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Gründeransichten - Mit großer Idee und perfektem Timing durchstarten

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START UP BUSINESS
Thomas Barwick via Getty Images
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Deutsche Gründerzentren übertreffen sich gegenseitig mit attraktiven Angeboten, der Start-Up-Markt wächst weiter und Gründer schauen positiv in die Zukunft. Vor die Wahl gestellt, würde jeder dritte Gründer aus Deutschland jedoch lieber in den USA durchstarten, als im eigenen Land. Das belegt eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom.

Ich durfte mit zwei Glücklichen sprechen, die von der amerikanischen Start-Up-Kultur profitierten: David Hitz, Gründer von NetApp und Dave Wright, Gründer von SolidFire. Um mit der Zeit zu gehen, übernahm NetApp den Flash-Storage-Hardware-Anbieter SolidFire im letzten Jahr für 870 Millionen Dollar.

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Dave Hit, Gründer von NetApp

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Dave Wright, Gründer von SolidFire

Sie sind beide Mitbegründer von Unternehmen, die sich vom Start-Up zum erfolgreichen Unternehmen entwickelt haben. War diese Entwicklung vorhersehbar oder hat sie der eigene Erfolg überrascht?

Dave Wright: Ich wusste, dass ich die passende Lösung zur richtigen Zeit auf den Markt bringe. Dabei kamen mir die Erfahrungen, die ich bei Rackspace (Anm. d. Red: Rackspace ist ein Hostinganbieter, der sich auf die Bereitstellung von Managed-Cloud-Diensten fokussiert.) gesammelt habe, zugute. Mir war schnell klar, dass sich die Cloud-Technologie in den Rechenzentren durchsetzen würde. Gleichzeitig war ich mir der Limitierungen der traditionellen Speichertechnologie bewusst - sie waren nicht für Backup in die Cloud ausgelegt. Mein Ziel war es, eine Technologie zu entwickeln, die den Übergang in die Cloud beschleunigt. Und das habe ich getan.

David Hitz: Unsere Ausgangssituation war eine andere. Wir begannen Anfang der 90er Jahre, bedienten mit unseren Speicherlösungen einen Nischenmarkt. Bergauf ging es erst mit den Anfängen des Internets - aufstrebende Serviceprovider setzten auf uns. Ein Markt, den wir nicht annähernd im Auge hatten. Den Dotcom-Crash überlebten wir nur dank eines Vorstoßes, für den unser damaliger CEO anfangs noch belächelt wurde. So bohrten wir neben dem Internet auch andere Branchen auf - und sicherten so unsere Existenz. Dass wir heute hier sind, haben wir also einer Verkettung von Glück und den richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu verdanken.

Herr Hitz, da sie ihre Anfänge ansprechen: Trotz des Standings als Global Player wird ihrem Unternehmen noch immer ein Start-Up Spirit nachgesagt. Zu Recht?

David Hitz: Natürlich finden sich in unserer Unternehmenskultur auch jetzt noch einige Aspekte des „Start-Up" Spirits, wie sie es nennen. Andererseits gibt es viele Dinge, die sich ein erwachsenes Unternehmen einfach nicht leisten darf. Man kann als Global Player beispielsweise keine so ausgeprägte Fehlerkultur praktizieren, wie das in Start-Ups der Fall ist. Hier gilt es, die Grenze auszuloten.

Die deutsche Gründerszene strebt nach Innovation. Viele junge Gründer sehnen sich nach Erfolg. Welche Ratschläge können Sie ihnen geben?

Dave Wright: Das wichtigste ist, mit Leib und Seele dabei zu sein. Jedes Start-Up erlebt gute Zeiten. Aber auch die schlechten lassen meist nicht lange auf sich warten. Begeisterung für die eigene Sache hilft am Ball zu bleiben. Darüber hinaus ist es gerade für Start-Ups enorm wichtig, andere von sich und der eigenen Idee zu überzeugen. Sprüht man vor Leidenschaft, erleichtert es diese Bemühungen ungemein.

