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Revolution der bargeldlosen Gesellschaft und Fortschritt bei Connected Commerce

23/09/2015 11:47 CEST | Aktualisiert 23/09/2016 11:12 CEST
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In zehn Jahren wird sich unser Verhältnis zu Bargeld und Brieftaschen grundlegend geändert haben. Die meisten Leute werden ihr reales Geld zu Hause lassen und nur noch dann aus der Schublade holen, wenn es unbedingt nötig ist. Ebenso werden reale Portemonnaies, die heute nicht aus Hand- und Hosentaschen wegzudenken sind, ihr Dasein in dunklen Ecken fristen - oder noch wahrscheinlicher - sie werden ganz aus unserem Leben verschwinden.

Die Welt des Bezahlens befindet sich auf dem Scheitelpunkt einer Revolution, die jeden einzelnen Konsumenten und Händler auf unserem Planeten betrifft - eine Veränderung, möglicherweise so radikal wie die industrielle Revolution.

Verantwortlich für diese Revolution auf dem Gebiet des Bezahlens ist die mobile Technologie

Wir haben bereits erlebt, wie ein Telefon mit der Leistungsstärke eines PCs in unserer Tasche ganze Märkte verändern kann, und zwar selbst recht neue Märkte. Der Absatz von iPods beispielsweise geht seit 2009 zurück - abgehängt von Smartphones, die sich fortwährend weiterentwickeln und zu hochgradig vernetzten Computern geworden sind, deren Technologie mehr und mehr verknüpfte Geräte unterstützt, sowohl tragbare als auch solche in unseren Heimen, Autos und selbst in der Medizintechnik.

Die Auswirkungen dieser "Taschen-PCs" sind in der Gesellschaft spürbar und schlagen sich auf alte und neue Märkte gleichermaßen nieder. Wir werden jetzt Zeuge, wie das Smartphone zur virtuellen Brieftasche aufsteigt: VISA wagt die vorsichtige Vorhersage, dass bis zum Jahr 2020 1,2 Milliarden britische Pfund für Mobiltelefone ausgegeben werden und Apple nennt seine Passbook-App zum Aufbewahren von Kreditkarten und Tickets mittlerweile "Wallet" (dt: Brieftasche).

Tatsächlich bin ich persönlich davon überzeugt, dass die meisten Menschen in den meisten Ländern ihre Brieftasche oder Portemonnaie bis zum Jahr 2025 gegen ein Smartphone-basiertes virtuelles Wallet ausgetauscht haben werden.

In den vergangenen fünf Jahren haben wir erlebt, wie viele Mobile-Wallet-Produkte kurz nach ihrer Markteinführung Schiffbruch erlitten, wie etwa das O2 Wallet, für das schon nach 18 Monaten das Aus kam. Diese Produkte waren ihrer Zeit voraus: Sie sollten einen Markt revolutionieren, der für derart radikale Veränderungen noch nicht bereit war. Doch so ergeht es fast jeder aufstrebenden Technologie, solange sie noch in den Kinderschuhen steckt.

Manchmal braucht es einen Henry Ford oder einen Steve Jobs, um über frühe Produkte hinaus innovativ zu sein und im Mainstream die wahre Innovation zu erkennen. Und manchmal kann Marktentwicklung die Akzeptanz seitens der Verbraucher beschleunigen, sofern Infrastruktur und Umgebung, das entsprechende Produkt und auch der Preis stimmen.

Mobile Wallets, digitale Versionen unserer Brieftaschen, in der Kreditkarten, Kundenkarten und Tickets ihren Platz finden, sind in der Lage, nicht nur die Art und Weise zu revolutionieren, wie wir bezahlen, sondern auch die Art und Weise, wie wir mit Unternehmen interagieren, wodurch wir endgültig in eine neue Ära des Connected Commerce eintreten werden.

Viele Branchen beginnen - oder haben bereits damit begonnen - Technologien einzuführen, die dem zunehmenden Trend zu smarten, mobilen Geräten gerecht werden. Banken und Finanzdienstleister erforschen schon seit Jahren die biometrische Authentifizierung, und es gibt eindeutige Anzeichen einer allmählichen Revolution auf westeuropäischen Märkten. In Großbritannien beispielsweise haben RBS und NatWest angekündigt, ihren Kunden schon bald zu ermöglichen, mittels Fingerabdruckerkennung per Smartphone auf ihre Bankkonten zuzugreifen.

Auch im Einzelhandel schreiten Handelsmarken kontinuierlich mit mobilen Strategien voran

Heute werden 40 Prozent aller Online-Käufe im Einzelhandel über mobile Geräte getätigt, wobei einer von vier Käufen über Smartphones abgeschlossen wird, so dass die Vorteile für den Einzelhandel immens sind. Von geringeren Kosten und höherer Produktivität bis hin zu einem besseren Kundenerlebnis - bei diesem Trend überwiegen ganz eindeutig die Vorteile.

Wir ändern unsere Gewohnheiten nicht, solange es uns keinen deutlichen Vorteil bringt oder wir nicht dazu gezwungen werden. Man könnte nun natürlich argumentieren, dass der Kunde gern etwas Konkretes in der Hand hält, wie z.B. Bargeld oder eine physische Plastikkarte. Doch Schnelligkeit und Komfort werden immer wichtiger, und der Verbraucher ist bereit, dafür sein Verhalten zu verändern.

