Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Rainer Runzer Headshot

»Schatz, wie sehe ich aus?« - Warum Zufriedenheit depressiv macht

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WOMAN WORRIED LOOKING OVER SHOULDER
Yuri_Arcurs via Getty Images
Drucken

»Es ist doch super, wenn ich zufrieden bin! Wie können Sie sagen, das sei keine gute Sache?«

Meine Klientin empört sich geradezu, als ich ihr sage, dass Zufriedenheit nichts anderes als eine mittelmäßige Depression ist. Schließlich ist es ja gerade richtig in, nach diesem Zustand zu streben.

Die Medien quellen nur so über vor Ratgebern, wie Sie das erreichen können. »Erfolgsgeschichten« von Personen, die es schon geschafft haben, oder - mein persönlicher Favorit - Tests, wie zufrieden Sie sind. Als wäre es erstrebenswert.

Aber auch wenn ich mich damit völlig gegen die allgemeingültige Meinung stelle, bleibe ich dabei: Zufriedenheit ist nichts Tolles. Zufriedenheit ist das erste Zeichen, dass es steil bergab geht, dass Sie Ihr Leben nicht nach Ihren Wünschen gestalten. Dass Sie viel mehr wollen, als das, was Sie haben, aber aufgehört haben, danach zu streben. Wahnsinnig schade!

Eine bessere Idee im Kopf

Wie ich zu dieser Behauptung komme?

Nehmen Sie doch einmal folgendes Beispiel: Die Dame Ihres Herzens steht zwei Stunden lang im Bad und macht sich für die anstehende Hochzeitsfeier von engen Freunden schön. Als sie rauskommt, fragt sie: »Schatz, wie sehe ich aus?« Und Sie antworten: »Bin ganz zufrieden.«

Da braucht es keinen Hellseher, um zu wissen: Die Hochzeit ist gelaufen!

Denn Zufriedenheit bedeutet, dass Sie eine Idee im Kopf haben, wie es noch besser sein könnte. Sie geben sich aber mit der aktuellen Situation ab. Oder wie es im Volksmund so bezeichnend heißt: Sie geben sich zufrieden. Eben.

Der weite Weg zum wirklichen Glück

Ja, Zufriedenheit bedeutet nichts anderes, als dass Sie knapp über der Überlebenslinie sind. Sie müssen nicht mehr kämpfen, aber der Weg zum wirklichen Glück ist noch weit. Sie bleiben aber stehen.

Jetzt bleibt nur die Frage, warum sich der Mensch mit weniger abgibt, als er tatsächlich haben möchte.

Die Antwort: Seine Annahmen halten ihn vom großen Glück ab. Annahmen wie:
»Das kann ich niemals erreichen!«
»Was denken denn die Leute, wenn ich das mache?«
»Wen interessiert denn schon, was ein kleines Würstchen wie ich zu sagen hat?«

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Mit einer solchen Geisteshaltung haben Sie innerlich schon resigniert, weil Sie es sich gar nicht zutrauen, dass Sie es schaffen können - und geben sich eben mit dem zufrieden, was Sie schon erreicht haben.

Mehr als zufrieden

Wenn Sie sich das nächste Mal also sagen hören, sie seien zufrieden, dann machen Sie sich Gedanken. Darüber, was Sie wirklich wollen - und vor allem darüber, welche Gedanken Sie davon abhalten. Und dann holen Sie es sich!

Wenn Sie dann jemand fragt, wie es Ihnen geht, können Sie getrost antworten: »Großartig!«

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.