum Einsatz kommen sollte und auch befugt war, direkte Angriffe gegen die Serben zu führen, mußte Mladic um sein letztes Faustpfand bangen: Die bis dato erfolgreiche Erpressung durch Geiselnahmen.

Eine bewährte Methode, mit welcher er bisher dem Westen die Daumenschrauben ansetzen konnte und der ihm, so wird vermutet, später auch den ungehinderten Einmarsch in Srebrenica ermöglichte.

Als am 25.5.1995 Natoflugzeuge - wenn auch halbherzig - zwei (leere) Munitionslager bei Pale bombardiert hatten, zögerte Mladic keinen Augenblick. Schon am nächsten Tag sah die Welt auf ihren TV-Bildschirmen 370 UN-Soldaten, angebunden an Brückenpfeilern und als Geiseln schutzlos der Willkür eines vor Wut schäumenden Mladics ausgeliefert, der mit Erschießung drohte falls die Nato ihre Bombardierung fortsetze.
Das Kalkül ging auf. Der Westen kroch zu Kreuze. Am 28. Mai wurden die Nato-Angriffe bis auf „absehbare Zeit" gestoppt.

Geheimabsprache zwischen Mladic und Frankreich?

Mit „einer persönlichen Botschaft" des französischen Präsidenten Jacques Chirac reisten französische Generale, unter ihnen der UN-Kommandant Bosniens Bertrand Janvier nach Zvornik, um in Geheimgesprächen mit Mladic über die Freilassung der Geiseln - die meisten davon Franzosen - zu verhandeln. Der formulierte seine Bedingungen klar: Die Geiseln im Austausch zum künftigen Verzicht der Nato, Luftangriffe auf die bosnischen Serben zu fliegen.
Die Geiseln wurden freigelassen, die Offiziellen der UN und die französischen Offiziellen negieren bis heute einen deal.
Doch kaum einer der internationalen Beobachter oder Militärexperten zweifelt an dieser Form des Lösegelds. Selbst der bekannte US-Vermittler Richard Holbrooke spricht in seinem Buch „Der Weg nach Dayton" von wichtigen, wenn auch indikativen Beweisen, daß es nach der Befreiung der Geiseln zu einer Geheimabsprache zwischen den lokalen Kommandanten der UN und den bosnischen Serben kam bei welchem der künftige Verzicht auf Luftangriffe der Nato zugesagt wurde. Überzeugt von solch eine Zugeständnis gaben sich auch Milosevic und die Führung in Pale.

Das Verhalten der UN-Offiziellen, unter ihnen UN-Kommandant Bertrand Janvier, bei der Attacke auf Srebrenica und den bereits absehbaren Exekutionen bestätigt diesen Verdacht eher als daß er ihn ausräumt. Man zögerte tagelang bei der Anforderung von Nato-Luftangriffen, beschönigte die tatsächliche Situation in der Enklave und beschuldigte sich am Ende gegenseitig des Fehlverhaltens und der „Fehleinschätzung". Ohne Zustimmung der UN waren der Nato, deren Kampfhubschrauber teils stundenlang über der Adria kreisten und auf ihren Einsatz warteten, die Hände gebunden. Der Grund ist ein „doppelter Schlüssel", der bei Nato-Unterstützung sowohl der Zustimmung der Nato als auch der Vereinten Nationen bedarf.

Fürchtete Mladic die erneute Rekrutierung muslimischer Flüchtlige?

Und dennoch bleibt die Frage offen: Eine leere Enklave, aus der nicht nur die Einwohner flüchteten sondern auch die zu ihrem Schutz beorderten holländischen UN-Soldaten um ihren freien Abzug flehten- was treibt einen siegreichen Feldherrn dann noch zum Völkermord?

