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Fehler feiern lernen: Fünf Wege, wie wir unser Scheitern bejubeln und genießen können

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Unsere Gesellschaft behandelt Fehler einfach viel zu schlecht. Wir versuchen sie mit aller Macht zu vermeiden und wenn sie dann doch passieren, ärgern wir uns über uns selbst und haben lange daran zu knabbern.

Ich gebe zu, manchmal fällt es wirklich schwer, Fehler einfach anzunehmen, keinem anderen die Schuld dafür zu geben und sie positiv zu sehen. Wer es aber schafft, seine Fehler zu ehren und zu verstehen, dass wir an ihnen wachsen, wird schnell vom Misserfolgsvermeider zum Erfolgssucher.

Das größte Fest, um Fehler zu feiern, sind die sogenannten „FuckUp Nights". 2012 beschlossen 5 Freunde in Mexico nach ein paar Drinks, dass sie die Nase voll hatten von all den vermeintlichen Erfolgsgeschichten um sie herum und erzählten sich ihre größten Misserfolge.

Der Abend war so inspirieren für die Fünf, dass sie ihn wiederholen wollten - mit mehr Freunden und mehr gescheiterten Projekten. Die erste offizielle FuckUp Night war geboren. Innerhalb von nur 3 Jahren haben diese „FuckUp Nights" über 100 Länder rund um die Welt erobert.

Länder- und kulturübergreifend scheinen die Menschen zu spüren, dass eine neue Sicht und ein neuer Umgang mit Fehlern nötig sind. Das Fehler nicht stigmatisieren und isolieren sollten, sondern in der Atmosphäre einer wertfreien Fehlerkultur als wertvolle Erfahrungen, Lernsituationen und Inspiration behandelt werden.

Nur wenn Fehler ihr schlechtes Image verlieren, können wir alle von ihnen profitieren und sie als Quelle für ein positives und innovatives Leben nutzbar machen.

Sag also dem Perfektionismus den Kampf an und genieße von heute an Deine Fehler! Ich gebe Dir fünf gute Gründe dafür:

1. Fehler einkalkulieren entspannt

Die Psychologin Ruth Cohen sagt:„Jeder Plan muss falsch sein, da nie alle Faktoren bekannt sein können."

Wer mit dieser Einstellung seinen Weg geht, geht ihn entspannter und gelassener. Natürlich ist dieser Satz kein Freifahrtschein, sich unvorbereitet ins Chaos zu stürzen.

Wenn jedoch ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass auch bei der besten Planung, der detailliertesten Vorbereitung und der größten Absicherung immer etwas anders laufen wird, als gedacht, dann ist die Überraschung und das Drama nicht so groß, wenn es denn tatsächlich passiert. Oder wie John Lennon es formulierte: „Leben ist das, was passiert, während wir fleißig dabei sind, andere Pläne zu machen!"

2. Fehler zugeben macht sympathischer

Haben Sie schon einmal einen Jacky Chan Film gesehen? Einen dieser bis ins letzte Detail choreografierte Martials Arts Schinken? Da sitzt jeder Kick und im Quadrupel-Salto werden noch vier Bösewichte außer Gefecht gesetzt.

Klar, das ist nicht real - aber wissen Sie, was bei diesen Produktionen am meisten Spaß macht? Sich am Ende die Outtakes anzuschauen. Manchmal werden bis zu 20 Minuten Nachspiel im Anschluss an den Film gezeigt, in denen der große Jacky Chan 8 Mal daneben tritt, sich auf die Nase legt und in seiner Sicherungsleine verheddert.

Warum kommt dieses Fehler-Potpourri so gut an, dass sogar der Film Monster AG - wie sie wissen ein komplett computeranimierter Blockbuster - extra Outtakes produziert?

Zu sehen, dass auch andere, besonders vermeintlich perfekte Hochglanzstars, Fehler machen befreit und macht sie menschlich und damit sympathisch.

Diese Outtakes zeigen uns, dass niemand eine Maschine ist und um ein nach außen hin perfektes Ergebnis zu erzielen realistischer Weise viele Anläufe nötig sind und einige Rückschläge eingesteckt werden müssen - von jedem.

