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Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Entwicklungszusammenarbeit

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Dank internationaler Entwicklungszusammenarbeit haben arme Länder große Fortschritte gemacht. Unzählige Menschenleben wurden gerettet und bessere Lebenschancen eröffnet. Und doch geraten Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit immer wieder in die Kritik. So wird oft die Frage aufgeworfen, ob „Entwicklungshilfe" nicht eine große Verschwendung sei. Wir müssen diese Bedenken ernst nehmen, denn schließlich werden Entwicklungsvorhaben in erster Linie durch öffentliche Gelder und Spenden finanziert. Doch diese pauschale Verurteilung ist gefährlich. Gefährlich deshalb, weil weniger Entwicklungsgelder das Leben vieler Millionen Menschen gefährden würde und Folgekosten aufgrund mangelnder Finanzierung gar steigen würden.

Deutschlands Finanzierung nicht ausreichend

Deutschland investiert weniger Geld in Entwicklungszusammenarbeit, als die meisten Bundesbürger annehmen. Einer repräsentativen Umfrage zufolge, die wir im vergangenen Jahr durchgeführt haben, glaubten die Befragten im Durchschnitt, dass Deutschland 2,4 Prozent seines Bruttonationaleinkommens in Entwicklungszusammenarbeit investiert. Tatsächlich waren es im Jahr 2012 nur 0,37 Prozent. Und dieser Wert ist gegenüber dem Vorjahr sogar leicht gesunken.

Dabei hat Deutschland international seit mehr als 40 Jahren wiederholt zugesagt, bis zum Jahr 2015 mindestens 0,7 Prozent seines Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit zu investieren. Der Koalitionsvertrag hält zwar an dem Ziel fest, es ist jedoch schon jetzt klar, dass die Erreichung des 0,7 Prozent-Ziels in dieser Legislaturperiode verfehlt werden wird. Denn der im Koalitionsvertrag vorgesehene Aufwuchs von insgesamt zwei Milliarden Euro reicht nicht aus, um Deutschlands internationalen Zusagen gerecht zu werden.

Damit gefährdet die Bundesregierung nicht nur ihren internationalen Ruf, sondern ignoriert auch den Willen der Bundesbürger. In unserer Umfrage nämlich äußerten 80 Prozent der Befragten, dass Deutschland an seinem 0,7 Prozent-Ziel festhalten solle. Andere Länder wie Dänemark, die Niederlande und Schweden machen vor, dass das möglich ist. Diese geben sogar mehr als 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit aus.

Investitionen zahlen sich aus

Investitionen in Entwicklungszusammenarbeit sind Investitionen in die Zukunft. Wenn wir bereits heute dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt gesund, gebildet und aufgeklärt aufwachsen, können sie später viel stärker zur wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Länder beitragen. Internationale Zusammenarbeit ist also nicht nur aus menschenrechtlicher Perspektive geboten, sondern auch aus einer ökonomischen.
Ein Beispiel: Studien zeigen, dass Investitionen in freiwillige Familienplanung helfen, die Armut zu reduzieren, die Gesundheit zu verbessern und die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben.

Wenn Frauen das Recht haben, über die Zahl ihrer Kinder und den Zeitpunkt ihrer Geburt zu bestimmen, sind sie gesünder und besser gebildet, sie können eher am Erwerbsleben teilnehmen, und sie sind wirtschaftlich produktiver. Die Frauen entscheiden sich meist für weniger Kinder. Und diesen Kindern geht es besser: Sie sind gesünder, haben bessere Bildungs- und Berufschancen und verdienen später mehr.

Aufklärung und Verhütung sind in vielen Entwicklungsländern jedoch Mangelware. Jede vierte Frau kann dort nicht verhüten, obwohl sie das gerne möchte. Eine der Folgen: 80 Millionen ungewollte Schwangerschaften - jedes Jahr. Um allen Menschen Zugang zu freiwilliger Familienplanung zu ermöglichen, würde dies 8,1 Milliarden US-Dollar pro Jahr kosten. Das sind 4,1 Milliarden US-Dollar mehr, als heute investiert werden. Mit diesen Investitionen, die Entwicklungsländer nicht alleine schultern können, ließen sich 20 Millionen ungewollte Geburten sowie rund 26 Millionen Abtreibungen vermeiden. Zudem könnte das Leben von rund 80.000 Frauen gerettet werden, die jährlich an Schwangerschaftskomplikationen sterben.

Die beeindruckte Wirkung von Entwicklungszusammenarbeit ließe sich an zahllosen weiteren Beispielen belegen - etwa an der beachtlichen Reduzierung der in Armut lebenden und mangelernährten Menschen. Verwiesen sei hier auf die jährlichen Berichte zur Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele. Diese Erfolge sollten Deutschland, aber auch anderen Gebern zeigen, dass sich ihre Investitionen auszahlen und das Leben von Millionen Menschen zum Besseren wenden. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Entwicklungszusammenarbeit!

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