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Mobile Zahlungen im Online-Handel - überschätzt oder einfach nur falsch verstanden?

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MOBIL PAY
MAXIM ZMEYEV / Reuters
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Die Akzeptanz für ein Leben ohne Bargeld ist innerhalb eines Jahres deutlich gestiegen. So kann sich aktuell fast die Hälfte der Deutschen (46 Prozent) vorstellen, in Zukunft in beinahe allen Alltagssituationen ausschließlich bargeldlos zu bezahlen, das belegt eine aktuelle Umfrage des Bitkom.

Dr. Bernhard Rohleder, Bitkom-Hauptgeschäftsführer, bestätigt: „Bargeldlose Bezahlverfahren sind komfortabler und sicherer, deshalb werden sie das Bargeld auf mittlere Sicht ersetzen. Insbesondere Mobile Payment ist praktisch und erleichtert den Überblick über die eigenen Finanzen."

Kein Wunder, dass sich immer mehr E-Commerce-Händler Gedanken über die Bedeutung von nicht-bargeldbasierten Zahlmethoden machen.

Dank mobiler Zahlmethoden ist es möglich, ein Produkt oder einen Service mit einem mobilen Endgerät zu bezahlen - so die allgemeine Definition für Mobile Payment. Dabei liegt der Fokus auf „bezahlen mit", nicht auf dem „wie" - NFC oder QR-Code oder welche Technologie auch immer der nächste Trend sein wird. Insbesondere Nutzer, die weltweit unterwegs sind, wissen die Vorteile bargeldloser Bezahlung zu schätzen..

Zudem erweist es sich als ausgesprochen bequem und einfach, beispielsweise via NFC-Sticker das U-Bahn-Ticket in London zu bezahlen oder ein Taxi über Apple Pay in den USA. Mobile Payment verändert das Leben am Point of Sale (POS) in vielerlei Hinsicht. Aber was bedeutet das für Online-Händler?

Unaufhaltsamer Trend - Shoppen über ein mobiles Endgerät
So viel zum mobile Payment. Nicht verwechselt werden darf diese Art des Bezahlens jedoch mit dem Einkaufen sowie Bezahlen auf einem mobilen Endgerät; denn es handelt sich dabei um zwei grundlegend verschiedene Dinge.

Der Trend geht schon länger in Richtung Shopping über mobile Endgeräte, also per Smartphone oder Tablet. Die Alibaba Group hat dies eindrucksvoll bewiesen, als das Unternehmen letztes Jahr während des Shopping-Festivals „Singles Day" an nur einem Tag Waren im Wert von 14,3 Milliarden US-Dollar verkauft hat - 70 Prozent aller Einkäufe wurden über ein mobiles Gerät getätigt.

Wachsende Ansprüche der Konsumenten - Mobile Payment

Viele Konsumenten, die bereits gute Erfahrungen mit Transaktionen am POS per ApplePay, SamsungPay oder anderen mobilen Zahlmethoden gemacht haben, möchten jedoch nicht nur am POS, sondern auch im E-Commerce einfach und praktisch per Mobile Payment bezahlen. Daraus resultieren die wachsenden Marktanteile von E-Wallets und 1-Click-Lösungen wie AliPay, PayPal, ecoPayz und Amazon Payments.

Was jedoch für Kunden sehr bequem ist, muss für Händler nicht automatisch ein Vorteil sein. Oftmals ist ein E-Wallet-Payment nichts anderes als eine Zahlung via elektronischer Geldbörse (Wallet) mit hinterlegten Kartendaten.

Dies führt aktuell nur zu höheren Händlergebühren und nicht dazu, zusätzliche Kunden zu gewinnen, nämlich jene, die keine Kreditkarte besitzen oder diese nicht nutzen möchten.

Altbewährtes auch gut für die Zukunft?

Mobile Payment-Lösungen wie ApplePay oder SamsungPay - die am POS an Bedeutung gewinnen - haben im E-Commerce bisher nur einen geringen Marktanteil. ApplePay kündigte kürzlich an, dass es schon bald ein dediziertes Angebot für den Online-Handel geben wird.

Da ApplePay jedoch weltweit für viele Anwender noch nicht verfügbar ist, muss sich erst herausstellen, wie schnell und welchen Einfluss diese Bemühungen auf Verbraucher- und Marktanteile im E-Commerce haben werden.

Denn weshalb sollte ein Kunde in den Niederlanden, der mit iDEAL durchschnittlich 60 Prozent seiner Transaktionen tätigt, plötzlich seine Lieblings-Zahlmethode nicht mehr nutzen, wenn er mit einem mobilen Gerät einkauft?

Warum sollte ein belgischer Verbraucher aufhören, mit der Bezahlmethode Bancontact zu bezahlen, ein deutscher Konsument das Direktüberweisungssystem Sofort nicht mehr verwenden oder ein Portugiese auf Multibanco verzichten? Diese Online-Zahlarten sind einfach zu bedienen, auch wenn Verbraucher über ein mobiles Endgerät einkaufen.

Verschiebung der Zahlungssysteme

Künftig wird es jedoch zu einer Verschiebung der Zahlungssysteme kommen. Nur Bezahlarten, die in die Optimierung mobiler Systeme investieren, werden sich durchsetzen. iDEAL oder Bancontact beispielsweise sind beim Bezahlen über Mobilgeräte im Gegensatz zu manch anderen Anbietern sehr innovativ und benutzerfreundlich.

Dennoch: auch wenn Nutzer Zahlarten gegenüber prinzipiell loyal sind, werden sie künftig vermehrt neue Methoden ausprobieren, die auf mobiles Shopping ausgelegt sind. Auch solche Payment-Formen, die derzeit noch ihren Schwerpunkt auf POS-Transaktionen legen, werden eines Tages für den Online-Handel verfügbar sein.

Sind Systeme in der Lage, den Anforderungen beider Welten - des Mobile Shopping und des Mobile Payment - gerecht zu werden, dürften sie hohe Marktanteile erlangen.

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Was bedeutet das für die PSPs und Online-Händler?

Payment Service Provider (PSP) und Händler müssen daher künftig Trends noch stärker verfolgen und neue Zahlmethoden implementieren und anbieten, um den steigenden Anforderungen der Konsumenten gerecht zu werden.

Bestehende Systemverbindungen bedürfen einem Mehraufwand und benötigen technische, rechtliche und operative Ressourcen. Für viele Systeme müssen Schnittstellen kontinuierlich verändert und angepasst werden, um in einer Omnichannel-Umgebung immer up-to-date zu sein.

Andere Systeme müssen mit separaten Schnittstellen und APIs für die Integration aufgerüstet werden. Um Händlern und ihren Kunden die neuesten Funktionen anbieten zu können, ist für PSPs also einiges zu tun. Händler hingegen werden das Vertrauen in die Fähigkeiten von PSPs, ihre Shop-Kunden zufrieden zu stellen und die Konversionsraten ihrer Shops hochzuhalten, in ihren Entscheidungsffindungsprozess einfließen lassen.

Deshalb wird es in der Zukunft für PSP noch wichtiger, einen Spezialisten für elektronische Zahlarten an der Seite zu haben. Er kann sicherstellen, dass Bezahlsysteme immer auf dem aktuellen Stand sind, ohne dass sich der PSP darum kümmern muss.

Denn sowohl mobile Payments als auch Zahlungen über ein mobiles Gerät haben schon heute - und werden zukünftig noch stärker - den Geschäftserfolg von PSPs mitbestimmen.

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