Und gerade diese Kultur des Komforts ist eine wichtige Antriebskraft hinter der bargeldlosen Revolution. Von kontaktlosen Karten zum Bezahlen von Zugtickets bis hin zum One-Click-Einkauf bei Amazon - schnell und einfach machen den Unterschied.

Im vergangenen Jahr ist das kontaktlose Bezahlen in Europa explosionsartig angestiegen, wobei sich die Ausgaben mehr als verdreifachten und ein Rekord von 2,32 Milliarden britischen Pfund im Jahr 2014 erreicht wurde. Die Verbraucher in Großbritannien benutzten ihre kontaktlosen Kredit- und Bankkarten letztes Jahr 319,2 Millionen Mal und jede Sekunde wurden 10 kontaktlose Transaktionen durchgeführt.

In den ersten sechs Monaten nach ihrer Einführung wurden 41 Millionen Fahrten mit dem Londoner Transport-Netzwerk mit einer kontaktlosen Karte bezahlt und die Passagiere verzichten nun auf Papiertickets oder ihre Oyster Card (eine kontaktlose Smartcard für alle öffentlichen Verkehrsmittel in ganz London). Die Notwendigkeit, Geld auf einer separaten Karte zu speichern oder sich an einem Automaten anzustellen, um die Karte aufzuladen, entfällt nun.

Kontaktloses Bezahlen ist das fehlende Bindeglied zur umfassenden Einführung von virtuellen Brieftaschen. Hat man sich erstmal daran gewöhnt zu bezahlen, indem man mit einer Karte wedelt, so ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Wedeln mit dem Smartphone oder der Smart Watch. Die Vorteile einer digitalen Brieftasche gehen über Schnelligkeit und Komfort hinaus, denn nun sind keine Papierquittungen mehr nötig:

Alle Ausgaben werden in einer benutzerfreundlichen App einzeln aufgelistet und kategorisiert, Örtlichkeiten werden automatisch erfasst, gebuchte Tickets werden digitalisiert und gespeichert, d.h. es besteht keine Notwendigkeit, eine Buchungsbestätigung vorzuweisen, um z.B. Tickets am Automaten oder Kartenschalter entgegennehmen zu können. Überdies werden Kunden in Geschäften „wiedererkannt" werden, was dafür sorgt, dass sie die richtigen Angebote erhalten, automatisch an Ihre bisherigen Käufe und Vorlieben abgestimmt.

Vorteile für Unternehmen und andere Organisationen

Die Vorteile für Unternehmen und andere Organisationen sind enorm, angefangen mit der Effizienz und Genauigkeit, mit der Bezahldaten digital erfasst werden, über die Möglichkeiten, die die dadurch gewonnenen Daten bieten, bis hin zu neuartigen Einkaufserlebnissen, die zur Kundenbindung führen und damit die Marketingproduktivität steigern.

Die Kombination aus Internet, Smartphones, ausgefeilten virtuellen Brieftaschen und verkaufsfördernden Programmen führt dazu, dass der Handel in einem Maße vernetzt sein wird, wie es bis vor kurzem noch unvorstellbar war. Der Einfluss einer bargeldlosen Gesellschaft wird zum Connected Commerce führen, und die Auswirkungen auf Unternehmen, auf große wie auf kleine, werden revolutionär sein.

Auch wenn die Verbraucher nicht sofort Feuer und Flamme sein werden, so ist es meiner Meinung nach nur eine Frage der Zeit, bis kontaktloses Bezahlen und mobile Wallets die Norm werden. Es ist noch nicht so lange her, dass viele Menschen Bedenken hatten, online einzukaufen, da sie befürchteten ihre Kreditkartendaten oder sogar ihre gesamte Identität könnte gestohlen werden.

Die Revolution, die dazu führt, dass Verbraucher weltweit mit ihren mobilen Brieftaschen bezahlen und den verknüpften Handel vorantreiben, ist eine Revolution die gerade Fahrt aufnimmt und uns in den nächsten Jahren wie ein Lawine überrollen wird. Bargeldloses Bezahlen hat das Bezahlen mit Bargeld bereits überholt, das in Großbritannien von 52 Prozent im Jahr 2013 auf 48 Prozent im Jahr 2014 zurückgefallen ist.

In nur wenigen Jahren wird das Bezahlen via Smartphone, Smart Watch oder anderen intelligenten Geräten vermutlich ebenso normal sein, wie es das Bezahlen mit Bargeld, Kredit- oder Bankkarte heute ist. Seien es mobile Wallets, virtuelle Karten oder biometrische Zahlungen - die Welt des Bezahlens befindet sich im Wandel, und Bargeld wird in den kommenden Jahren sehr wahrscheinlich immer weiter auf der Beliebtheitsskala sinken, bevor es zum Jahr 2025 endgültig hinfällig sein wird. Die Folge: der Handel wird vernetzter sein denn je, womit für Unternehmen wie für Verbraucher gleichermaßen Mehrwerte und Vorteile geschaffen werden.

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