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Vom Handschlag bis NFC Payments: Alternative Bezahlarten

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Von der Zeit, als ein Kuhhandel per Handschlag besiegelt wurde, bis zum Hinhalten eines rechteckigen Stücks Plastik an einen NFC-Reader hat sich die Art und Weise für Bezahlungen oft unerwartet verändert. Es wurde getauscht, unterschrieben, gescannt und eine PIN eingegeben.

Durch neue Bezahltechnologien im Zuge der Digitalisierung haben Experten auch in Deutschland schon seit längerem das Ende des Bargelds vorausgesagt. In anderen Ländern ist dies auf absehbare Zeit vielleicht wirklich der Fall. So besitzt zum Beispiel Großbritannien im Vergleich zu Kontinentaleuropa eine besondere Bezahlkultur, hier werden fast nur noch Kreditkarten genutzt und auch Mobile Payment findet schnelle Akzeptanz. Südkorea will bis 2020 sogar das Bargeld ganz abschaffen. Und selbst die EU-Kommission hat schon einen Plan vorgelegt, um Bargeld-Zahlungen schrittweise einzuschränken und schließlich ganz abzulösen.

Doch wie die Gallier in den Asterix-Bänden scheinen sich die Deutschen der Übermacht zu widersetzen. So ergab eine aktuelle Umfrage von Yougov, dass 90 Prozent der Bundesbürger grundsätzlich Bargeld für die Einkäufe in den Geschäften nutzen. Zwei Drittel der Befragten zücken immerhin zwischendurch ihre EC-Karte und ein Drittel die Kreditkarte. Doch nur jeder sechste bezahlt damit kontaktlos, stattdessen reagieren hier Unterschrift und Eingabe der Geheimzahl. Trotzdem glauben demnach 40 Prozent der Deutschen, dass innerhalb der kommenden 20 Jahre nur noch bargeldlos bezahlt wird.

Tankstellen und Taxis

Die Bezahlung mit EC- und Kreditkarte wurde in Deutschland in den frühen 1990er Jahren vor allem an der Tankstelle populär. Hier waren meist größere Beträge zu begleichen und die Autofahrer hatten unterwegs nicht immer die nötige Geldmenge in der Brieftasche. Gleichzeitig wollten die Tankstellenpächter vermeiden, zu viel Bargeld in der Kasse anzusammeln. Dies verlockt vor allem an einsamen Tanken in der Nacht zu Überfällen.

Von dort aus trat die EC-Karte, inzwischen offiziell Girokarte genannt, ihren Siegeszug durch Deutschland an. Immer mehr Läden und Restaurants übernahmen die praktische Bezahlungsweise - und auch die Bundesbürger nahmen nach anfänglichem Zögern die neue Variante zunehmend in Anspruch. Heute werden selbst Ticketautomaten in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch Taxis verstärkt mit Kartenterminals ausgestattet. So holt Deutschland den Rückstand zu anderen Ländern in diesen Bereichen sukzessive auf.

Auch durch die Einkaufsmöglichkeiten im Internet wurde die Kreditkarte hierzulande immer populärer. So sind derzeit rund 33 Millionen Kreditkarten in Deutschland verbreitet. Nach statistischen Erhebungen werden damit jährlich fast 1 Milliarde Transaktionen durchgeführt, doch im gesamten Einzelhandel entspricht dies einem Anteil von nur 6 Prozent.

Der vernetzte Konsument

Weiter verbreitet als Kreditkarten sind in Deutschland inzwischen Smartphones. 49 Millionen Bundesbürger nutzten 2016 einen solchen intelligenten mobilen Begleiter. Dieser besitzt in der Regel einen Internetzugang. Zu Hause nutzen sogar 58 Millionen Deutsche das Internet. Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger ab 14 Jahren kaufen dabei auch online ein. Im Vergleich zu den Briten liegen sie aber deutlich zurück. Hier haben sogar 95 Prozent bereits online eingekauft.

Der Schritt vom Online-Shopping am PC zum Mobile Commerce am Smartphone ist nicht weit. Ein Drittel sämtlicher Online-Bestellungen läuft in Deutschland schon über Mobilgeräte. Dabei wurden im vergangenen Jahr erstmals mehr Transaktionen per Smartphone abgeschlossen als mit Tablets. Doch die Bezahlung läuft größtenteils immer noch per Rechnung, Paypal, Kreditkarte oder Lastschrift ab.

Kontaktloses Bezahlen

Noch ein weiter Weg ist es daher bis zum kontaktlosen Bezahlen. Dies funktioniert nicht nur per Smartphone - in Deutschland jedoch erst in Zukunft per Apple Pay, Android Pay oder Samsung Pay -, sondern auch über Giro- und Kreditkarte. Aber bislang wird sie noch nicht breit von den Deutschen eingesetzt. Laut aktuellen Umfragen hindern viele Verbraucher neben Unkenntnis auch Sicherheitsbedenken daran, überhaupt kontaktlos zu bezahlen. Dabei ist das Zahlen via NFC nicht weniger sicher als mit Bar- oder Plastikgeld. 

Dass es sich hier um eine vielversprechende Methode handelt, zeigt wiederum das Beispiel Großbritannien. Hier gaben die Konsumenten vor allem dank Android Pay im vergangenen Jahr 288 Millionen Britische Pfund über mobile kontaktlose Bezahlverfahren aus. Die beliebtesten Anwendungen waren dabei mit 54 Prozent der Einkauf von Mittagessen durch Werktätige sowie mit 20 Prozent das Bezahlen der Rechnung in Pubs, Bars und Restaurants.

Dies belegt das Potential von kontaktlosem Bezahlen durch NFC-Chips. Doch bis es sich auch in Deutschland durchsetzt, wird wohl noch eine Weile vergehen. Denn Otto Normalverbraucher verzichtet nur ungern auf seine Scheine und Münzen, aber auch die komplexe deutsche Bankenlandschaft verhindert, dass sich ein standardisiertes Bezahlverfahren schnell durchsetzt. Vor allem die jüngere Generation, die mit Online-Anwendungen aufgewachsen ist, könnte hier für einen Wandel sorgen. Denn sie dürfte offener für neue, digitale Bezahlvarianten sein.

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