Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Rainer Runzer Headshot

Warum Donald Trump ein schlechter Kämpfer ist

Veröffentlicht: Aktualisiert:
OUT OF TOUCH BUSINESS LEADERS
Shutterstock
Drucken

Nun ist es amtlich: Donald Trump sticht all seine parteiinternen Gegenkandidaten aus und wird Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Was viele - auch in den eigenen Reihen - noch bis zum Schluss der Vorwahlen zu verhindern hofften, hat sich bestätigt. Hillary Clintons Kandidatur liegt zwar noch nicht in trockenen Tüchern, scheint aber dennoch höchstwahrscheinlich. Clinton gegen Trump - die US-Wahlen sind der Kampf des Jahres.

Der Kampf um den Sieg

Aber kämpfen die beiden wirklich um den Sieg? Natürlich kämpfen die, mögen Sie nun sagen. Wenn Sie sich Trump aber mal genauer ansehen, vor allem in seinen Interviews, scheint mir offensichtlich zu sein: Der hat längst aufgehört, zu kämpfen. Damit meine ich nicht, dass er die Wahlen im November nicht gewinnen will. Ganz im Gegenteil, natürlich will er das - vermutlich sogar mehr als alle anderen Kandidaten. Aber im Gegensatz zu Clinton und auch Sanders, hat er aufgehört zu kämpfen. Er macht den Wahl-„Kampf" jetzt zu einer riesigen Party - seiner Party.

Sie können über ihn und seine Politik denken, was Sie möchten, aber er hüpft beinahe von Wahlkreis zu Wahlkreis, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Clinton hingegen kämpft noch richtig für den Sieg.

Ob das nun heißt, dass Clinton gewinnen wird? Mitnichten. Der ständige Kampf macht es lediglich wahrscheinlicher, dass sie im Laufe des Wahlkampfs ausbrennt, weil sie mit jeder Veranstaltung Energie verliert. Und verbissen wirkt sie nach außen obendrein.

Der Kampf ums Überleben

Der große Unterschied zwischen Trump und Clinton ist, dass sie noch unterhalb ihrer Überlebenslinie kämpft. Sie hat noch nicht das erreicht, was sie für absolut notwendig hält, um die Wahlen gewinnen zu können. Trump hingegen ist über diesen Punkt schon weit hinaus. Er ist sich seiner selbst so sicher, dass er nicht mehr ums Überleben kämpft, sondern den restlichen Weg bis zu den Wahlen begeistert und beschwingt gehen kann.

Überleben - warum Überleben? Nun ja, die Überlebenslinie ist der Punkt auf dem Weg zu einem Ziel, an den eine Person unbedingt kommen muss, um das Ziel überhaupt erreichen zu können. So wie es für Menschen zum Überleben absolut notwendig ist, zu atmen, zu trinken und zu essen (und es dann wieder auszuscheiden), sich gegen Wärme und Kälte zu schützen und zu schlafen. Es ist unumgänglich, absolut notwendig. Es ist die Pflicht. Alles, was danach bzw. obendrauf kommt, ist bloße Zugabe.

Das Gegenteil von Kampf ist Party

Wenn Sie sich nun Clinton und Trump ansehen, wird das ganz deutlich: Wer glaubt, noch weit unterhalb der Überlebenslinie zu sein, der kämpft und kämpft und stößt dabei Adrenalin aus, weil er denkt, er würde sein Ziel nie erreichen. Wie anstrengend! So wirkt Clinton.

Wer sich aber bewusst macht, dass die Überlebenslinie meist banal niedrig hängt, der überwindet sie viel schneller und befindet sich danach in einem energiegeladenen Zustand der Begeisterung und Freude. Der schüttet Dopamin aus und hat dadurch Zugang zu seiner Kreativität und neuen Ideen, der gewinnt aus seinen Tätigkeiten Energie, anstatt sich im Kampf auszupowern. Oder anders: Der schmeißt auf dem Weg zum Ziel eine fette Party - wie Trump.

Was müssen Sie wirklich?

Sie müssen aber nicht mitten im amerikanischen Wahlkampf stecken, damit das Prinzip der Überlebenslinie für Sie gilt. Es gilt für das ganze Leben, ganz gleich, was Ihre Ziele sind. Sie wollen einen dicken Auftrag an Land ziehen? Sie wollen Rechtsanwalt werden? Sie wollen einen Marathon laufen?

Dann fragen Sie sich zuallererst: Was ist absolut notwendig, damit Sie das Ziel erreichen können? Und nein, Sie müssen dafür nicht die härteste Verhandlung Ihres Lebens führen oder die besten Noten im Jurastudium haben oder in jedem Training Ihre persönliche Bestzeit schlagen. Sie müssen lediglich in Kontakt mit dem potenziellen Kunden treten, zum Jurastudium zugelassen werden und laufen können. Wenn Sie diese Grundvoraussetzungen erfüllen, können Sie den restlichen Weg zu Ihrem Ziel voller Leichtigkeit und Begeisterung gehen - weil Sie aufgehört haben, verbissen zu kämpfen.

Oder kurz: Alles, was unterhalb der Überlebenslinie liegt, ist Müssen. Alles, was danach kommt, ist Können. Und genau da liegt die Freude auf dem Weg zum Erfolg.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: