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Vom Holzhacken zur Erleuchtung!

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"Vom Holzhacken zur Erleuchtung - von der Erleuchtung zum Holzhacken!" In dieser wundervollen alten Weisheit steckt eine tiefe Erkenntnis: nämlich, dass wir Menschen bei aller Sehnsucht nach der Schöpfung, nach der Verbundenheit mit etwas „Höherem", mit Gott, in unserem Leben hier in ein materielles Universum geworfen sind. Das impliziert die entsprechenden Lernaufgaben. Dazu gehört das, was man „Erdung" nennt, nämlich die gesunde Verbundenheit mit den Aufgaben unserer menschlichen Alltagsebenen: „mit beiden Beinen im Leben stehen" - so sagt es ein sehr passendes Sprichwort.

Menschen, die sich mit Spiritualität beschäftigen, haben sinnigerweise den wunderschönen Wunsch, dass nicht nur sie sich persönlich in Liebe entwickeln, sondern die gesamte Menschheit. Ich schätze das persönlich so ein, dass das auch auf lange Sicht passieren wird (oder die Menschheit geht unter ...).

Negative Menschen
Bis dahin sind wir immer wieder mit Menschen konfrontiert, z.B. mit unserem Partner, unseren Eltern, unseren Kindern, auf der Arbeit, in der Schule, in der U-Bahn, in der Kneipe, denen Erleuchtung und persönliche Entwicklung so was von egal ist ... und die wenig bis null Hemmungen haben, ihre eigene charakterliche Schwäche und Inkonsistenz, ihre persönlichen Defizite an ihrer Umwelt auszulassen.

Auch viele spirituelle Menschen sind mit solchen Situationen überfordert. Das Höchste ist die Liebe. Gewalt und Aggressionen werden konsequenterweise abgelehnt. Das ist alles richtig so - sollte aber nicht dazu führen, dass wir keinen gesunden Selbstschutz entwickelt haben. Zur gesunden und reifen Entwicklung von Körper, Geist und Seele gehört der mit dazu. Selbstschutz ist praktizierte Selbstliebe!

Mentaler Selbstschutz
Ohne mentalen Selbstschutz und ohne eine realistische Einschätzung und Auseinandersetzung mit meiner Umwelt bekommt alle Beschäftigung mit Spiritualität, Meditation, Religion, Energiemedizin, Esoterik usw. den Charakter von Weltflucht.

Ein Beispiel aus dem praktischen Leben:
So wunderschön es ist, mit Engeln reden zu können (oder es sich auch nur wundervoll einzubilden oder anderen vorzutäuschen...) und mich selbst dabei als besonderen Menschen ob dieser Fähigkeit zu empfinden - wenn ich mich gleichzeitig jahrelang von meinem Partner unterdrücken lasse, kann man nicht von einer souveränen und reifen Persönlichkeit sprechen. Es ist letztendlich das gleiche Prinzip der Selbsttäuschung und Überdeckung nach Außen wie bei den anders orientierten Menschen, die mit Geld und Karriere versuchen, ihre persönlichen Defizite und ihr mangelndes Selbstwertgefühl zu übertünchen.

Die Beschäftigung mit Spiritualität darf also, eigentlich und uneigentlich auch, nicht wie eine schmierige Decke meine Probleme im Alltag überdecken. Die Probleme selbst weisen immer auch auf die mögliche Lösung hin. Wenn ich z.B. ständig pleite bin, weil ich nicht mit Geld umgehen kann, liegt die Lösung NICHT darin Gott oder die geistige Welt um einen Lottogewinn zu bitten. Sondern die Lernerfahrung muss sein, endlich zu lernen mit Geld umzugehen. Dafür sind wir hier.

Wir sind spirituelle Wesen
Wir sind von der Essenz zutiefst spirituelle Wesen, aber deshalb in diese Schöpfung geworfen, um einfach menschliche Erfahrungen zu machen. Wozu nicht gehört, ständig Engel zu bitten, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, den wir reingefahren haben. Oder sich an einen Guru, Meister oder sonst was zu hängen und zu erwarten, dass dieser einem alles abnimmt. Jeder muss sowieso seinen eigenen Lebensweg finden und auch der eigene spirituelle Weg gehört dazu. Es macht keinen Sinn, aus dem Gefängnis einer einseitig materiellen Orientierung auszubrechen, um sich dann selbst in einem neuen Gefängnis einzuschließen.

Wir haben nicht nur Verstand und Geist, sondern auch Herz und Körper. Und mit diesen allen sollen wir diese Schöpfung erleben. Nicht nur der Geist, auch unsere Gefühle und Muskeln wollen erlebt und bewegt werden. Also lebe einfach dein Leben und mach was draus.

In der Qualität und Quantität meiner spirituellen Arbeit ist es wie mit vielen anderen Dingen des Lebens auch: Die Dosis macht, ob es ein Gift ist oder heilt!

Ich finde das buddhistische Beispiel mit der gesunden Mitte so schön: Spannst du eine Gitarrenseite zu lau, gibt sie nur einen lauen Ton. Spannst du sie zu hart, reißt sie leicht. Spannst du sie genau richtig, gibt sie einen wunderschönen Ton.

In diesem Sinne: Vom Holzhacken zur Erleuchtung - von der Erleuchtung zum Holzhacken !!!

Viel Spaß dabei wünscht Euch euer Ralf