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Offener Brief

16/08/2015 11:57 CEST | Aktualisiert 16/08/2016 11:12 CEST
dpa

+++ Offener Brief +++

Ich habe gestern einige sehr intensive Gespräche und auch gerade eben ein mehr als schwieriges Telefonat mit einem alten Freund geführt, bei denen die Flüchtlings- und Asylthematik vordergründig waren.

Mein Resultat aus diesen Gesprächen war, dass ich mich dazu entschieden habe, Facebook nicht mehr als Medium für einen Kampf gegen diesen sich immer mehr und mehr etablierenden Alltagsrassismus zu nutzen - Facebook als reines Diskussionsforum in braunen-rassistischen Posts ist für mich die falsche Plattform.

Ich bekomme Hassmails, Morddrohungen und letztlich habe ich mich auch von einigen alten Freunden distanziert, die weiter auf Facebook dumm-rassistisch-faschistische Posts verbreiten und sich auf keine differenzierte Diskussion über diese Thematik einlassen wollen.

Hinzu kommt, dass mich meine öffentlich-beruflichen Projekte mehr und mehr fordern und genau hier möchte ich meine Energie einsetzen, um vielleicht irgendwann einmal eine mächtigere Stimme gegen RECHTS zu werden.

Ich denke es ist sinnvoller, im realen Leben mit Menschen ein Hilfsprojekt für ALLE Flüchtlinge zu starten.

Hierbei zähle ich auf Eure Hilfe und freue mich über jegliche Unterstützung in Form von Ideen, Hilfsprojekten, Sponsoren und und und ... Einen täglichen Kampf auf Facebook gegen die menschliche Stupidität zu führen, die für mich nichts weiter außer noch mehr Hass und Frustration schafft und sich dann gegen mich und meine Familie richtet - KANN/WILL ich auf Facebook nicht weiterführen.

Daher wird es keine Statements mehr von mir in Posts und Diskussionsforen geben.

Ich hoffe, Ihr versteht meine Intention und auch, dass ich keinesfalls das weiße Handtuch werfe. Ich verlagere meine Aktivitäten gegen die dumm-faschistisch-deutsche Moral vieler Bürger unseres Landes einfach nur von Facebook in die reale Welt. Gemeinsam können wir etwas erreichen!

Ich hoffe auf Euer Verständnis - zumal es für mich auch an der Zeit ist, meine Freundin und meine Töchter vor Anfeindungen und politisch motivierten Taten zu schützen.

Euer Ranndy Frahm, Köln, 09.08.2015

Ich möchte Euch kurz erklären, wie es zu diesem offenen Brief kam.

Ich habe vor einiger Zeit angefangen, sehr radikal gegen Alltagsrassismus anzugehen. Mir blieb anfangs nicht viel Spielraum außer das Löschen von Facebook"Freunden" welch stupide Bilder, hetzerische Posts und unüberlegt Faschismuskampagnen unterstützten, teilten und/oder verbreiteten.

Mehr und mehr habe ich aber auf Facebook wie auch beruflich einen Weg gefunden, welcher mir Öffentlichkeit und zumindest eine kleine aber VORHANDENE Stimme gegeben hat. Also fing ich an diese mir gegönnte Stimme, öffentlich gegen rechtes Gedankengut, gegen Nazis und gegen den nun radikal vorhandenen Alltagsfundamentalismus in Deutschland zu erheben.

Was mir begegnete ist zum Glück in der Mehrzahl ZUSTIMMUNG, UNTERSTÜTZUNG und/oder stillschweigende Akzeptanz aber eben auch die radikal andere Seite.

Stellvertretend für viele Mails an mich, findet Ihr unten zwei Beispiele, welche zeigen mit welch in unserer Bevölkerung verankerter Wut und Dummheit ich mich rumschlagen musste und daher oben gezeigten Brief verfasst habe.

Ich wurde bedroht, wurde beleidigt und wurde absichtlich missverstanden. Es wurde geschimpft und es wurde versucht, meinen Weg der Menschlichkeit mit stupiden „Argumenten" wie, „Ich habe nichts gegen Ausländer aber ...!" oder: „Jeder der Hilfe braucht soll Hilfe bekommen aber nicht auf Kosten des Deutschen Steuerzahler!" zu demontieren.

Menschlichkeit ist für mich kein Weg den wir einschlagen müssen. Menschlichkeit ist für mich ein Charakterzug der uns MENSCHEN, wie der Name schon sagt, MENSCHLICH sein lässt.

Ich habe mich nun dazu entschlossen einen anderen Weg zu gehen. Ich habe die Facebook Seite „Willkommen in Deutschland" gegründet und möchte über diese virtuelle Plattform einen Weg zur direkten Flüchtlingshilfe schaffen.

Einen Weg der eben die virtuelle Welt mit dem realen Leben verbindet und damit Menschen die Möglichkeit gibt, Menschen zu helfen.

Hier nun einmal zwei Nachrichten inklusive meiner Antworten, als Beispiel für viele im gleichen Kontext.

Einmal von rechtschreiblichen Fehlbarkeiten abgesehen - darum geht es mir nicht - ist der Inhalt mehr als bedenklich und stimmt mich nicht nur traurig, der Inhalt sorgt für eine ausgereifte Angst in mir! Angst vor einer Wiederholung schon passierter Fehler in unserer deutschen Geschichte aber auch in der Geschichte anderer Nationen.

Fehler und Grausamkeiten die sich durchsetzen konnten, weil ein Volk einfach stumm-stupide mitgemacht und sich nicht erhoben hat um für MENSCHLICHKEIT zu plädieren.

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Am Ende möchte ich aber noch etwas loswerden ... Hass und Verachtung sind zum Glück mehr und mehr in den Hintergrund geraten und durch Unterstützung und Zustimmung ersetzt worden.

Immer mehr Menschen äußern sich auf allen realen und virtuellen Plattformen GEGEN RASSISMUS und FÜR MENSCHLICHKEIT. Das macht mir Hoffnung! Das macht mir Mut! Das lässt mich weitermachen in meinem Kampf gegen politische Faschisten und stupiden Alltagsrassismus.