BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Ralf Wenzel Headshot

"Digitales Schlaraffenland"- Wie online - Lieferdienste unser Verhalten revolutionieren

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FOOD DELIVERY
LucaLorenzelli via Getty Images
Drucken

In meinen Studententagen war das Bestellen von Essen eine ziemlich einseitige Angelegenheit: immer Pizza, immer von derselben Pizzeria. In den letzten zehn Jahren aber hat sich die Branche stark verändert. Apps filtern und bewerten das gastronomische Angebot der Stadt und nehmen Bestellungen auf.

Egal ob Thai, Burger, Indisch oder hippe Fusion-Küche: die Auswahl wird größer, die Qualität besser, und einige Dienstleister (die mit den pinken Fahrrädern) schaffen die Lieferung in der Regel sogar unter 30 Minuten.

Paradiesische Zeiten also? Nein, wir stecken noch in den Kinderschuhen eines gewaltigen Umbruchs. Auf dem Weg zum digitalen Schlaraffenland gilt es noch eine ganze Reihe von Herausforderungen zu meistern. Beispiele gefällig?

Die Lieferdienste stehen noch am Anfang

Lieferzeiten. Hier geht es nicht nur um Tempo, insbesondere müssen Lieferzeiten verlässlich vorhersehbar werden. Schon vor der Bestellung will ich Gewissheit haben, wann mein Essen da sein wird. Gerade, wenn der Hunger mal wieder groß ist.

Qualität. Die Plattformen kochen (noch) nicht selbst, trotzdem muss die Garantie für Qualität und Standards eine zentrale Funkion für Plattformen darstellen, konsequentes Qualitätsmanagment ist gefragt.

Mehr zum Thema: Die 7 Dinge, die Sie im Zusammenhang mit dem Essen nie sagen sollten

Bei Delivery Hero etwa bedeutet dies den Dialog mit mehr als 150,000 Gastronomen möglichst effektiv zu gestalten. Und das heißt auch, die wenigen schwarzen Schafe konsequent von den Plattformen zu verbannen.

Vielfalt. Die Auswahl an Lieferessen hat sich gewaltig vergrößert, aber es ist noch längst nicht das gesamte gastronomische Angebot einer Stadt für eine Sofort-Lieferung verfügbar. Dafür muss die Liefer-Industrie u.a. ihre Hausaufgaben im Bereich "Packaging" meistern.

Eine Suppe braucht eine andere Verpackung, evtl. sogar eine andere Transportart, als Jakobsmuscheln, und die wiederum müssen anders behandelt bzw. verpackt werden als ein Steak oder eine Pizza. Die Konservierung von Wärme und Konsistenz, bei gleichzeitig hohen Ansprüchen an die optische Darbietung ist eine enorme Herausforderung, die unsere Industrie noch eine Weile beschäftigen wird.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png
Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

Offline. Wahrscheinlich werden die großen Player der Branche auch in der Offline-Welt aktiver werden. Wer Fahrer und Köche anstellt, kann die Customer Experience noch weitaus besser gestalten und kontrollieren, und dabei auch wichtige Erkenntnisse für die Online-Operation gewinnen. Auf Lieferung fokussierte Gastrokonzepte werden hier sicher eine interessante Rolle spielen.

Individualität. Wer seine Kunden kennt, kann ihnen maßgeschneiderte Angebote machen, idealerweise genau dann, wenn der Hunger kommt. We're on it.

Auch unser Sozialverhalten verändert sich

Neben solchen technologischen Aspekten der digitalen Revolution entwickelt sich parallel dazu die soziale Komponente exponentiell und verändert unser Sozialverhaltens in atemberaubenden Tempo. Wer wie ich Kinder im Teenager-Alter hat, sieht mit eigenen Augen, wie radikal sich soziale Interaktion und deren Inhalte verändern.

Alte Verhaltensmuster und Strukturen werden aufgelöst, private Netzwerke werden breiter, Zeit wird anders genutzt und wahrgenommen, alles soll jetzt-sofort abrufbar sein. On-demand Dienstleistungen gewinnen vor diesem Hintergrund massiv an Bedeutung, ebenso das Zuhause als zentraler Lebensmittelpunkt.

Das Kochen in Privathaushalten wird sicher nicht von heute auf morgen eingestellt, aber der Gang zum Supermarkt oder zu einem klassischen Restaurant verlieren an Bedeutung - und werden im Laufe der Zeit von (prepared) Food Delivery und Grocery Delivery abgelöst. Kitchen-only Restaurants, sogenannte Cloud Kitchens, sind erste Vorboten dieser Entwicklung.

Mehr zum Thema: Die westliche Welt steht vor einem Fett- und Zucker-Kollaps - Zeit für eine Revolution

Die Umwälzungen der Digitalisierung erwecken jenseits des Teenageralters zuweilen Skepsis, oder auch Besorgnis. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und deswegen sind heute die Gedanken an autonomes Fahren oder allgegenwärtige Essenskuriere nicht bei allen Menschen nur positiv gefärbt.

Sich bequem und schnell mit seinem Lieblingsessen versorgen zu lassen, minutengenau geliefert, toll anzuschauen, auf den Punkt zubereitet - das ist für mich kein Grund zur Sorge, sondern eher die Vision eines digitalen Schlaraffenlands. Wir dürfen davon ausgehen, dass künftige Generationen von Studenten es einmal besser haben werden als wir. Zumindest in puncto Nahrungsaufnahme.

Triff Ralf Wenzel beim Bits & Pretzels Festival am 26. September in München! Am zweiten Tag des Startup-Festivals spricht der Gründer von Foodpanda und Chief Strategy Officer von Delivery Hero auf der Center Stage über die Entwicklung von Online-Essenslieferungsdiensten und welche Momente ihn in der Vergangenheit besonders geprägt haben.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

googletag.pubads().setTargeting('[cnd=cld]').display('/7646/mobile_smart_us', [300, 251],'wxwidget-ad');