War es jenes langgezogene Zelt, das nach Eintreffen der ersten Flüchtlinge aus Srebrenica am Eingang des Flughafens von Tuzla aufgebaut war und aus dessen Lautsprechern unermüdlich die Stimme eines dort sitzenden bosnischen Militärs klang: alle Männer, die eintreffen, haben sich zuerst beim Kommando zu melden um ihren nächsten Einsatzbefehl abzuholen. Erst dann können sie sich kurz bei ihren Familien melden. Gespräche mit Ausländern sind nicht erlaubt.

Währenddessen kauerten in unzähligen kleinen Zelten auf dem Rollfeld Tausende evakuierter Frauen und Kinder aus Srebrenica, die angstvoll auf ihre Männer, Väter und Söhne warteten - bereits wissend, daß ein Großteil in serbischen Hinterhalt geriet?

Sollte Mladic die Tötung von 7000 Männern und Jungen nicht bereits Monate vorab geplant haben, so wäre spätestens dies der Zeitpunkt gewesen, ihn in unkontrollierte Panik zu versetzen. Gerettete Muslime als erneute Frontkämpfer gegen seine ohnehin geschwächte Armee zu sehen waren für ihn zweifellos unvorstellbar.

Unsäglicher Haß zwischen Muslimen und Serben

Oder war es Rache? fragte der Staatsanwalt des Haager Kriegstribunals den ehemaligen französischen UN-Kommandanten und 5-Sterne-General Philippe Morrillon am 12.2.2004 im Zeugenstand. Morillon war zwischen 1993 und 1994 in Srebrenica stationiert und hatte nur eine Antwort: Ja - ja - und nochmal ja. Nirgendwo in Bosnien habe er solch tiefen Haß zwischen Serben und Muslimen gesehen wie in dieser Region. Was 1995 passiert sei sei eine direkte Reaktion auf die grausamen Verbrechen, die der für Srebrenica zuständige militärische Führer der bosnischen Armee, Naser Oric, an der serbischen Bevölkerung in den umliegenden Dörfern verübt habe. Oric sei ein „warlord" gewesen, der mit Terror regierte - sowohl über seine Region als auch über die muslimanische Bevölkerung. Und er habe in einem Gespräch mit ihm, sagt Morillon, nicht einmal eine Entschuldigung für die Morde gesucht. Sein Standpunkt sei gewesen, .."man könne sich nicht mit Gefangenen belasten." Schon damals habe er mit dem Schlimmsten gerechnet, falls die Serben jemals in die Enklave eindringen würden.

Daß die muslimanische Armee aus der Schutzzone Srebrenica heraus Massaker an den Serben verübte, wird von Sarajewo nur ungern bestätigt und gerne auch mit dem Vorwurf gekontert, die Anschuldigungen seien „pro-serbisch" gefärbt. Tatsache ist, daß allein am orthodoxen Weihnachtsfest 1993 49 serbische Einwohner des Dorfes Kravica von der bosnischen Armee und ihrem Militärführer Oric getötet und 86 schwer verletzt wurden.


Die Mafia von Srebrenica

Doch auch innerhalb der Enklave herrschte laut Pulitzer-Preisträger David Rohde erbitterter Streit zwischen den dortigen Muslimen. Schießereien zwischen muslimischen Fraktionen waren an der Tagesordnung. In seinem Buch „Endgame - The betrayal and fall of Srebrenica" beschreibt Rohde, wie die politische Führung der Stadt nicht minder in Korruption verwickelt war wie die Serbenführer aus Pale. Humanitäre Hilfen wurden gehortet und zu Schwarzmarktpreisen an die hungernde Bevölkerung verkauft, Hundertausende von Dollar die aus Sarajewo oder der Emigration eingeschleußt wurden um an die Hinterbliebenen getöteter Kämpfer verteilt zu werden landeten in den Taschen der herrschenden Mafia. Vor Attentaten auf politische Opponenten wurde nicht gezögert.

Fortsetzung folgt: „Feind „Unprofor", Izetbegovic zwischen 2 Fronten und was wußte der Westen tatsächlich über den bevorstehenden Angriff auf Srebrenica.....

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