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Religion, Glaube und der Terror

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Religion, Glaube und der Terror!

In der letzten Zeit passieren auch in Deutschland Attentate von durchgeknallten Menschen. Es ist unendlich traurig, dass religiöser Fanatismus zu solch extremen Gewaltausbrüchen führt. Dogmatismus, Fundamentalismus und eine aggressive Einstellung auf der einen Seite (Wir, die Gläubigen, gegen die Ungläubigen!) verbinden sich ganz unglücklich mit einer psychologischen Komponente. Es ist etwas in diesen Attentätern schon vorher seelisch / psychisch durcheinander, und deshalb fühlen sie sich auch so angezogen von solch rigiden religiösen Überzeugungen.

Um eins vorweg zu sagen: ich selbst bin gläubig. Ich glaube an die Schöpfung, an das Universum, an Gott! Und ich halte Religion für Märchen. Das mag jetzt den einen oder anderen Leser erstaunen. Ist das nicht dasselbe, Glaube und Religion ?

Für mich nicht. Religionen sind für mich Märchen von Erwachsenen für Erwachsene. Ich denke dabei schon, dass die Religionsstifter besondere Menschen waren, mit den allerbesten Absichten und Wünschen. Aber wie Menschen und Gesellschaften nun mal sind: es entstanden kirchliche Institutionen, die jede Menge Vorschriften, Gebote, Verbote, Regeln usw. entwickelt haben. Über Sinn und Unsinn dieser möchte ich hier nicht im einzelnen diskutieren. Fakt ist, dass diese jahrhundertelang den Menschen übergestülpt wurden, aus finanziellen und Macht-Interessen. Das hat unendlich viel Leid über die Menschen gebracht, auch hier in Europa: Kriege, Hexenverbrennungen und das Einflößen individueller Schuldgefühle, z.B. wegen sexueller Aktivitäten. Alles Resultate, weil Kirchenmänner und Frauen erwartet haben, dass man ihre religiösen Vorgaben befolgt und umsetzt.

Und genau hier fängt mein Widerstand an. Seine Beziehung zu Gott zu finden und zu definieren, ist eine Aufgabe, die jeder Mensch selbst leisten darf !!! Ich lasse mir von keinem Menschen, keiner Religion, keiner Institution vorschreiben, wie oder was ich zu glauben habe. Inspiration JA - Vorschreiben NEIN! Weder von einem IS - Terroristen, noch vom Papst oder einem buddhistischen Lama. Wobei ich gerade den Buddhismus deshalb sympathisch finde, weil man hier so erfrischend undogmatisch ist. Wie der Buddha schon sagte: Prüfe meine Aussagen ...! Kann ich mir von einem radikalen Islamkämpfer nicht vorstellen: "Prüfe meine Aussage ..." Eher so die klare Ansage: Glaube gefälligst so, wie ich das will - sonst Kopf ab! Schön - klar ist das. Aber auch ziemlich unverschämt.

Ganz bedenklich halte ich die neuesten Erklärungsversuche einiger "Experten", die neuesten Attentate als das Werk von "depressiv erkrankten" Menschen hinzustellen. Eine wirkliche schwere Depression lässt betroffene Menschen eine riesengroße "Leere" empfinden (nicht etwa Traurigkeit, wie viele Laien denken). Diese Leere wirkt extrem energiefressend und hemmend, die Leute kommen einfach nicht mehr in Gang, werden passiv und lethargisch, genau das Gegenteil von Attentätern.

Für mein Empfinden sind die vom Naturell gewöhnlichen Straßenschlägern viel ähnlicher: Weil diese ihr eigenes Leben in Wirklichkeit als völlig frustrierend empfinden (selbst wenn sie an der Oberfläche gekonnt eine Coolheit zur Schau tragen), brauchen sie ein Opfer als "Tankstelle", an dem sie ihr ramponiertes Selbstbewusstsein aufbauen. Diese psychische Grundverfassung bindet sich mit religiöser Verblendung und krimineller Energie. Blödsinn, diese Leute als depressive hinzustellen. Obwohl ich die Taktik dieser Experten verstehe: Wenn die Attentäter "krank" sind, dann haben sie auch keine Verantwortung für ihre Taten und wir als Bevölkerung haben dann leider irgendwie Pech gehabt...

