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Angst vor Veränderung: Warum Abweichen von ausgetretenen Wegen schwer fällt - 3 einfache Regeln wie Sie es trotzdem schaffen.

12/01/2017 20:45 CET | Aktualisiert 13/01/2018 11:12 CET

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Wenn wir als Kind den PER-FEK-TEN Kletterbaum gefunden hatten war es keine Frage - wir mussten da rauf! Der Nervenkitzel, die Neugier und das Glücksgefühl - ein Abenteuer bestanden zu haben, wenn man dreckig und mit aufgeschürften Knien nach Hause ging ... Kurzum: Kein Baum war zu hoch und keine Herausforderung zu groß.

Und heute? Da stehen wir in einem Dschungel von Kletterbäumen. Neues und Ungewohntes ist für uns jedoch kein Abenteuer mehr, sondern prasselt gnadenlos in allen Bereichen unseres Lebens auf uns ein. Damit sind wir in unserer schnellen, globalisierten und technologisierten Welt häufig überfordert. Die kindliche Lust auf Neues und die Freude an Unbekanntem sind uns dabei oftmals sogar abhandengekommen. Vielmehr noch haben wir über die Jahre gelernt, Neuem reflexartig kritisch eingestellt zu sein oder mit Angst zu begegnen, damit wir uns eben nicht mehr wie früher die Knie aufzuschlagen, oder auf das Heute übertragen, unseren Job verlieren oder ein Projekt gegen die Wand fahren.

Kennen Sie das „Kaninchenfeeling"?

Dieses Sicherheitsdenken ist ein urzeitlicher Überlebensinstinkt, der nur in der kurzen Phase der Kindheit von unserer Neugier überwunden wurde. Doch was in der übersichtlichen Urzeithöhle sinnvoll war - denn nur wer vorsichtig handelte hatte eine Chance zu überleben - macht uns heute in einer modernen, schnellen Welt leicht zum verängstigten Kaninchen. Doch Schreckstarre bringt uns nicht voran und Stillstand wird unserem heutigen Lebensstil nicht mehr gerecht. Ausgetretene Wege und Standardlösungen, die gestern noch praktikabel waren, sind heute schon überholt. Alles ist in Bewegung und auch wir müssen es wagen, den Highway der Routine für einen neuen, unbekannten Trampelpfad zu verlassen.

„Mindset" für eine flexible Zukunft

Wie sollen wir also einen jahrtausendealten, evolutionserprobten Sicherheitsreflex überlisten? Wie kann es uns gelingen, in der heutigen Welt eine innere Haltung zu erreichen, die es uns möglich macht, flexibel und spontan auf die Herausforderungen der modernen Alltags zu reagieren? Wir können den Fortschritt in unserem äußeren Umfeld nicht verlangsamen - aber wir können bereits mit kleinen Änderungen in unserer Wahrnehmung und in unserem Handeln von innen heraus einen großen Effekt erreichen. Ziel ist es dabei ganz einfach, dem Unbekannten den Schrecken zu nehmen und in etwas Positives zu verwandeln. Dieses „Mindset für eine flexible Zukunft" lässt sich privat, aber vor allem auch beruflich anwenden und auf drei grundlegende Regeln runterbrechen, mit denen ich meinem inneren „Angsthasen" begegne.

Drei einfache Regeln für mehr Flexibilität im Leben

Regel Nr. 1

Hier brauchen Sie die größte Überwindung, denn die 1. Regel heißt: „ Sagen Sie „JA". Hört sich einfach an, aber wenn Sie den Praxistest machen, werden Sie schnell merken, wie oft sie eigentlich „nein" sagen. Überwinden Sie ihren zur Routine gewordenen Schutzreflex Neues vorsorglich abzuwehren. Mit einem „nein" bleiben Sie da wo Sie sind, das Projekt, die Geschichte, das potentielle Abenteuer endet, bevor es angefangen hat.

Probieren Sie es mit einem „Ja" - und schauen Sie, was passiert. Mit einem „ja" bleiben Sie in Bewegung. Sie entscheiden sich bewusst für eine Aktion und bleiben wach. Sie treiben die Situation aktiv voran und sind offen für Überraschungen.

Regel Nr. 2

Sie haben also „Ja" gesagt" und was kommt dann? Ein lebensveränderndes Erlebnis? Ein Feuerwerk der Spontaneität? Nun, Sie müssen jetzt tapfer dein, denn: Es kann auch schief gehen. Hört sich zuerst paradox an: warum etwas wagen, wenn es dabei abgeschrabbte Knie und blaue Flecken geben wird? Wissen Sie was? Manchmal wird sich sogar ein „Beinbruch" nicht verhindern lassen. Aber - und hier kommen wir zu Regel Nr. 2: Planen Sie das Scheitern mit ein. Es erleichtert das Leben kolossal. Wenn Sie das Scheitern mit einplanen, werden Sie daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen. Winston Churchill war der Meinung: "Success is going from failure to failure without losing enthusiasm."

Diese Einstellung hatten wir vor langer Zeit schon einmal verinnerlich, als wir Laufen gelernt haben. In dieser Phase sind wir 100 Mal am Tag hingefallen und wieder aufgestanden. Das heißt, wir wurden statistisch gesehen alle drei Minuten am Tag mit einem Misserfolg konfrontiert und haben uns trotzdem nicht aufhalten lassen - sondern sind wieder aufgestanden und haben es besser gemacht.

Regel Nr. 3

Vertrauen Sie auf Ihre "Navituition"! Ich will damit sagen, lassen Sie sich bei Entscheidungen von Ihrer Intuition und Ihrem gefassten Plan gemeinsam navigieren "Navituition" ist beides im Einklang miteinander. Es kommt nicht darauf an, wie viele Informationen man gesammelt hat. Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Entscheidung dadurch nicht besser wird. Malcom Gladwel hat darüber in seinem Buch „Blink" geschrieben. Sie können bei keiner Entscheidung alle Fakten im Voraus kennen, daher wird Ihre Pro- und Kontraliste auch niemals vollständig sein. Jede Wahl beinhaltet immer auch ein Restrisiko. Ihr Bauch kann in solchen Situationen erfolgreicher entscheiden, als sie es vermuten.

Und wenn Ihnen demnächst wieder ein Kletterbaum begegnet - ob im Stadtpark oder im Businessmeeting - denken Sie kurz an Erin Hanson:" What if I fall? Oh, but my darling what if you fly?"

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