Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Rainer Runzer Headshot

Wie weibliche Führungskräfte sich nicht zum Arsch machen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
EXCITED OFFICE
Alliance via Getty Images
Drucken

Wenn Frauen im Job was erreichen wollen - dann müssen sie doppelt so hart sein wie Männer! Echte Tiere! Eiskalt und super tough. Die Gefühle bleiben zu Hause. Die Kinder parken sie in der Ganztageskrippe - mit extralangen Öffnungszeiten, damit sie den Überstunden nicht im Weg stehen, versteht sich!

Richtig?
Falsch.

Ein weiblicher Arsch ist doppelt so groß

In der Vergangenheit hatte ich selbst schon mehrmals weibliche Vorgesetzte. Auch sie handelten zum Teil nach dem Prinzip "Frauen müssen in Führungspositionen noch härter auftreten als Männer". Aber einen Riesenarsch als Chef braucht die Arbeiterwelt doch schon nicht - und eine Frau, die versucht, ein doppelt so großes Arschloch zu sein, dann erst recht nicht. Warum also meinen alle, dass Frauen in Spitzenjobs so harte Betonklötze sein müssten?

Die Antwort ist einfach: Wir Menschen haben immer Bilder im Kopf. Und das meine ich jetzt nicht im Sinne von Sido, sondern ganz praktisch. Alles, was Sie tagtäglich erleben, übersetzt Ihr Gehirn in Bilder. Die sind die Referenzpunkte, anhand derer Sie die Welt verstehen. Nehmen Sie ein Beispiel: Wer immer nur Kaviar isst, hat keine Ahnung, wie ein Steak schmeckt. Ihm fehlt das Bild dazu.

Anstatt sich in der Arbeitswelt also am Kaviar-Bild der Business-Männer zu orientieren, sollten Frauen lieber ihr eigenes Steak grillen. Oder anders gesagt: Akzeptieren Sie den Unterschied und leben Sie ihn auch. Frauen sind anders - Gott sei Dank!

Mit voller Weiblichkeit auf der Straße

Natürlich kann ich das nicht zu sehr verallgemeinern: Es gibt auch Männer, die auf Gefühle und Zwischenmenschliches achten, und umgekehrt Frauen, die es sich abtrainiert oder nie gemacht haben. Worum es mir geht, ist, dass Frauen zu sich und ihrer Weiblichkeit stehen. Dann können sie ihre ganze Kraft und Energie auch auf die Straße bringen.

Denken Sie nur an Christina Lagarde, die Geschäftsführerin des Internationalen Währungsfonds. Sie lacht immer! Ihre Erscheinung ist super freundlich und sympathisch - und das in der harten Männer-Finanzwelt! Und genau deswegen wirkt sie wie eine tolle Powerfrau und niemand stellt sie in ihrer Rolle infrage. Würde sie sich wie Frau Merkel in kantige Hosenanzüge zwängen, sähe das nur verkrampft aus. Sie würde nicht mehr strahlen, sondern mit sich kämpfen.

Strahlen Sie authentisch

Deswegen empfehle ich jeder Frau, es wie Christine Lagarde zu halten: Bleiben Sie authentisch! Oder anders: Bringen Sie Ihre Weiblichkeit ruhig nach vorne.

Wenn Frauen versuchen, die "Männerrolle" zu erfüllen, verbiegen sie sich nur. Sie befinden sich dann in einem permanenten Kampf mit sich selbst und verlieren dadurch jede Begeisterung und Leidenschaft für den Job. Die braucht es aber, denn niemand will eine Anwältin, eine Ärztin oder eine Geschäftsführerin, die nur böse guckt und mies drauf ist - das gilt für Frau wie Mann.

Frauen müssen also gar nicht härter sein als Männer, sondern lediglich authentisch. Sie müssen sich als Frau in ihrer Führungsposition toll finden. Dann haben sie Ausstrahlung und gewinnen Energie aus ihrem Job. Und dann werden sie auch erfolgreich, weil sie authentisch strahlen können, anstatt einem anderen Ideal hinterherzuspringen.

Und wenn ein Mensch in seinem Job authentisch strahlt, dann ist er gleich viel sympathischer, hat eine höhere Anziehungskraft und die Zusammenarbeit macht mehr Spaß - kurz: Dann sind Sie bei ihm. Egal, welches Geschlecht er hat. Stimmt's?

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Das will der Chef wirklich wissen, wenn er euch nach euren Hobbys fragt

Lesenswert: