BLOG

Will der Islam die Weltherrschaft? Das steht im Koran dazu

07/12/2017 12:56 CET | Aktualisiert 08/12/2017 10:46 CET
Akhtar Soomro / Reuters

Es scheint uns schon fast selbstverständlich, dass die Welt aus einzelnen Puzzleteilen besteht. Dass sich das Puzzle irgendwann einmal vervollständigt und ein gesamtes Bild anzeigt, scheint uns oft eine schwer vorstellbare Utopie zu sein.

Mal werden einzelne Puzzleteile größer und fügen sich zu größeren Territorien zusammen, dann aber zersplittern sie wieder und ähneln einem Scherbenhaufen.

Wenn man die Entwicklung in der arabischen Welt und im Nahen Osten näher betrachtet, dann scheint es fast so, als wäre es ein religiös-motiviertes Ziel einen sogenannten "Islamischen Staat" zu errichten.

Die Lüge vom Kampf gegen die Ungläubigen

Die terroristische Organisation Islamischer Staat (IS), agiert in Syrien und im Irak in einer brutalen und exklusiven Weise.

Allein Muslime, die der sunnitischen Gruppierung angehören, werden als "wahre Muslime" und Bürger des selbstgegründeten Staates angesehen. Hierbei muss man sich vor Augen halten, dass der Staat in diesem Fall dem Kalifat (Gottesstaat), gleichsetzt.

Da sich der "Islamische Staat" auf die islamische Lehre beruft, scheint es so, als würde der Islam eine Nation bevorzugen, gar vorhersehen, die Nicht-Muslime exkludiert. Weiter scheint die Ideologie eine Welteinteilung in Gläubige und Ungläubige vorzunehmen.

Mehr zum Thema: "Die Scharia ist mit dem Grundgesetz vereinbar"

Doch wie steht der Islam wirklich zu dem Konzept des Nationalismus? Ist eine islamische Weltherrschaft das Ziel? Im heiligen Buch der Muslime, dem Koran, heißt es:

"49:14 O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Weib erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen möchtet.

Wahrlich, der Angesehenste von euch ist vor Allah der, der unter euch der Gerechteste ist. Siehe, Allah ist allwissend, allkundig."

So wird über die Entstehung von den Nationen gesagt, dass zu Beginn Mann und Weib von einem Wesen entstanden sind und sich später zu Völkern und Stämmen entwickelt haben.

Zuerst einmal wird davon ausgegangen, dass Gott für die Entstehung der Völker und Stämme zuständig war. Zu Beginn ist der Mensch aus einem Wesen entstanden, welches sich geteilt hat und somit zwei Geschlechter entstanden sind.

Danach breiteten sich die Menschen auf der Erde aus. Die Zivilisation wird als ein rein materieller Begriff verstanden. Bequemlichkeit, die durch die Weiterentwicklung von Verkehrsmitteln entsteht, aus menschlicher Arbeit entstandene Transportmittel und Produktionsmengen, die Aufrechterhaltung einer inneren Ordnung, wissenschaftliche Forschung und Förderung beruflicher Ausbildungen - das alles fällt unter dem Begriff "Zivilisation".

Die Menschen gruppierten sich in etliche Völker, Stämme und Nationen.

Da jedes Volk andere Bräuche, Sitten und Traditionen im Zuge der Zivilisation und Weiterentwicklung hatte, wurde für jedes Volk ein Prophet auserwählt. Dieser war mit der vorherrschenden Kultur vertraut und führte die Menschen wieder zu Gott, sowie zu einem hohen moralischen Lebensstandard.

Propheten kamen in Zeiten des Notstands, als sich die Menschen von der göttlichen Lehre entfernt hatten und von sittlicher Verderbtheit befallen waren. Um einige Beispiele für solche Propheten zu nennen: Moses, Jesus, Jonas oder Abraham. Sie alle kamen zu den unterschiedlichsten Völkern zu verschiedenen Zeiten.

"und es gibt kein Volk, bei dem nicht früher schon ein Warner erschienen wäre" (Sure 35 Al Fatir, Vers 25)

Der Islam geht davon aus, dass die Welt eine letzte Lehre gebraucht hat. Diese wurde dem Propheten Mohammed offenbart, durch die er alle zersplitterte Nationen und Völker durch eine universelle Lehre vereinen sollte.

Das hat er bereits zu seiner Lebenszeit versucht, in dem er zum Beispiel zwischen den verschiedenen Stämmen in der Saudi Arabischen Stadt Medina, einen Vertrag schloss. Durch diesen Vertrag waren Araber, Juden und Muslime in einer gemeinsamen Bürgerschaft verbunden.

Frieden als höchstes Gebot

Dieses Übereinkommen sollte den Bürgern Sicherheit und Schutz garantieren. In dem Vertrag waren folgende Punkte aufgeführt: man steht gemeinsam gegen Unruhestifter auf, unabhängig ob dieser einem bestimmten Stamm angehört oder eine Religion praktiziert.

Die Bedingungen reichten sogar so weit, dass man sowohl gegen den eigenen Sohn oder einen anderen nahen Verwandten handeln sollte, falls dieser den Frieden in der Gesellschaft gefährdet.

Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Wahrheit haben in der islamischen Lehre die höchste Priorität, egal welcher Nation man angehört oder welche Kultur man vertritt.

Der Islam geht von einem gerechten und allwissenden Gott aus, welcher für jedes Volk und jeden Stamm die gleiche fundamentale Versorgung bereitgestellt hat. Jedes Volk zieht Nutzen aus den Elementen Wasser, Wind, Feuer und Erde, aber ebenso aus anderen Dingen wie Getreide, Früchte etc., die dem Menschen zum Überleben bereitstehen.

Auch heißt es in der ersten Sure (Kapitel des Korans):

"Alle perfekte und reine Lobpreisung gebührt alleine Gott, dem Herrn aller Welten" (Al-Fateha, 2:2)

Es wird nicht von einem Gott der Muslime oder einer anderen Religion, eines Volkes oder Stammes gesprochen. Er ist der Gott aller Welten und seine Barmherzigkeit umfasst jedes Ding.

Weiter heißt es in einem "Hadith", einer Überlieferung von dem Leben des Propheten Muhammad (Friede und Segnungen seien auf Ihm), der selbst arabischer Abstammung war:

"Wahrlich, es gibt keine Vorzüge die ein Araber über einen Nicht-Araber besitzt, noch ein Nicht-Araber über einen Araber. Noch gibt es (einen Vorzug) eines weißen Menschen über einen schwarzen Menschen, oder eines schwarzen Menschen über einen weißen Menschen, außer durch "Taqwa" (unterwürfiges Gehorsam gegenüber Gott, Gottesfurcht)" [Überliefert bei Ahmad (5/411) und authentifiziert von Ibn Taymiyyah in al- Iqtudaa (S.69)]

Keine Nation hat das Recht sich über eine andere zu stellen

Aus dieser Überlieferung wird deutlich, dass der Islam jegliche Art von Rassismus und Nationalstolz ablehnt. Der Islam will eine Einheit in der Welt schaffen und den gesellschaftlichen Frieden erreichen.

Keine Nation hat das Recht sich über ein andere Nation zu stellen. Doch in der heutigen Welt sehen wir genau das Gegenteil dieser Vorstellung. Wirtschaftlich starke Länder herrschen über Schwächere und beuten diese erbarmungslos aus.

Unter dem Deckmantel der Friedensmission wurden jahrzehntelang Nationen ihrer Rechte beraubt. Auch heute wird wohlüberlegt von vielen ökonomisch stabilen Ländern nur solchen Nationen geholfen, die einen hohen Erdölanteil besitzen oder andere wertvolle Rohstoffe verfügen.

Während reiche Länder immer reicher werden und ihre Position durch Waffen und anderes Wettrüsten sicherstellen, werden gleichzeitig sogenannte "Dritte Welt Länder" weiter klein gehalten.

Mehr zum Thema: Islam-Forscher: "Die europäische Kultur ist zutiefst vom Islam geprägt"

Der Islam fordert eine gerechte Weltordnung bei der kein Land über ein andere steht. Wirtschaftlich starke Nationen sollten ihr Reichtum und ihre Macht zur Unterstützung von ärmeren Ländern nutzen.

Seit Urzeiten gibt es diese utopische Vorstellung, dass die Menschheit als eine große

Familie irgendwann unter einer Flagge versammelt wird. Es kommt die Frage auf, ob so etwas überhaupt möglich wäre. Bedenkt man die geographische Entfernung, aber auch im weiteren die verschiedenen Kulturmuster, Verhaltensweisen und Bräuche, dann scheint es unmöglich als eine einzige "Weltnation" zu agieren.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

Der Islam geht davon aus, dass das menschliche Gemüt im Kern zu jeder Zeit das gleiche war und auch in der Zukunft bleiben wird. So wird der Anspruch gestellt, dass die islamischen Lehren allgemeingültig Regeln bezüglich aller Lebensbereiche beinhalten, die eine Ordnung sicherstellen.

Der Aspekt ist nicht zu vernachlässigen, dass die ursprünglichen wahren Lehren des Islams mit der Zeit verloren gegangen sind und sich Verkrustungen gebildet haben.

In der heutigen Praxis sieht man in sogenannten islamischen Ländern all diese Untaten, welche durch das Erscheinen und Agieren des Heiligen Propheten Muhammad (Frieden und Segnungen seien auf Ihm) durch hohe moralische Taten ersetzt wurden.

In der frühislamische Zeit führte das zu enormen Fortschritten in den justiziellen, wissenschaftlichen und humanitären Bereichen. Es liegt kein Zweifel darin, dass sich die Muslime auf diese Werte rückbesinnen müssen, um der wahren Lehre des Islams zu folgen.

Quellen:

  • Ahmad Mirza Tahir Hadhrat (1989): Der Heilige Quran, Frankfurt am Main: Verlag der Islam.
  • Ahmad Mirza Tahir Hadhrat (2008): Islam - Antworten und auf die Fragen unserer Zeit, Frankfurt am Main: Verlag der Islam.
  • Mirza Bashir ud-Din Mahmud Ahmad (2012): Muhammad. Das Leben des Heiligen Propheten, Frankfurt am Main: Verlag der Islam.

2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

____
Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg
Ihr habt auch ein spannendes Thema?Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

Sponsored by Trentino