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Fremdenfeindlichkeit, Bedrohung und Hass - die Tragödie von Clausnitz

22/02/2016 15:40 CET | Aktualisiert 22/02/2017 11:12 CET
Anadolu Agency via Getty Images

Für mich als eine Frau, die hier in der deutschen Kultur als „Ausländerin" aufgewachsen ist und die deutschen Mitbürger kennengelernt hat, ist die Situation in dem sächsischen Dorf Clausnitz mehr als unverständlich. Auch wenn meine Eltern aus einem anderen Land hierher gezogen sind und die Kultur, Sprache und die Religion hier weiterhin ausleben und praktizieren, habe ich mich immer mehr „deutsch" gefühlt denn als Angehörige irgendeiner anderen Nationalität. Hier stellt sich die Frage, was ist dieses „deutsch-Sein" denn überhaupt?

Der eine oder andere könnte jetzt sagen, woher hast du das Recht zu sagen, was deutsch ist oder nicht? Den deutschen Pass zu haben, die Sprache zu beherrschen und hier an die Universität zu gehen, reicht für viele nicht aus.

Trotzdem möchte ich einen Einblick geben, was für mich „typisch" deutsch wirkt, und wie ich persönlich zu Deutschland stehe.

Typisch Deutschland

Zuerst einmal ist für mich typisch deutsch: freundlich, höflich und hilfsbereit zu sein, egal wer einem gegenüber steht. Ob es die Person in der Bahn ist, für die ich meinen Platz freimache oder die Person, die mich nach dem Weg fragt, ich versuche immer, so hilfsbereit und offenherzig zu sein, wie es nur geht.

Die Ewigkeitsklausel garantiert Unantastbarkeit der Menschenwürde

Deutschland ist ein Staat der Recht und Ordnung, wo die Sicherheit an erster Stelle steht. Wir sind ein Land, das andere Meinungen, andere Kulturen und andere Religionen unvoreingenommen akzeptiert. Nein noch mehr - respektiert.

Wir betonen in unserer Verfassung die Menschenrechte so sehr, dass es unmöglich ist, etwas so Bedeutendes außer Kraft zu setzen. Die Ewigkeitsklausel garantiert Unantastbarkeit der Menschenwürde unabhängig von Hautfarbe, Religion oder Nationalität.

Ein Land, das so vieles aus seiner Vergangenheit gelernt hat und sich gewiss nie wieder in so einer Situation vorfinden möchte, das ist Deutschland. Mit einer Kanzlerin, die sich nicht davor scheut, öffentlich zu erklären, dass der Islam zu Deutschland gehört, und dass sie in den Flüchtlingen eine Chance sieht.

Wir leben in einem Deutschland mit einer wehrhaften Demokratie, wo eine Pegida-Demo in der Reichspogromnacht für unangebracht erklärt wird.

Menschlichkeit gefordert

Es ist eine andere Sache, auf welcher Seite wir stehen, ob wir die CDU unterstützen oder die Linken. Es ist auch eine ganz andere Debatte, ob wir Befürworter der Merkel-Politik sind oder doch eine Alternative für Deutschland wollen. Das Wichtigste ist: Wir alle sind Deutschland! Und deutsch zu sein heißt nicht, dass wir verängstigten Flüchtlingen aus Syrien das Leben noch schwerer machen.

Dort prasselten Bomben und die Kinder versteckten sich verängstigt hinter ihren Müttern, hier im sächsischen Dorf Clausnitz prasseln Schneebälle auf sie. Verängstigt wollen die Jugendlichen und Kinder nicht aus dem Bus und werden deshalb von Polizisten aus dem Bus gezerrt.

Ihnen wird der Arm verdreht, es wird ihnen in das Gesicht gefasst und wie Tiere werden sie abgeführt. Was ist nun der Unterschied zwischen Syrien und Deutschland? Dort wurden sie mit Hass verscheucht und hier mit Hass empfangen.

Leben wir in einem Land, in dem man Angst haben muss, Liebe zu zeigen?

Wenn einer gegen die Flüchtlingspolitik ist, dann frage ich mich: Ist das der einzige Weg, seine Abneigung zu zeigen? Was haben diese Flüchtlinge denn getan? Es werden wöchentlich Flüchtlingsunterkünfte angezündet, Flüchtlingen gegenüber wird Hass geäußert und mit welchem Ziel? Was wird denn dadurch erreicht?

Wollen wir eine Veränderung in der Politik, dann gibt es genug legitime Wege, sich gegen diese einzusetzen, doch diese beschämende Fremdenfeindlichkeit ist keine davon.

Die Umstände haben sich dermaßen verschlimmert, dass Dorfbewohner, die gerne helfen möchten, sich davor fürchten, selbst ausgegrenzt zu werden. Leben wir in einem Land, in dem man Angst haben muss, Liebe zu zeigen?

Und bleiben wir hier, werden wir wie der Strand, nicht ganz Meer, nicht ganz Land

Ein Jugendlicher, der aus seinem Land geflüchtet ist und eine so harte Reise durchgemacht hat, um sich ein neues Leben aufzubauen, in einem Land, wo er nicht einmal die Sprache versteht. Er kennt niemanden, alles ist fremd.

Das Essen schmeckt ganz anders und er muss wieder bei Null anfangen. So jemand wird auch noch mit solchem Hass konfrontiert, dass jeder Mensch, der nur auch einen Funken Menschlichkeit in seinem Herzen trägt, die Videoaufnahmen anschaut und erschauert. Woher kommt denn diese ganze Wut?

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