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Das Beste aus beiden Wolken

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Immer mehr Akteure in der deutschen Wirtschaft setzen auf die Hybrid Cloud und nutzen damit die Vorzüge aus Private und Public Clouds. Dieser hybride Ansatz erlaubt es Unternehmen, von den Vorteilen der Skalierbarkeit und Kosteneffizienz einer Public Cloud zu profitieren, ohne geschäftskritische Daten und Anwendungen in die Hände von Drittanbietern zu geben.

Früher waren es oft Sicherheitsbedenken die Firmen beim Thema Cloud zögern ließen; die Konsequenz war, verstärkt hybride Clouds zu betreiben. Auf was Kunden heutzutage bei der Einführung einer Hybrid Cloud achten müssen, darüber habe ich mit Horst Thieme, Manager Cloud Business Development EMEA bei NetApp gesprochen.

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Diverse Studien bescheinigen dem Hybrid-Cloud-Modell beste Zukunftschancen. Man bekommt den Eindruck, Unternehmen bleibt gar nichts anderes übrig, als auf diese Art IT-Ressourcen zu nutzen. Ist der Hype berechtigt?

Es ist heute definitiv so: Wer einen effizienten IT-Betrieb realisieren muss, kommt kaum um eine Cloud-Nutzung herum. Moderne Konzepte für hybride Clouds sind deswegen besonders interessant, weil sie ein wichtiges Element einer flexiblen und agilen IT-Landschaft sind. Die hybride Cloud vereint die Sicherheit der Private Cloud mit der Kosteneffizienz und Skalierbarkeit der Public Cloud-Dienste. Das bedeutet, dass sich Ressourcen innerhalb kürzester Zeit bedarfsgerecht aufstocken lassen, wodurch die IT an Geschwindigkeit und Effizienz gewinnt. Die IT-Abteilungen in den Firmen bekommen so mehr für ihr Geld.

Das Geld geben Unternehmen einem Provider, der ihnen alles aus einer Hand bietet, weil sie so weniger Stress haben. Richtig?

Nein. Zum einen kann kein einzelner Anbieter oder Service-Provider die ultimative Hybrid Cloud-Lösung liefern - und ebenso wenig möchte man sich in IT-Abteilungen auf eine Lösung aus einer einzigen Quelle verlassen und von ihr abhängig sein. Aus diesem Grund ist eines der Hauptziele bei Hybrid Clouds die Portabilität, um bei veränderten Anforderungen und Gegebenheiten von einem Provider zu einem anderen wechseln zu können.

Auf welche Punkte sollten Unternehmen besonders achten, wenn sie sich Angebote für den Einstieg ins hybride Cloud-Computing ansehen?

Das wichtigste Kriterium bei der Auswahl von Hybrid-Cloud-Lösungen ist - um die erwähnte Portabilität zu erreichen - die Integration von Technologien unterschiedlicher Anbieter. Warum? Jeder Cloud Service-Anbieter arbeitet noch mit eigenen Plattformen, Protokollen und Technologien, die einen weiteren Managementaufwand darstellen. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Anbieter die Daten auf eine bestimmte Weise speichert, die nicht nur von der Methode eines anderen Anbieters abweicht, sondern auch von jener im unternehmenseigenen Rechenzentrum.

Genauso ins Gewicht fallen das Management und die Steuerung der Daten zwischen Private Cloud und Public Cloud sowie die Kontrolle über das Datenwachstum und die damit verbundenen Kosten. Unternehmen wollen natürlich Datensicherheit und müssen zudem jederzeit wissen, wo der Cloud-Provider die eigenen Daten speichert und wer genau auf die Daten zugreifen darf.

Eine Studie von IDG Research Service stellt folgendes fest: Bei 60 Prozent der Wirtschaftsakteure lagern die Daten außerhalb der Cloud. Woran liegt es, dass viele Firmen sich nach wie vor ausschließlich auf „Server im Keller" zur Sicherung ihrer Daten verlassen?

