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Onlineshoppen ist wie Kaffee trinken

23/09/2015 11:46 CEST | Aktualisiert 23/09/2016 11:12 CEST
ullstein bild via Getty Images

Ein international aktiver Online-Shop sollte unbedingt die nationalen Vorlieben beim Bezahlen im Internet beachten, auch wenn die auf den ersten Blick verwundern: So werden in den Niederlanden zwei von drei Online-Rechnungen mit dem iDEAL-Bezahlsystem beglichen, die Deutschen stehen eher auf klassische Rechnungen und Lastschriften und die Finnen schwören auf Direktüberweisungen über Online-Banking-Seiten [Quelle].

Die zentrale Frage: Warum gibt es diese großen Unterschiede bei der Wahl des Online-Zahlungsmittels?

Online bezahlen ist wie Kaffee trinken

Einen Hauptgrund, der die nationalen Bezahlvorlieben überall auf der Welt erklärt, gibt es nicht. Vielmehr muss man das Thema Online-Bezahlen als Entwicklung ansehen, die in jedem Land kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Einflüssen ausgesetzt ist.

Ähnlich wie beim Kaffee, haben Nachbarländer auch beim Online-Bezahlsystem komplett unterschiedliche Vorlieben. Der Deutsche schwört auf seinen bitteren Filterkaffee, Italiener greifen lieber zum starken Espresso und in Österreich gibt es eine große Vielfalt verschiedener Kaffeespezialitäten.

Politik beeinflusst Zahlsysteme

Italien ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich politischer Einfluss auf die Zahlungsmittel und die Zahlungsgewohnheiten der Bürger auswirkt. Traditionell wird in Italien sehr gerne bar bezahlt. Doch die Politik förderte den Einsatz von Kreditkarten durch einige richtungsweisende Beschlüsse.

So sind in Italien Bargeldgeschäfte über 1.000 Euro gesetzlich verboten, was die Verbreitung von Kreditkarten stark zunehmen ließ. Zentral ging es dabei um die Bekämpfung von Kriminalität und Geldwäsche, sodass sich Kreditkarten in den letzten Jahren sehr gut etabliert haben. Eine große Kreditkartenverbreitung kurbelt dann auch die Akzeptanz an und die führt wieder zu steigender Kreditkartennachfrage.

Banken steuern Zahlungsmittel

Natürlich spielen auch wirtschaftliche Gründe eine große Rolle, welche Zahlungssysteme sich in einem Land etablieren. Eine führende Rolle haben dabei die Banken. Beispiel Spanien: Dort geben die Banken vornehmlich Kreditkarten als Anhängsel zu Konten aus. Hat ein Nutzer mehrere Konten, hat er dementsprechend auch mehrere Kreditkarten.

So ist die Verbreitung von Kreditkarten in Spanien und auch deren Anteil an den Bezahlarten sehr hoch. Dagegen entfallen nur 13 Prozent der Bezahlungen in Spanien auf die Girokarten, denn die sind weit weniger verbreitet.

Ein anderes Beispiel, wie groß der Einfluss der Banken ist, sind die Niederlande. Hier ist für Internet-Bezahlungen das System iDEAL sehr beliebt, eine Bezahlart bei der Kunden per Direktüberweisung über die eigene Bank bezahlen. Es konnte sich deswegen seit 2005 in den Niederlanden so gut etablieren, weil die Mehrheit der lokalen Banken dort das System erstens unterstützt und zweitens auch entsprechend bewirbt.

Technik als moderner Antriebsfaktor

Ein moderner Einflussfaktor auf die Bezahlvorlieben in einzelnen Ländern sind neue Technologien. Das kann man zum Beispiel in Kenia beobachten, dort hat das mobile Bezahlsystem M-Pesa sehr hohe Marktanteile. Die Technologie hilft dort dabei, Probleme zu lösen, etwa dass die meisten Menschen kein Bankkonto haben.

Dieses Problem stellt sich zwar in den USA und Europa so nicht, moderne Technik hat trotzdem ihren Einfluss auf das Bezahlverhalten, schon allein weil sie bequem zu nutzen ist. So sind in vielen Ländern vor allem die schnellen Bezahlarten auf dem Vormarsch, etwa Direktüberweisung oder PayPal.

Das große Potenzial der Smartphones

Großes Potenzial sehen viele Experten seit Jahren in mobilen Bezahlsystemen, denn Smartphones sind für viele Menschen ständige Begleiter geworden; integriert man eine Bezahlfunktion fest ins Mobiltelefon, haben diese Menschen bereits alles nötige zum Bezahlen dabei.

Das Bezahlen mit dem Smartphone hat sich bisher aber nicht auf breiter Front etablieren können. Apple Pay wird hier großes Potenzial eingeräumt, mobiles Bezahlen voranzutreiben.


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