Ich halte die Attentäter übrigens auch für seelisch krank, aber nicht in dem Sinne, dass sie keine Verantwortung für ihre Taten haben. Die Entwicklung bis zum finalen Gewaltausbruch ist nämlich ein WEG, der da beschritten wird, mit vielen Entscheidungen. Ein bisschen Selbstreflexion und ein gesundes "In Frage stellen" von religiösen Inhalten vorher könnte helfen, es nicht so weit kommen zu lassen. Aber das ist natürlich innere Arbeit. Die ist schwer. Um im Bild des Straßenschlägers zu bleiben: jemanden zusammenschlagen ist einfacher und macht auch einfach mehr Spaß!

Zurück zur Religionskritik:
Ich bin froh und sehr dankbar, dass wir hier in Europa nicht mehr im finsteren Mittelalter leben. Glaube ja - aber in Freiheit und Liebe!
Nicht in Knechtschaft und Unterdrückung!

Und eine Demokratie braucht auch Menschen, die sich für sie einsetzen. Sonst läuft sie Gefahr auseinander zu brechen.
Punkt!

Um meinen Beitrag zum Schluss abzurunden: die Zusammenhänge um die Ursachen von Terrorismus sind komplex. In meinem Artikel geht es mir um einen religiösen Aspekt. Wenn man das Gesamtphänomen behandeln und verstehen möchte, gehören der politische Hintergrund (z.B. die amerikanische Interventionspolitik im Nahen Osten) und soziologische Aspekte (z.B. das "Stammesdenken" in Afrika) mit berücksichtigt. Das hätte meinen Beitrag überfordert. 

Unsere westliche Zivilisation hat sich in geschichtlicher Perspektive absolut nicht mit Ruhm bekleckert. Im Blick auf die gesamte Menschheitsgeschichte ist unser finsteres Mittelalter mit den ganzen Kriegen auf unserem Kontinent, aber auch der Überziehung mit Krieg und Ausbeutung der anderen Kontinente, erst ganz kurz vorbei. Ich habe eine Zeitlang gedacht, wir Europäer hätten aus dieser Geschichte gelernt! Im Moment sorge ich mich, dass die aktuellen politischen Entwicklungen wie z.B. die geplante Nato-Aufrüstung (dabei sind wir Russland schon mehrfach überlegen und wir sind doch angeblich ein "Verteidigungsbündniss"!) uns in das finstere Mittelalter zurückfallen lassen. Ich hoffe inständig, dass ich mich irre ... 

Wir Menschen im westlichen Kulturkreis sollten aber wachsam sein, dass unsere Politiker und Eliten uns nicht in einen neuen Krieg treiben! Ich empfinde es so, dass viele Menschen in Arabien und Afrika von ihren Lebenseinstellungen her (z.B. die Diskriminierung gegenüber Frauen und Nichtmuslimen oder die brutalen Strafen wie Steinigen, Lebendverbrennungen etc.) mental im Mittelalter leben. 

Aber es gibt im Westen keinen Grund zur Überheblichkeit! Auch unsere zivilisatorische Entwicklung ist nur eine "dünne Tünche" über dem "Mensch-Tier". Es macht mir Angst, wenn diese Tünche bricht ... 
Mit den besten Wünschen für alle - Euer Ralf Kellmereit  

Wer sich für weitere Gedanken zu diesem Thema interessiert, dem empfehle ich mein You Tube Video "Freiheit, Liebe und das Universum!"
Link zum Video: https://youtu.be/_TjtirlVDa8

und mein Video: "Das Wesen der Schöpfung und unsere verlorenen Herzen!"
Link zum Video: https://youtu.be/GCUlghrvdyA