In der Praxis bestehen die IT-Umgebungen in den meisten Unternehmen noch aus verschiedenen älteren Systemen, ausgelagerten Services sowie Private und Public Clouds, die nicht auf gegenseitige Kompatibilität ausgelegt sind. IT-Abteilungen arbeiten also mit unterschiedlichen Kombinationen aus Infrastruktur-, Rechen- und Speicher-Ressourcen in der Cloud und vor Ort im Rechenzentrum. Daten in dieser Ressourcenmischung zu speichern und zu verwalten ist schwierig, aber gleichzeitig enorm wichtig. Sie können die Rechenleistung oder Applikationen auslagern, aber sobald Sie Daten generieren, haben Sie das Problem, diese auch kontrollieren zu müssen. Dabei ist es eine Sache, sie im eigenen Rechenzentrum zu kontrollieren, aber eine ganz andere, dies in unterschiedlichsten Umgebungen tun zu müssen.

Wie schafft man es denn, wieder Herr über all seine Daten zu werden?

Daten haben nur dann einen Wert, wenn sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort vorhanden sind. Deshalb ist es von grundlegender Bedeutung, dass sich Daten über unterschiedliche Cloud-Umgebungen hinweg verwalten und je nach Bedarf hin- und herschieben lassen. Dabei ist es auch ganz wichtig, für skalierbare und flexible Konsistenz zu sorgen.

Praktisch funktioniert das mit einer zentralen Managementoberfläche, über die IT-Administratoren mithilfe von Richtlinien-Engines die Service Level Objectives für die Datenverfügbarkeit und Datensicherung in der Hybrid Cloud durchsetzen können. Dank einer einzelnen Kontrollebene zur Überwachung und Steuerung des Datenflusses in der Cloud können IT-Abteilungen jederzeit über ihre Daten bestimmen - unabhängig von deren Speicherort.

Was kann sich im Geschäft einer Firma ändern, wenn sie ihre IT über eine einzige Konsole managt?

Für ein reibungsloses Datenmanagement braucht man noch ein einheitliches Datenformat, einen effizienten Datentransfer und verschiedene Datensicherungsoptionen für die Integration in die Hybrid Cloud. Ist das gegeben, können Anwender wesentlich schneller auf Kundenanforderungen reagieren. Zum Beispiel indem sie die IT-Zyklen von der Entwicklung und den Tests bis zur Produktion beschleunigen. Neue Applikationen lassen sich in der Public Cloud schnell als Prototypen testen und anschließend auf die Plattformen verschieben, welche die beste Performance und Sicherheit bieten.

Bestehende Applikationen können in die Cloud oder zurück migriert werden. Ebenso lassen sich die Applikationsdaten nach Bedarf reibungslos zwischen den Cloud-Plattformen verschieben. Und wer seine kundenbezogenen Daten beispielsweise unkompliziert auf eine Cloud-Plattform in Deutschland verschieben kann, schafft damit eine wichtige Voraussetzung, um neue Datenschutzanforderungen flexibel erfüllen zu können.

Sie spielen auf „Privacy Shield" an?

Das Abkommen soll ja auf das im vergangenen Oktober gekippte „Safe Harbor" folgen, um den Datenaustausch zwischen der EU und den USA zu regeln. Der zeitliche Horizont und der Ausgang für eine einvernehmliche und dauerhafte Regelung sind derzeit noch offen. Denn hier geht es um nichts Geringeres, als den Versuch, grundverschiedene Ansätze zum Datenschutz zwischen den USA und Europa zu überbrücken. Für IT-Verantwortliche bedeutet das: Sie müssen die Sicherheit und Verfügbarkeit der im Unternehmen benötigten operativen Daten gewährleisten und gleichzeitig ausreichend flexibel bleiben, um künftige Entscheidungen zum Datenaustausch mit den USA oder andere Datenschutzverordnungen umzusetzen. Wenn ihnen das gelingt, dann haben sie die volle Selbstbestimmung über die Daten in der Hybrid Cloud.

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