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Die traurige Realität des Alltags

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NIZZA
Patrick Aventurier via Getty Images
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Ich habe wirklich keine Lust mehr morgens aufzustehen, mein Smartphone in die Hand zu nehmen und mit Schrecken festzustellen, dass es schon wieder passiert ist. Wieder starre ich in der Dunkelheit fassungslos auf die flimmernden Buchstaben und Zahlen die mir sagen, dass erneut dutzende Menschen ihr Leben verloren haben. In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Der Morgen war für mich einmal etwas schönes, ein Geschenk das mir jeden Tag verdeutlichte wie sehr ich das Leben in diesem Paradies liebe. Doch jetzt hat er einen faden Beigeschmack.

Ich zittere während ich eine Tasse trinke und die neusten Nachrichten zum grausamen Attentat verfolge. Was einmal als Morgenritual begann, um gut in den Tag zu starten, hält mich jetzt davon ab einen Schritt vor die Tür zu machen.

Niemand weiß wann und wo es wieder passiert

Fragen schießen mir durch den Kopf. Was wenn es einmal einen Freund, einen Verwandten oder mich selbst erwischt? Es kann so schnell gehen. Und niemand weiß, wann und wo es das nächste mal passiert.

Doch jetzt gehen erstmal Hashtags wie #JesuisNice oder #NiceAttack um die Welt. Was eigentlich Solidaritätsbekundungen sein sollen, klingen wie zynische Kommentare. Die Kirsche auf dem Sahnehaufen der Katastrophe.

Man fühlt sich hilflos. Ratlosigkeit macht sich breit, aber man beschließt weiter zu machen wie bisher, sich nichts anmerken zu lassen. Sollten wir nicht innehalten? Sollten wir uns nicht endlich alle zusammentun und beraten wie wir aus dieser Krise herauskommen?

Wie viele Menschen müssen noch ihr Leben verlieren?

Ich möchte nicht, dass diese Attacken zu unserem täglichen Leben gehören, doch der Alltag ist nun wieder voll mit #DeadlyUpdates zu #LossOfLives.

Während wir unserer tägliche Dosis Entertainment zu uns nehmen, uns versuchen abzulenken, verbreiten sich Meldungen von Mord und Totschlag wie eine Seuche in den öffentlichen Netzwerken. Wie viele unschuldige Menschen müssen noch ihr Leben verlieren?

Terroristen und Radikale sind überall um uns herum, genau wie Pokémon, aber wir haben uns entschieden, nur auf die virtuellen Monster zu achten und die Terroristen laufen zu lassen. Die Welt ist einfach schöner auf dem Videoscreen.

Dieser Text erschien zu erst bei medium.com und wurde von Julius Zimmer ins Deutsche übersetzt.

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