David Hitz: Probieren Sie sich aus, seien Sie experimentierfreudig. Der große Durchbruch gelingt nicht immer mit der ersten Idee. Sind Sie gescheitert, schlagen Sie einen neuen Weg ein. Ich zum Beispiel habe eine Menge Dinge angepackt, die nicht so liefen wie geplant. Schließlich hat es aber geklappt. Dave Wright kann sicher ähnliches berichten. Er schmiss die Schule, durchlief viele Positionen in unterschiedlichen Unternehmen - dann erst hatte er die zündende Idee.

Rückschläge bringen Gründer dazu, noch leidenschaftlicher und experimentierfreudiger an der großen Idee zu arbeiten. Was braucht er noch zum Durchbruch?

Dave Wright: Auch wenn viele Start-Ups ihre Idee für unantastbar halten und gerne mit Konventionen brechen: Finanzierungskonzept und Geschäftsmodell sind die Säulen jeder erfolgreichen Gründung. Entgegen der gängigen Meinung gilt es, hier klare Vorstellungen zu entwickeln: Wer könnte an einer Investition interessiert sein und warum? Warum sollten Kunden gerade dieses Produkt kaufen und sich nicht bei der Konkurrenz bedienen? Wie gestalte ich die Vertriebsstrategie? Das führt uns direkt zum Marketing: Ein tolles Produkt alleine reicht nicht aus. Erfolg wird es nur dann haben, wenn es auch erfolgreich am Markt platziert wird.

Weltweit wird versucht dem Gründerzentrum Silicon Valley nachzueifern. Welche Rahmenbedingungen herrschen in den USA, die anderen Ländern fehlen?

David Hitz: Lassen Sie uns auf die bereits angesprochene Fehlerkultur zurück kommen. Scheitert ein Projekt, weil nicht hart genug für den Erfolg gearbeitet wird, ist das schlecht. Gibt der Gründer sein Bestes und scheitert dennoch, wird er in den USA weiterhin respektiert. Auch von den Investoren.

Dave Wright: In den USA herrscht ein sehr innovationsfreundliches Klima, selbst große Unternehmen sind immer offen gegenüber neuen Technologien. In anderen Regionen ist dies nicht der Fall. Firmen reagieren zögerlich auf neue Lösungen, insbesondere wenn diese aus dem Ausland kommen. Da hat es ein Gobal Player einfacher: Dank der global akzeptierten Marke NetApp stehen nun auch uns alle Märkte offen - ein großer Vorteil.

Ist das der Trend für die Zukunft? Werden alle guten Ideen von den Großen der Branche gekauft?

David Hitz: Natürlich verändert sich der Markt. In den 90er Jahren war die vorherrschende Meinung, dass Investitionen in die IT das Unternehmen voranbringen. Heute sieht es anders aus, CEOs sparen vor allem bei der IT-Infrastruktur. Die IT Branche wird nicht in allen Sparten endlos wachsen, es gilt die Wachstumspotenziale auszumachen. Im Storage-Markt ist das die Flash-Technologie. Mit SolidFire sind wir nun sehr gut für die neueste Generation der Rechenzentren aufgestellt.

Dave Wright: Jedes erfolgreiche Start-Up muss sich irgendwann die Frage stellen, ob es alleine weiter macht oder sich mit einem Partner zusammenschließt. Geht man den Weg alleine, bleiben weniger Ressourcen übrig, um in das Produkt und die dahinter liegende Technologie zu investieren. Zeit und Geld fließen stattdessen in die Positionierung am Markt, in den Ausbau von Vertrieb und Marketing. Uns war das Risiko zu hoch, unser Produkt stagnieren zu sehen und den Anschluss an den Markt zu verlieren. Daher entschlossen wir uns, den Weg gemeinsam mit einem starken Partner zu gehen.

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