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Digitalisierung am Arbeitsplatz - Fluch oder Segen?

29/07/2017 18:20 CEST | Aktualisiert 29/07/2017 18:21 CEST
Lucy Nicholson / Reuters

Neue Technologien verändern heute die Arbeitswelt rasant. Ganze Büros erscheinen wie leergefegt, weil Mitarbeiter im Home Office oder von unterwegs aus arbeiten und Routineaufgaben zunehmend automatisiert von Computern erledigt werden.

Diese Entwicklung geht an Unternehmen natürlich nicht spurlos vorbei: So haben Angestellte einerseits Angst von Robotern ersetzt zu werden, während das Management andererseits mit einem Mangel an qualifizierten Kräften, die den neuen technischen Anforderungen gewachsen sind, zu kämpfen hat. Ein Dilemma, dem Unternehmen jedoch mit der richtigen HR-Strategie entgegenwirken können.

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Arbeitsplätze ohne Computertechnologie? Das ist heute kaum noch zu finden. Selbst in handwerklichen Berufen müssen Angestellte oftmals einzelne Arbeitsschritte digital erfassen; kaufmännische Beschäftige setzen täglich diverse verschiedene Computerprogramme ein und arbeiten zunehmend mit Cloud-Diensten. Dabei kommt Technologie im Arbeitsalltag längst nicht mehr nur eine unterstützende Funktion zu - bereits heute übernehmen Computer Aufgaben, für die früher ein oder mehrere Mitarbeiter eingesetzt waren.

Angesichts dieser Entwicklung drängt sich bei vielen Angestellten die Frage auf: Wird es meine Position in Zukunft überhaupt noch geben? Oder tritt irgendwann ein Roboter an meine Stelle? Eine durchaus berechtigte Überlegung. Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, welche Art von Aufgaben Computer übernehmen können: Vorwiegend Routineaufgaben - also Vorgänge, die aus der Wiederholung der gleichen Arbeitsschritte bestehen.

Für strategische oder kreative Tätigkeiten benötigen Unternehmen jedoch nach wie vor den Intellekt ihrer Mitarbeiter - umso mehr in einer immer komplexer werdenden Arbeitswelt. Die Befürchtung, dass im Zuge der Digitalisierung Arbeitsplätze verloren gehen, ist demzufolge nur die halbe Wahrheit. Vielmehr werden so die Voraussetzungen für neu entstehende Stellenprofile, etwa im Bereich Data Analytics oder Künstliche Intelligenz geschaffen.

Der Mitarbeiter von morgen - ein Allrounder?

„Für Unternehmen bedeutet diese Entwicklung natürlich, dass sie in Zukunft gut ausgebildetes und technisch qualifiziertes Personal rekrutieren müssen, das sich schnell in neue Systeme und Lösungen einarbeiten kann", erklärt Susanne Denker, Geschäftsführerin der Worldline Germany GmbH, einem Spezialisten für Zahlungsverkehrs- und Transaktionsdienstleistungen.

Zudem spielen auch Fähigkeiten wie Eigenverantwortlichkeit und Kommunikationsfähigkeit in sozialen Netzen eine immer wichtigere Rolle. Denn mit der Digitalisierung geht nicht nur ein Wandel der Arbeitsmittel, sondern auch der Arbeitsplatzkultur einher. So wird etwa der fest installierte Computer im Büro immer mehr zum Auslaufmodell.

Stattdessen können Mitarbeiter dank Cloud-Services ihren Arbeitsort zunehmend selbst bestimmen und Aufgaben via Notebook, Smartphone oder Tablet zeitlich flexibel erledigen. Auch Präsenztermine lassen sich einfach über Videokonferenz-Tools virtuell abwickeln. Teams müssen so nicht mehr zwingend lokal zusammenarbeiten - vielmehr geht der Trend zu länderübergreifenden Teamstrukturen, für die Mitarbeiter zudem verhandlungssichere Englischkenntnisse vorweisen müssen.

„Millennials" sind gut ausgebildet - aber rar

Die gute Nachricht für Unternehmen: Die sogenannten „Millennials" starten jetzt nach und nach ins Berufsleben. Sie sind mit digitaler Kommunikation aufgewachsen, mehrheitlich gut ausgebildet und bringen daher genau die Fähigkeiten und Kompetenzen mit, die Arbeitgeber in Zeiten der digitalen Transformation benötigen.

Dem gegenüber steht jedoch eine bedenklich gegenläufige Bewegung: Die demographische Entwicklung in Deutschland mit rückgängigen Geburtenzahlen. In Kombination mit der rasant fortschreitenden Digitalisierung, die einen enormen Bedarf an qualifizierten IT-Kräften schafft, kommt es so zunehmend zu einem ernsten Fachkräftemangel im Technik-Bereich.

Das bestätigen auch die Angaben des Brancheverbandes Bitkom , nach denen derzeit bundesweit rund 51.000 Stellen für IT-Spezialisten offen sind. Das entspricht einem Anstieg um fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Unternehmen müssen sich in Zukunft also als möglichst attraktive Arbeitgeber positionieren, um im Kampf um die besten Köpfe zu bestehen und den Geschäftserfolg langfristig zu sichern. Doch auf was legen Nachwuchskräfte Wert?

Laut der Studie „Bewerbungspraxis 2015" des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) an der Otto Friedrich Universität Bamberg, ist den Berufseinsteigern von heute vor allem ein gutes Arbeitsklima (94,3 Prozent), flexible Arbeitszeitmodelle (85,9 Prozent), gute Karrieremöglichkeiten (84,5 Prozent), Weiterbildung und Wissensaustausch (83,7 Prozent) sowie die Work-Life-Balance (81,7 Prozent) wichtig.

Das Gehalt hingegen spielt nur für die Hälfte der Studienteilnehmer eine ausschlaggebende Rolle. Doch welche Maßnahmen können Unternehmen ergreifen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden?

Unternehmen lassen sich bereits heutzutage einiges einfallen, um ein ausgewogenes Betriebsklima zu schaffen. „Wellbeing@Worldline" heißt zum Beispiel das Programm bei der Firma Worldline. Das „Wohlfühlprogramm" beinhaltet Maßnahmen zur Gesundheitsprävention und gemeinsame Sportaktivitäten.

„So möchten wir ein Arbeitsklima schaffen, das junge Talente anzieht", erklärt Denker von der Firma Worldline. „Wichtig ist uns aber auch, unseren langjährigen Mitarbeitern Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung zu bieten, um sie bestmöglich bei der digitalen Transformation zu begleiten. Das ist bisher sehr gut angekommen."

Motivation macht leistungsfähig

Die digitale Transformation stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Computer übernehmen zunehmend lästige Routineaufgaben. Gleichzeitig entstehen dadurch jedoch auch neue Stellenprofile - für die es im Moment nicht genügend qualifizierte Kräfte gibt.

Um den Geschäftserfolg dennoch langfristig zu sichern, müssen Unternehmen heute daher einerseits in die bestehende Belegschaft investieren und sie mit passenden Weiterbildungsmaßnahmen bestmöglich auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten. So können sie ihren Mitarbeitern auch gleichzeitig die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes nehmen.

Zudem sollten sie sich andererseits als zukunftsorientierte Arbeitgeber positionieren, die ihren Mitarbeitern eine ausgeglichene Work-Life-Balance bieten, um Nachwuchskräfte anzulocken. Beides geht natürlich Hand in Hand und nicht zuletzt gilt: Attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen, hilft nicht nur dabei fähige Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Zufriedene Angestellte sind auch motivierter und gewillter, mehr im Job zu leisten als von ihnen verlangt wird .

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