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Digitale Transformation: Die Herausforderung unserer Zeit

21/11/2015 14:38 CET | Aktualisiert 21/11/2016 11:12 CET
Wavebreakmedia Ltd via Getty Images

Derzeit wird stark um die Akzeptanz von Cloud-Lösungen und neuen Technologien geworben. Mit großer Beteiligung des Bundeskabinetts diskutieren Politik, Wirtschaft und Wissenschaft beispielsweise auf dem IT-Gipfel Auswirkungen und Lösungen für den Standort Deutschland und seine Unternehmen.

Laut digitaler Agenda der Bundesregierung planen derzeit mehr als die Hälfte der deutschen Industrieunternehmen digitale Produkt- oder Prozess-Innovationen auf der Basis von Informations- und Kommunikationstechnologien.

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Fritz & Macziol, eines der größten IT-Häuser in Deutschland, ist im digitalen Wandel einerseits als Berater tätig und steckt andererseits gerade selbst im Transformationsprozess. Dazu habe ich mit Geschäftsführer Oliver Schallhorn gesprochen.

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Herr Schallhorn, was bedeutet eigentlich aus Unternehmenssicht der Begriff digitale Transformation, von dem man derzeit überall liest?

Die Transformation ist tatsächlich überall im Gange und für Unternehmen und ihre IT-Abteilungen die bisher größte Herausforderung. Wie groß der Umbruch wirklich ist, sieht man gerade im IT-Markt, wo insbesondere traditionelle Infrastruktur-Anbieter und handelsorientierte Hardware- und Software-Häuser unter Druck geraten.

In den nächsten Jahren wird es zu großer Bewegung kommen - voraussichtlich mit mehr Verlierern als Gewinnern. Cloud Computing treibt mit seinen technischen Möglichkeiten diese Veränderungen maßgeblich voran.

Davon profitieren junge, agile Unternehmen viel eher als alteingesessene Organisationen mit gewachsenen, heterogenen IT-Landschaften. Vieles von dem, was die IT heute für ein Unternehmen leisten kann, gab es zwar früher schon, doch so schwierig und kostspielig, dass es kaum jemand umsetzen konnte.

Durch die neuen Technologien wie Cloud, Mobility und Social Media bieten sich neue Chancen für alle Unternehmen. Und wer es schafft, dies am schnellsten für sich zu nutzen, hat die Nase vorn.

Wie sieht das bei Ihnen in der Firma in der Praxis aus?

Die Umstellung, also die Transformation in den Köpfen der Mitarbeiter, ist die schwierigste und teuerste Position in unserem Transformationsplan.

Der Aufbau eines neuen Lösungsgeschäfts dauert Jahre und kostet viel Geld. Wenn man neue Technologien und Cloud-Betriebsmodelle anbieten will, müssen die Incentive-Modelle und Trainingsangebote die neuen Anforderungen abbilden und gleichzeitig das traditionelle Business sichern.

Die Umstellung auf Cloud-Modelle zieht auch Veränderungen der Finanzflüsse mit sich. Denn der Trend geht weg von großen Einzelaufträgen hin zu Abo-Modellen. Diesen Paradigmenwechsel muss jeder Mitarbeiter verstehen und mittragen.

Das ist eine sehr komplexe Managementaufgabe mit nachhaltiger Wirkung, die man zusätzlich zum Tagesgeschäft vorantreiben muss.

Welchen Rat können Sie anderen Unternehmen geben, die diesen Weg noch vor sich haben?

Ein Patentrezept gibt es leider nicht. Jedes Unternehmen hat andere Chancen und Risiken. Aus unserer Sicht braucht man für die Transformation eine detailliert geplante und durchdachte Vorgehensweise.

Und die technisch passende Aufstellung, um die Anforderungen des Kunden heute, aber vor allen Dingen morgen zu bewältigen. Es ist entscheidend, die Firmenstrukturen tiefgreifend anzupassen und dann jeden einzelnen Mitarbeiter einzubeziehen und davon zu begeistern.

Gerade im gehobenen deutschen Mittelstand finden sich viele so genannte "Hidden Champions", also Weltmarktführer in ihrem speziellen Bereich. Warum ist es gerade für diese so wichtig, die digitale Transformation schnell in Angriff zu nehmen?

Natürlich sind die Herausforderungen in Bezug auf die Digitalisierung, neue Betriebsmodelle oder im Bereich Internet of Things sehr groß.

Die Analysten von Gartner sagen voraus, dass bis 2017 mehr als 20 Prozent der jetzt führenden Unternehmen ihre Marktführerschaft an ein Unternehmen verlieren werden, das nach dem Jahr 2000 gegründet wurde.

Agilität und Geschwindigkeit sind entscheidend für den Erfolg, um auch in Zukunft im harten Wettbewerb zu bestehen. So wie beim Handel ein digitaler „Riese" wie Amazon mit neuen Geschäftsmodellen aus dem Nichts entstanden ist, werden wir in vielen Bereichen neue Konkurrenten sehen.

Und was tun die deutschen Firmen dafür, nicht abgehängt zu werden?

Viele mittelständische Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und geben bei den Zukunftsthemen richtig Gas. Das heißt aber auch, dass sie die Anforderungen an ihre Partner jetzt immer schneller neu formulieren.

Zudem wandelt sich die Rolle der IT, sie bildet das Rückgrat aller kritischen Prozesse und ist zugleich der „Enabler" für neue Chancen, also für moderne Geschäftsmodelle.

Daher muss der IT-Leiter die digitale Transformation des Unternehmens steuern, damit die Fachbereiche nicht am Ende das Heft in die Hand nehmen und wieder ein Wildwuchs entsteht. Die IT-Abteilungen haben die Aufgabe neue Wege aufzuzeigen, flexible und transparente Betriebsmodelle anzubieten und Abläufe im Unternehmen zu digitalisieren.

Nur so lassen sich letztendlich der Innovationsprozess und die Produktivität im Unternehmen langfristig antreiben.

Video: Digitale Welten: Nach diesem Video werden Sie den IKEA-Katalog mit ganz anderen Augen sehen

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