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"Daten sind das Öl im digitalen Zeitalter": So sieht die Zukunft der It-Branche aus

19/05/2017 14:34 CEST | Aktualisiert 19/05/2017 14:35 CEST
gilaxia via Getty Images

Internet der Dinge (IoT), Industrie 4.0, Big Data Analytics und Hybrid Cloud stehen heute auf der Agenda, wenn sich Unternehmen digital neue Geschäftsfelder erschließen.

Diese Technologien liefern jedoch nur einen Vorgeschmack auf die Ära der totalen Vernetzung, in die Hermann Gouverneur, Chief Technology Officer bei Atos Deutschland und Gründungsmitglied der Atos Scientific Community, einen Einblick gewährt.

Im Gespräch geht der Technologieexperte darauf ein, wie sich Daten besser nutzen lassen. Zudem erklärt er, wohin sich das IoT entwickelt und was Swarm Computing mit Industrie 4.0 zu tun hat.

Daten sind das Öl im digitalen Zeitalter. Unternehmen schöpfen Quellen ab und veredeln ihren Rohstoff in Echtzeit. Was wird sich daran in Zukunft ändern?

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Eigene Daten zu erheben, zu analysieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, verschafft Unternehmen heute schon enorme Wettbewerbsvorteile. Um sich weiter abzuheben, müssen sie künftig über den eigenen Tellerrand hinausschauen und mit anderen Unternehmen stärker zusammenarbeiten.

Daten verschiedener Geschäftsorganisationen miteinander zu verbinden - darin liegt ein enormes, aktuell noch ungenutztes Potenzial. Unternehmensübergreifende Datenplattformen über Partnernetzwerke und Lieferketten hinweg - und mit dem Kunden im Zentrum - ermöglichen eine rechtzeitige und ganzheitliche Einbeziehung der relevanten Daten bei der strategischen Unternehmensausrichtung und -planung.

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Dieses Vorgehen versetzt Organisationen in die Lage, Produkte und Services schneller als der Wettbewerb an veränderliche Anforderungen der Kunden wie auch an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Branchenweite Datenplattformen werden bereits im Jahr 2020 eine wichtige Rolle spielen.

Die relevanten Daten haben einen unschätzbaren Wert. Die zu analysierenden Datenmengen explodieren jedoch bereits jetzt. Dazu trägt unter anderem das IoT, das Internet der Dinge, bei. Im Jahr 2020 sollen 25 Milliarden vernetzte Geräte über ihre Sensoren Daten erheben und senden. Wie lässt sich diese Datenflut beherrschen?

Das IoT gibt bereits heute den Innovationstakt in vielen Branchen vor. Denken Sie im privaten Umfeld zum Beispiel an Trends wie Smart Home oder an die Gesundheitsvorsorge, die sich durch Wearables verändert, weil diese die Pulsfrequenz und andere Daten zur Auswertung übermitteln.

Damit Unternehmen jedoch künftig intelligente Geschäftsentscheidungen treffen können, ist ein Neuverteilen der Informationen erforderlich. Nur so bleibt das eigene IoT-System autonom, robust und beherrschbar. Vernetzte Geräte müssen nicht nur fähig sein, schnell Daten zu übertragen, sondern auch erkennen, was die anderen Geräte können.

Dabei vereinfachen sogenannte Named Data Networks das Übermitteln und Auffinden der Daten. Der Zugriff auf Inhalt oder Ressourcen erfolgt über einen eindeutigen Namen und nicht über die IP-Adresse, wodurch der Datenzugriff wegen eines besseren Caching schneller erfolgt.

Welche Konsequenzen hat der schnellere Datenabruf?

Im Gegensatz zum aktuell vorherrschenden IP-Ansatz werden Daten dabei als vollgültige Bestandteile des Netzwerks betrachtet. Named Data Networks - so genannte NDNs - wirken sich daher strukturell aus: Dabei werden hierarchische IoT-Netzwerke untereinander wie auch mit ihren Zentralen verbunden, also zu einem Internet der vernetzten Systeme verknüpft. Warum, das passieren wird?

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Um in Echtzeit auf gesammelte Daten und gewonnene Erkenntnisse reagieren zu können, muss die Berechnung von Erkenntnis und Reaktion nahe an den Objekten und damit dezentral erfolgen, weshalb IoT Micro Clouds entstehen.

Das sind autonome Systeme, die sich aus IoT-Anwendungen zusammensetzen. Die Entwicklung gipfelt letztendlich in Schwärmen von teilautonomen IoT-Netzwerken, was wir als Swarm Computing bezeichnen.

Was ist konkret mit Swarm Computing verbunden?

Dieser Ansatz kombiniert Netzwerke und Cloud-Kapazitäten so, dass autonomes und dezentralisiertes Computing entsteht. Zum Beispiel agiert jedes vernetzte und autonome Auto zunächst unabhängig, aber es interagiert auch mit vernetzten Objekten um sich herum.

Laufen diese Daten in einem Informations- und Kontrollzentrum zusammen, kann dies dazu beitragen, den Verkehrsfluss zu verbessern und die Sicherheit zu erhöhen. Schwärme sind temporäre Infrastrukturen, die einen spezifischen Bedarf bedienen - und das sofort.

Auf das zielt doch Industrie 4.0 ab, oder?

Genau. Die Echtzeit-Fabrik mit Losgröße eins rückt näher. Sensordaten aus der Nutzung wie auch der Fertigung werden über Hochleistungsberechnung in der Cloud neue Erkenntnisse erzeugen, die dann wiederum automatisiert Produktions- wie Geschäftsentscheidungen veranlassen.

Diese neue Dimension wird Teil der nächsten industriellen Revolution sein.

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