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Nach TRUMP ist vor TRUMP

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
Carlo Allegri / Reuters
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Das Unfassbare ist eingetreten. Aber wie geht es jetzt weiter. Wie kann die Welt in einer „TRUMP"-Ära aussehen?

Die Meinungsforschungsinstitute haben mal wieder gnadenlos daneben gelegen. Es war keine knappe Entscheidung, es war so eindeutig, dass man sich schon fragen muss, wie es zu solchen Vorhersagen kommen kann. Sicher, die logischste Erklärung scheint das „Mainstream-Phänomen". Ich sage dem Meinungsforscher das, was die Mehrheit anscheinend hören will, auch wenn ich anders wähle. Und die Welt scheint einfach immer verrückter zu werden, wenn man denn den Tweets der politischen Meinungsführer Glauben schenken will. Aber ist es tatsächlich so einfach?

Die Wahlausgänge zum Brexit und zur US-Präsidentschaft, aber auch die letzten Landtagswahlen in Deutschland haben eine tiefere Ursache. Es ist die Sorge, gerade der ehedem schon wirtschaftlich zurückgebliebenen und solchen, die dieses Schicksal fürchten, die für zumeist rechtspopulistische Argumente ein offenes Ohr haben. Die ständig von der neuen digitalen Welt erzählt bekommen, die sie nicht verstehen und die ihnen einfach Angst vor der Zukunft macht. Die Medien und der Journalismus tragen in gehörigem Maße noch dazu bei.

Da wird in einer ARD-Themenwoche die „Zukunft der Arbeit" propagiert, und zwar mit durchgängig negativen Titeln wie „Wenn Arbeit nicht mehr lohnt", „Zwei Tage, eine Nacht (Sandra kämpft um ihren Arbeitsplatz)", „Tod eines Managers", „Wer hat morgen Arbeit?", „Menschen und Mächte, Arm trotz Arbeit", „Abgehängt und ohne Zukunft", „Arbeit war das halbe Leben", und so weiter und so fort. Parallel dazu versteht auch der Bildungsfernste, dass mit dem Herumwursteln am Sozialstaat mit „Lebensleistungs-Rente", „Mütter-Rente" und jetzt „Flexi-Rente" doch irgendetwas nicht stimmen kann. Der tiefsitzende Argwohn gegen das Establishment von Politik- und Wirtschaftselite bricht sich dann in Wahlen seine Bahn. Der früher gefühlte Paternalismus zwischen den Eliten und der Bevölkerung, als ein Manager noch das 20-Fache eines durchschnittlichen Arbeiters verdiente, wird mittlerweile als der reinste Opportunismus verstanden in Zeiten, in denen sich das Verdienstverhältnis auf das 256-Fache gesteigert hat.

Auch ein Donald Trump wird die Kohle- und Stahlindustrie in den USA nicht mehr „great again" machen können. Und die Außenpolitik interessiert den gemeinen Bürger nicht. Wie sieht die mittelfristige Zukunft dann aus?

Entweder es werden Wege gefunden, der Gesellschaft die Zukunftsangst zu nehmen, oder wir werden auf der ganzen Welt, angefangen in den westlichen Industriestaaten Revolten erleben, die es in vereinzelten Städten in den USA ja schon längst gibt. Angesichts der durchaus disruptiven Zukunft der Arbeitswelt, ausgelöst durch die digitale Revolution, in der je nach Forschungsbericht und Zeitrahmen zwischen 30-50 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen gibt es nur eine Lösung, die an dieser Stelle schon unter anderen der Tesla-Gründer Elon Musk vorgeschlagen hat. In absehbarer Zeit muss es ein Bedingungsloses Grundeinkommen geben, wenn wir die Gesellschaft, so wie wir sie heute kennen erhalten wollen. Dann wird auch die „Gemeinschaft" der Europäischen Union und ihre kulturelle Achse mit den Vereinigten Staaten von Amerika und einer Kooperation mit Russland und den asiatischen Staaten funktionieren können.

Das nicht unmögliche Alternativ-Szenario sieht allerdings anders aus und kommt wahrscheinlich genauso unwahrscheinlich wie der Brexit und Donald Trump. Großbritannien und auch die USA erleben ein Relaunch ihrer Industriestrukturen und werden durch die massive Abwertung ihrer Währungen wieder wettbewerbsfähig, es entsteht zumindest für wenige Jahre eine Scheinblüte mit der Konsequenz eines immer stärker werdendem Protektionismus. Länder wie Italien und Frankreich folgen dem Beispiel und die Europäische Union zerfällt unter den „Hura"-Rufen der Populisten aller Richtungen. Und das alles innerhalb der nächsten fünf Jahre. Richtig anfangen wird es in 2017, wenn Donald Trump seinen Posten einnimmt. Ausgerechnet im 200jährigen Jubiläum eines großen Vordenkers. David Ricardo prägte das Konzept vom „komparativen Vorteil", das besagt, dass es für beide Volkswirtschaften von Vorteil ist, wenn sie sich auf die Produktion des Gutes spezialisieren, bei dem sie über einen komparativen Vorteil verfügen, es exportieren und das andere Gut importieren. Durch die Ausnutzung des komparativen Vorteils kommt es also zu einem beiderseitig vorteilhaften Handel zwischen den beiden Volkswirtschaften. Diese Weisheit, die Ricardo 1817 veröffentlicht hat bescherte der Welt einen bis dahin unermesslichen Reichtum, und zwar nicht für wenige, sondern für die breite Masse der Bevölkerung.

Jetzt schicken wir uns an, diese Errungenschaften des Freihandels wieder zurück zu drehen. Die Wissenschaftler, allen voran die Volkswirte, halten sich bedeckt nach ihrem Versagen in der Finanzkrise. Vielleicht sollten wir alle einfach mal wieder dem angelsächsischen „common sense" folgen, dem gesunden Menschenverstand. Es bleibt spannend.

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