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Mein Freund hat eine andere Frau geschwängert - es war das Beste, was uns hätte passieren können

06/06/2017 18:04 CEST | Aktualisiert 06/06/2017 18:04 CEST
Rebecca Jane Stokes

"Wir versuchen gerade, ein Kind zu zeugen."

Ich war seit einer Woche mit meinem Freund Rob zusammen, als er mir diese Neuigkeit eröffnete.

"Okay", sagte ich. Wir machten gerade gemeinsam einen Spaziergang durch unsere Nachbarschaft.

Schwangerschafts-Bekanntmachungen (oder wir-wollen-schwanger-werden-Bekanntmachungen) sind fast immer eine große Überraschung. Es sei denn, du bist der Part in der Beziehung, der selbst schwanger ist. Das hier aber war eher sowas wie ein Schock. Denn mein Freund sprach nicht von unserer Beziehung.

Rob war eigentlich als Lückenfüller gedacht und nicht als mein polyamouröser Freund

Was sein Leben betraf, war Rob mir gegenüber immer absolut offen und ehrlich. Er ist geschieden, er hat einen autistischen Sohn, er hat einen Herzinfarkt überlebt und er führt seit sieben Jahren in eine polyamouröse Beziehung mit seiner Freundin.

Rob war eigentlich als Lückenfüller gedacht und nicht als mein polyamouröser Freund. Ich lernte ihn eine Woche, nachdem mein Ex-Freund mir das Herz gebrochen hatte, kennen. Ich hatte mir geschworen, mich nicht sofort wieder in eine Beziehung zu stürzen, ich wollte nur meinen Spaß, schauen, was der Markt so zu bieten hat. Das war etwas, das ich (eine überzeugte Monogamistin) noch nie zuvor getan hatte.

Jetzt, ein Jahr später, sind wir immer noch zusammen und Rob und seine andere Freundin erwarten im Juli ein Kind.

Und ich fange an zu glauben, dass diese seltsame polyamouröse Art zu leben echt funktionieren könnte.

Ich dachte, unsere Beziehung würde zum Problem werden

Es war kein Problem, zustimmend zu nicken, als Rob mir eröffnete, dass er und seine Freundin probierten, ein Kind zu bekommen. Ich hatte nicht langfristig geplant. Wie jeder Junkie in Therapie dachte ich nur von Tag zu Tag.

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"Ich date ihn einfach so lange, bis es sich irgendwie seltsam anfühlt und dann ziehe ich einen Schlussstrich." Das sagte ich all meinen Freunden, wenn ich ihnen von meinen Sex-Abenteuern mit einem polyamourösen Mann berichtete.

Als sich die Dinge nach ein paar Monaten immer noch nicht seltsam anfühlten und die Worte "Ich liebe dich" bereits mehrmals zwischen uns gefallen waren, erkannte ich, dass unsere Beziehung schnell zu einem riesigen Problem werden könnte.

Wenn sich nichts jemals komisch anfühlt, bedeutet das dann auch, dass wir niemals über bestimmte Dinge reden würden?

Warum sollte ich wegen ungeborenen Kindern in Panik verfallen?

Wenn ich mich für einen Mann entscheide, der noch eine andere Partnerin hat (und dazu zwei Kinder), bedeutet das dann auch, dass ich meinen Traum von einer Hochzeit aufgeben müsste, dass ich niemals eine eigene Familie mit meinem eigenen Partner haben würde?

Damals habe ich diese Themen nicht angesprochen. Denn für mich war es albern, wegen ungeborenen Kindern in eine Panik zu verfallen, wo ich den Mann doch erst seit drei Monaten kannte. Selbst wenn dieser Mann mir bereits auf unserem zweiten Date gesagt hatte, dass er sich in mich verliebt habe. Ja, genau so war es.

Außerdem lief es wirklich gut, warum sollte ich über Probleme sprechen, die noch gar nicht existierten?

Dann wurde Robs Freundin schwanger. Ich erfuhr davon, als ich zu Thanksgiving bei meiner Familie zu Besuch war. Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte, aber mir wurde bewusst, dass ich mich in unserer Beziehung jetzt das erste Mal komisch fühlte.

Die Veränderung machte ihn aufmerksamer als je zuvor

Doch jetzt war es zu spät, einen Schlussstrich zu ziehen und einfach davonzulaufen. Ich hatte in ihn investiert. Ich hatte in uns investiert.

Ich wartete ab, wie die Schwangerschaft ihn oder sie (seine andere Freundin) verändern würde. Ich hatte erwartet, dass er sich zurückziehen, vielleicht sogar einen Rückzieher machen würde.

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Aber nichts dergleichen geschah. Stattdessen machte ihn diese große Veränderung in seinem Leben (in unserem Leben) aufmerksamer als jemals zuvor. Er spürte meine Unruhe und endlich fühlte ich mich sicher genug, ihm von all meinen Ängsten bezüglich unserer Beziehung und der Zukunft zu erzählen.

Um in einer polyamourösen Beziehung glücklich zu sein, muss man direkt, offen und ehrlich sein. Und man muss wissen, wie man gut zuhört.

Ich fühlte mich endlich wie in einer richtigen Beziehung

Als Robs Freundin schwanger wurde, fühlte ich mich endlich wie jemand in einer ernsthaften Beziehung. Und das, obwohl wir zu diesem Zeitpunkt bereits seit einigen Monaten zusammen waren. Durch ihre Schwangerschaft war ich gezwungen, meine Gefühle nicht länger zu unterdrücken.

Wenn ich auch weiterhin ein Teil dieser Beziehung sein wollte, wenn ich dabei weiterhin glücklich sein wollte (zwei Dinge, die ich wirklich wollte), dann musste ich über meine Ängste sprechen. Ich musste meine Karten offen auf den Tisch legen und darauf vertrauen, dass meine Verletzbarkeit nicht unser Ende bedeuten würde.

Und das war sie nicht. Das ist sie nicht.

Mit jedem Tag wachsen Rob und ich enger zusammen. Manchmal geraten wir auch... nicht grade in einen Sturm, aber in eine Windböe, in der wir uns für selbstverständlich nehmen, aber dieser Zustand dauert nie lange an.

Wir fordern uns gegenseitig heraus. Wir reden über alles. Ich habe jetzt nicht mehr so große Angst vor der Zukunft, und wenn Robs Freundin im Juli kein Kind bekommen würde, dann weiß ich nicht, ob wir es zusammen so weit gebracht hätten.

Dieser Text erschien zuerst auf "Your Tango" und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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