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Auswanderer sind keine Flüchtlinge

14/09/2015 14:56 CEST | Aktualisiert 14/09/2016 11:12 CEST
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Die öffentliche Flüchtlingsdebatte in Deutschland wird völlig undifferenziert geführt. Wir reden hier vielfach von Menschen, die nach unseren Maßstäben in unvorstellbaren Verhältnissen lebten, bevor sie ihr Land verließen. Einige sind tatsächlich durch ihr Fortgehen Schlimmerem entgangen. Es gibt aber unter den zu uns Kommenden eine gewaltige Zahl von Menschen, die nicht aus Sorge um ihre Unversehrtheit gegangen sind, sondern weil ihnen von Schleppern ein goldenes Leben in Europa versprochen worden ist. Sie reisen - animiert von der Bundeskanzlerin - in Zügen, Bussen und Schiffen an.

Diese zu Hunderttausenden von hochkriminellen Menschenhändlern angeworbenen Auswanderer werden von Medien, Politik und Menschenrechtsorganisationen ebenso zu Flüchtlingen gemacht wie der viel kleinere Teil, der sich im letzten Moment retten konnte und selbstverständlich jede Hilfe und Solidarität verdient. Ich finde es unerträglich, dass die von Schlepperbanden angeworbenen Ankömmlinge vor allem von den deutschen Medien auf eine Stufe mit Menschen wie meinem Vater gestellt werden, der über Nacht aus dem Iran vor einem grausamen Regime flüchten musste, das Jagd auf ihn machte, weil er die "falsche" Religion hatte.

Mein Vater floh zu Fuß über die Berge bis nach Pakistan, ohne zu wissen, was ihm dort drohte. Das ist Flucht - das ist ein Flüchtling im Sinne des Wortes. Nicht etwa Boots- oder Busreisende, die sich in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die Hände der Schlepper-Mafia begeben und sich irgendwo in Europa absetzen lassen.

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

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