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#Collaborative HR - Human Relations von allen für alle

04/09/2015 13:17 CEST | Aktualisiert 04/09/2016 11:12 CEST

Zukunft Digital HR - leider zu kurz gesprungen

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Digital HR - Wird der Personaler zum technologiegetriebenen Sinnsucher?

Ich freue mich, dass „meine Herzensangelegenheit" Digital HR vom Markt sowie in Blogparaden aufgenommen wird. Aktuell knüpft die Zukunft Personal an „unser" Thema an und fragt bei ihrer Parade:

Müssen Personaler zu Experimentier-Agents

für #arbeitenviernull werden?

Das Thema gewinnt an Fahrt. Das ist notwendig und gut. Weniger gut ist die leider viel zu enge Sichtweise des Themas. Daher hier die Klarstellung:

Wenn Digital HR

nur die Digitalisierung existierender HR-Prozesse darstellt,

dann wird der Erfolg beschränkt und

die Enttäuschung groß sein!

In der Schule würden wir sagen: Thema verfehlt. Warum? Es reicht nicht, existierende HR-Prozesse durch Software zu automatisieren, um damit ein Quäntchen mehr Effizienzsteigerung zu erzielen. Die digitale Transformation ist nicht technologiegetrieben, sondern - und damit bin ich wieder bei meinem letzten Artikel - zunächst und vor allem eine Frage der Unternehmensstruktur und -kultur. Und zwar der Kommenden.

Der amerikanische Zukunftsforscher John Naisbitt drückt es treffend aus: "The most exciting breakthroughs of the twenty-first century will not occur because of technology, but because of an expanding concept of what it means to be human."

Kultur, warum verfolgt mich dieses Kuschelthema so hartnäckig?

Es geht um Stringenz, nicht um Effizienz. Wir müssen das Richtige konsequent leben und nicht das Falsche konsequent tun. Fein, und jetzt? Wer weiterdenkt, landet bei einer Kulturvision, die eine Arbeitswelt mit radikaler Eigenverantwortung, Demokratisierung und Auflösung von Strukturen propagiert.

Diese „extremen" Modelle sind insofern hilfreich, weil sie die Richtung notwendiger Veränderungen deutlich machen. Nach wie vor eine gute Inspiration ist das Buch „Reinventing Organizations" von Frederic Laloux.

Aber man muss ja irgendwo anfangen. Gehen wir davon aus, dass Sie nach wie vor Geld verdienen möchten, das Gewinnstreben Ihres Unternehmens also nicht dem Gedanken an eine Spielwiese kuschelnder Y-Zler weichen wird. Dann bleibt als Ausgangspunkt der digitalen Transformation das (zukünftige) Businessmodell Ihres Unternehmens, die (digitale) Geschäftsstrategie. Und es folgt die Frage, wie sie diese in Zeiten von Komplexität und Globalität umsetzen.

Wenn der neue Fünfjahresplan lautet: „Das was ich mir vorgenommen habe, wird nicht eintreffen." - wie gehe ich dann mit den resultierenden neuen Anforderungen an Prozesse und Menschen um? Wie komme ich dahin, meine Zielweite anzupassen, auch wenn ich schon abgesprungen bin?

Agilität ist das Zauberwort! Aber Agilität ist kein Mantra, kein Selbstzweck. Agilität verfolgt konkrete Ziele (besserer Service, schnellere Produktentwicklung, mehr Flexibilität und Kreativität ...). Diese Ziele müssen von jedem definiert werden, denn sie sind unternehmensspezifisch.

Kleinster gemeinsamer Nenner: Agilität ist die Verbesserung der Ad-hoc Anpassungsfähigkeit der Organisation. Daraus resultieren notwendigerweise neue Strukturen. Und: Eine neue kollaborative Kultur, die ebenso die Anforderungen der Gen Y und Z (Mobile Work, Work-Life Blending, Sinn im Job vs. Money) adaptiert wie die Forderungen externer Anspruchsgruppen (z.B. Transparenz).

Agilität öffnet das Unternehmen - nach innen und außen. Diese Offenheit ist Voraussetzung für die neue kollaborative Zusammenarbeit, die alles betrifft: den Umgang miteinander, Führung, Kommunikation... Man stelle es sich vor wie bei den Musketieren: Einer für alle ... und so weiter.

HR - alle für einen, einer für alle

Ständig begegne ich der Frage nach der Rolle von HR vor dem Hintergrund der digitalen Transformation. Diese Frage wird sinnvoll, wenn die Verantwortung für HR verortet ist. Vor dem Hintergrund der neuen, agilen Unternehmenskulturen und -strukturen machen „alle Alles".

So verlagern sich zwangsläufig viele HR-Aufgaben zu den Mitarbeitern und Führungskräften (in neuer Rolle). Diese müssen befähigt werden. Sie brauchen HR-Kompetenz. Was sie nicht brauchen, sind vorgefertigte HR-Prozesse und Leistungspakete. Aus ehemals transaktionalem Personalmanagement wird nun ein kollaboratives Personalmanagement, welches sich auf das gesamte Mitarbeiternetzwerk verteilt.

Damit wird HR als „Abteilung" nicht obsolet, sondern fokussiert sich auf den Transfer von HR-Kompetenz und weniger auf den Transfer von HR-Produkten und Prozessen. Damit bekommt HR eine Inkubations- sowie Transformationsrolle in Bezug auf die Gestaltung einer neuen Unternehmenskultur und -struktur. Und dies als dauerhafte Aufgabe und nicht als „Einmalbefähigung". HR wird zum „Facilitator" der unternehmensweiten, agilen Zusammenarbeit und Keimzelle aller kollaborativen Prozesse.

Culture first! Technologie ja, aber die richtige: Collaborative HR

Sie haben ein Projekt gestartet zur Einführung einer unternehmensweiten Collaboration-Lösung (z.B. Yammer oder Jive)? Stoppen Sie es - das brauchen Sie nicht. Damit schaffen Sie nur eine (weitere?) Kommunikationsinsel innerhalb des Unternehmens. Ohne Bezug zum Business und den Geschäftsprozessen. Sozusagen die einsame Insel ohne Bewohner.

Aber es geht doch um kollaboratives Personalmanagement? Richtig! Die Prozesse werden kollaborativ. Sie brauchen Software, die (Personal-) prozesse flexibel in Netzwerkstrukturen abbilden kann. Dies beinhaltet auch Collaboration-Techniken. Damit ist aber nicht ein Xing-Button in der Anwendung gemeint.

Wir brauchen also keine „kollaborativen" Inseln,

sondern kollaborative HR-Systeme,

die einen gemeinsamen Ort schaffen,

an dem HR, Führungskräfte und Mitarbeiter sich vernetzen.

Einen Ort, an dem alle Facetten der HR-Arbeit, der Führungsarbeit und der Mitgestaltung im Unternehmen gebündelt werden.

Und was machen Sie mit Ihrer klassischen, transaktionsorientierten Personalmanagementsoftware? Dort, wo die Prozesse keiner großen Änderungsdynamik unterliegen, schadet sie nicht - bringt ja ein wenig Effizienz. Nur die Zukunft von HR gestalten Sie damit nicht.

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