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Türkische Wahlkämpfer in Deutschland? Einladen!

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ERDOGAN FANS
Umit Bektas / Reuters
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Finden Sie es auch langsam ermüdend, wie reaktiv die deutsche Bundesregierung mit den Anstürmen türkischer Wahlkämpfer umgeht? Darüber soll hier aber nicht weiter geklagt werden... hier ist die proaktive Variante:

Die Grundannahme: Die Türkei plant eine immerhin noch demokratische Volksabstimmung. Sie möchte den 1,4 Mio. in Deutschland lebenden Wahlberechtigten ihre Wahlentscheidung erleichtern durch Wahlkampfauftritte politischer Vertreter.

Deutschland ist ein demokratisches Land. Es unterstützt grundsätzlich demokratische Prozesse in anderen Ländern, v.a. dort wo demokratische Verhältnisse in der Entstehung begriffen sind oder wo sie am Wanken sind. Deutschland hat gerade für solche Nationen eine Vorbildfunktion und sollte sie nutzen, um die gesellschaftlichen Verhältnisse zu prägen.

Das Vorgehen: Stellen Sie sich vor, der deutsche Staat versteht sich als demokratischer Gastgeber. Gastgeber definieren normalerweise den Rahmen, die Strukturen und v.a. den Geist, in dem die Zusammenkunft stattfindet.

Die deutsche Bundesregierung mietet für ein Wochenende eine große, gut ausgestattete Veranstaltungshalle (also eine Location mit ausreichend Parkplätzen und mit gewährleistetem Brandschutz). Sie stellt diese Halle den Vertretern türkischer Parteien zur Verfügung und übernimmt bis zu einem gewissen, mit den türkischen Vertretern ausgehandelten Maß die Moderation der Veranstaltung.

Sie garantiert, dass alle wesentlichen Parteien und Meinungen in einem verhältnismäßig ausreichenden Zeitrahmen zu Wort kommen. Als Höhepunkt findet eine Podiumsdiskussion der Spitzenvertreter ganz wie im deutschen Wahlkampf statt. Deutsche Medien stellen sicher, dass die Live-Berichterstattung jeden türkischen Haushalt in Deutschland erreicht.

Das Bundesinnenministerium konstruiert gemeinsam mit den türkischen Vereinen in Deutschland und mit der türkischen Regierung ein Sicherheitskonzept für das Wochenende. Es findet eine friedliche und ausgewogene Veranstaltung statt. Und weil es so erfreulich lief, wiederholt man das gleiche Konzept noch im Norden, Osten, Süden und Westen des Landes.

Die Folgen: Türkische Wähler werden in Deutschland nach demokratischen Regeln über den Wahlkampf in ihrer Heimat informiert. Deutschland wird als unterstützender, demokratischer Gastgeber wahrgenommen, der mit seinem proaktiven Handeln beeindruckt.

Türkische Politiker dringen nicht mehr ungeplant und unerwünscht in deutsche Säle ein. Und es gibt keine verdruckste Verteidigung bundesdeutschen Territoriums mit eher peinlichen Begründungen mehr. Das wär doch was!

Und... ach ja: Wenn die türkische Regierung auf diese konstruktive und wohlmeinende Einladung nicht eingeht, dann sollen ihre Vertreter bitteschön in ihrem eigenen Land Wahlkampf halten. Moderne Medien ermöglichen ohnehin die Verbreitung bis in den letzten deutschen Winkel.

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