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Nach den Anschlägen: Lauter Einzeltäter und der Elefant im Raum

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ANSBACH
dpa
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Die Trauer kennt keinen Unterschied, ob nun ein IS-Terrorist oder ein unpolitischer Amokläufer einen Massenmord begeht. In München war es ein Massenmord an Kindern und halben Kindern, zu denen der Täter auch zu rechnen ist.

Aber ich hatte das merkwürdige Gefühl, dass man bei aller Trauer und bei allem Entsetzen irgendwie erleichtert war. Erleichtert darüber, dass es keinerlei Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund gibt. Dass es „nur" ein psychisch gestörter Teenager war, mit einer verhängnisvollen Faszination an allem, was mit Amok zu tun hat.

Politik, Polizei und Journalisten waren natürlich schockiert. Aber bilde ich mir das nur ein oder habe ich auch einen Hauch von Aufatmen gespürt. Ich habe mich da auch selber in Verdacht: Gott sei Dank nicht schon wieder einer dieser islamistisch verblendeten Terroristen, obwohl dieser Killer ja auch einen Migrationshintergrund hatte.

So ein Amokläufer ist furchtbar und rätselhaft und keiner weiß, wie man den nächsten stoppen kann. Aber der IS-Terrorismus ist noch eine andere Nummer. Er wirft die heikelsten politischen Fragen unserer Tage auf.

Nicht nur: was tun? Da ist man genauso ratlos wie bei der Suche nach einer Antwort auf das Phänomen der Amokläufer. Nein hinter dem IS-Terror steht die Frage nach dem Umgang mit dem Islam.

Antworten, die Nichtstun legitimieren

Die billigste Formel heißt: Der Terrorismus hat mit dem Islam nichts zu tun. Geschenkt. Die etwas weniger billige ist: Das ist nicht der wahre Islam. Wie wahr. Oder auch nicht. Beides sind Antworten, die Nichtstun legitimieren.

Unbeantwortet bleibt die Frage, die sich nun mal nicht einfach wegwischen lässt: Wieviel Toleranz sollen wir den Moslems in unserem Land entgegenbringen? Natürlich sind sie keine Terroristen. Aber die Terroristen sprießen aus ihrem Religionsumfeld hervor.

Wie energisch müssen wir dieses Feld, in dem eben auch allerlei Unkraut wächst, beackern und bei Bedarf jäten, ohne zu generellen Vorverurteilungen zu kommen? Wegschauen aus einer Art Primitiv-Toleranz - das geht immer weniger.

Wir haben es ja Gott sei Dank nicht nur mit Terrorismus zu tun. Es geht auch eine Nummer kleiner. Wie sollen wir zum Beispiel mit den Jubeltürken umgehen, die sich jetzt mit ihrer Erdogan-Propaganda auf unseren öffentlichen Plätzen breitmachen und ihren kalten Bürgerkrieg aus der alten Heimat zu uns verpflanzen? Wieso lassen wir uns sowas bieten?

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Das ist auch eine schöne Frage: Wieso lassen wir uns überhaupt sowas bieten? Viele Gründe. Bei den Moslems unseres Landes, die sich zu oft wegducken, ist sicher viel kleinbürgerliche Feigheit im Spiel. Eine andere Art von Feigheit beherrscht die Politik, die vor dem „Rechts"-Etikett in Angststarre verfällt wie das Kaninchen vor der Schlage.

Als sei die Verteidigung unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung eine rechte Verfehlung. Und dann ist da auch noch politischer Opportunismus, da man für die nähere Zukunft auf einen grünen Partner als Zünglein an der Wage hofft. Auf einen Partner also, der an seinen politisch überkorrekten Beschönigungsritualen hängt wie ein Junkie an der Nadel.

Deutschland hat schon Angst vor dem Wort Krieg

Und die allergrößte Frage ist: Wie kann man den Krieg führen, den radikale Islamisten der westlichen (und mehr noch ihrer eigenen) Welt erklärt haben. Die Amerikaner führen ihn immerhin mehr schlecht als recht. Wir in Deutschland haben schon Angst vor dem Wort Krieg.

Dabei kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt, um Schillers Tell und Roland Kaiser zu bemühen. Vor 75 Jahren haben das unsere Nachbarn erlebt, als wir der böse Nachbar waren. Keiner von denen wollte Krieg.

Aber am Ende lautete die Antwort auf den bösen deutschen Nachbarn nicht Chamberlain sondern Churchill. Und für mich steht fest, dass die kriegerischen Islamisten die Nazis von heute sind. Dass sie ebenso besessene Judenhasser sind wie der Atheist Hitler, ist eine passende Ironie der Geschichte.

Ja, wenn Terroristen morden, öffnen sie zugleich einen Sack voller unangenehmer politischer Fragen, vor denen wir uns so gerne drücken. Wenn ein Amokläufer um sich schießt, dürfen wir angesichts des Blutbads einfach nur traurig und ratlos sein. Darum täusche ich mich wohl nicht, wenn ich nach München auch einen Hauch von Aufatmen wahrgenommen habe.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.

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