3. Fehler feiern spart Energie - Whoppa!

Als Kind waren Sie bestimmt mal im Zirkus. Ich habe noch eine lebhafte Erinnerung daran: Selbst wenn ein Kunststück misslang, die Artisten stellten sich in den glitzernden Trikots vor das Publikum, die Arme ausgebreitet und riefen lauft „Whoppa!" während sie über das ganze Gesicht strahlten.

Sie hatten gerade einen Fehler gemacht und ihn gefeiert. Das geht auch auf der Bühne des Lebens.

Sie haben den größten Papierstau des Jahres am Kopierer ihrer Abteilung verursacht? Schleichen Sie sich nicht weg und schauen den Praktikanten vorwurfsvoll an, um dann den Rest des Tages damit zu verbringen, dass Sie niemand anhand der vermurksten Ausdrucke doch noch zurückverfolgt.

Machen Sie ihren Fehler öffentlich. Ob Sie dabei auch „Whoppa!" rufen, sei Ihnen überlassen.

Wer einen Fehler begeht, versucht leider häufig ihn zu vertuschen - oft aus Angst oder Scham. Wer einen Fehler zugibt, vergeudet keine weitere Energie, um das Malheur zu verbergen, sondern setzt Kreativität frei für neue Lösungswege. Das ist die beste Voraussetzung für mehr Erfolg.

4. Fehler annehmen inspiriert

Als erste Reaktion auf einen Fehler meckern wir darüber. Ein Fehler nervt. Aber er ist nun einmal passiert. Wenn sie jetzt Tipp Nr. 1: „Fehler einkalkulieren" anwenden, sollten Sie schnell aus der Phase des „Meckers" ins „Machen" kommen.

Fakt ist, Sie erreichen ihr Ziel nicht wie geplant. Den großen Unterschied macht es aber, wie sie den Fehler nun betrachten. Können Sie Ihr Ziel auf eine andere Art erreichen? Erreichen Sie vielleicht ein neues, ungeplantes Ziel? Oder sind Sie im schlimmsten Fall schlauer und haben etwas gelernt?

Große, nicht mehr wegzudenkende Innovationen unserer Welt sind aus Fehlern entstanden. Alexander Fleming hat zum Beispiel durch einen Fehler das Penizillin entdeckt und damit Leben gerettet. Und Spencer Silver macht uns bis heute den Büroalltag mit Post-Its sehr viel leichter. Die waren eigentlich ein Abfallprodukt, für das erst einmal ein Verwendungszweck gefunden werden musste.

Wenn Sie lernen, wie Fehler uns im Alltag inspirieren können ist es leicht, diese Einstellung auch auf das Berufsleben zu übertragen.

Der Kaffeefleck auf meinem Hemd, kurz vor der Moderation einer großen Bankveranstaltung, wurde kurzerhand zur Einstiegsmoderation und ist nun dort ein Synonym für Inspiration in internen Brainstormings geworden. Wie heißt es so schön: "Wenn das Leben Dir Zitronen gibt - mach Dir einen Gin & Tonic"

5. Eine positive Fehlerkultur macht erfolgreicher

Fragen Sie sich einmal ganz ehrlich, wie Sie mit Ihren eigenen Fehlern umgehen - und mit den Fehlern anderer. Wie reagieren Sie zum Beispiel auf Fehler Ihrer Mitarbeiter? Könnte man einen vermeintlichen Fehler - genau genommen also ein Abweichen von der erwarteten Norm - nicht in einem anderen Blickwinkel vielleicht produktiv nutzen?

Eine positivere Fehlerkultur würde uns allen das Leben sehr viel leichter, kreativer und sicherlich auch produktiver machen. Wenn wir unsere Haltung zu Fehlern verbessern, verändern wir unser Leben positiv. Denn damit schicken wir ein grundsätzliches „Ja" in die Welt.

Wir verringern unsere Angst vor Veränderungen, begegnen Herausforderungen mit Neugier und schicken unsere Energie auf Erfolgswege.

Lassen Sie sich inspirieren, entdecken Sie Neues und haben Sie möglichst viel Spaß bei Ihrem nächsten „Whoppa"-Moment - denn er wird kommen, was Sie daraus machen liegt an Ihnen.

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