BLOG

Die Medien bekommen keine große Einschaltquote bei gelungener Integration

14/04/2017 13:16 CEST | Aktualisiert 14/04/2017 13:16 CEST
Michaela Rehle / Reuters

Ich wünsche mir, dass die Türkei sich nach Europa orientiert und durch eine sachlich konstruktive Debatte respektvoll mit allen Ländern - ob Deutschland oder Holland - zusammenarbeitet. Für ein vereintes Europa gibt es keine Alternative.

Deutschland ist eines der schönsten und humanistischen Länder dieser Welt. Die Chancen, die dieses wunderbare Land uns allen bietet, haben wir in eigenen Heimatländern nicht. Es ist ein großes Glück hier zu leben.

Ich habe viele Freunde hier und in der Türkei, die das genauso sehen, aber nicht zu Wort kommen. Sieht irgendjemand Rahim Schmidt aus dem Iran nach fast vierzig Jahren leben, arbeiten, Ehrenamt, Einsatz für Menschenrechte und einer gelungenen Integration?

Nein, sie suchen und interessieren sich eher für die lauten Leute mit langem Bart, die in Deutschland den „bösen Geist" vertreiben als für Mediziner. Hier liegt ein Problem. Die Medien bekommen keine große Einschaltquote bei gelungener Integration.

Laut Umfragen wollen immerhin etwa die Hälfte der Menschen beim Referendum in der Türkei mit Nein stimmen und auch sie kommen kaum zu Wort oder werden bei politischen Debatten nicht wahr genommen, geschweige denn, dass sie eine Unterstützung erfahren.

Dass der Präsident Erdogan auf die Stimmen der anderen Parteien angewiesen ist, zeigt doch welch demokratisches Potential in der Türkei vorhanden ist. Es gibt aber Gruppierungen, die Tag und Nacht nur Öl ins Feuer gießen, ohne sich im Klaren zu sein, was sie damit am Ende erreichen wollen.

Welche Lehren haben wir denn in den letzten Jahren aus dem Nahen Osten gezogen? Diplomatie ist keine „nur drauf hauen" oder am meisten „die Zeigefinger zu betätigen", sondern die Kunst einer transkulturellen Kompetenz, wodurch bzw. wonach sich die Möglichkeiten zum gemeinsamen Dialog und Handeln vermehren!

Bei all diesen Entwicklungen und Eskalation sehe ich persönlich nicht die einzelnen Religionsgemeinschaften als schuldig, sondern die deutsche Politik.

Wenn in manchen Moscheen Hass gepredigt wird, so frage ich mich, wer genehmigt so etwas und nach welchen Kriterien? Gibt es eine transparente Evaluierung der Leistungen von solchen Häusern oder gar ein Konzept? Haben wir bis jetzt irgendeinen verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen können, die so etwas genehmigen?

Die Politik trägt die volle Verantwortung und sonst niemand. Mangelte es z.B. Cem Özdemir an analytischem Potential, um rechtzeitig gegen solche Entwicklungen Konzepte zu entwickeln oder zu thematisieren? Sind aus seiner Sicht diese Entwicklungen zufällig?

Ich konnte als Landtagsabgeordneter nach wiederholtem Versuch keinen Termin bei ihm erhalten, damit wir uns über diese Themen austauschen. Ich habe dann als Abgeordneter einen offenen Brief an den Bundestag geschrieben, wiederholt an Cem Özdemir, ohne Chance.

Die Türkei war und ist seit Jahrzehnten ein zuverlässiger Partner Europas und wie Herr von Günter Verheugen (SPD) sagte, macht die Türkei die Drecksarbeit für den Westen in einer hoch explosiven Region. Auch wenn u.a. die heutige Religiösierung der Politik in der Türkei als logische Folge von Atatürk beschrieben wird, so ist es anzumerken, dass alle Zeiten ihre Besonderheiten und Herausforderungen haben.

Die Türkei kann sein Gestaltungspotential stärken, wenn die Integration durch Bildung gelingt und wenn die Menschen hier und jetzt aus ihren Ressourcen das Beste machen anstatt ihr Leben von der Religion dominieren zu lassen. Das hilft allen und beugt der Diskriminierung hier in Deutschland vor.

In einer komplexen Welt wie heute kann nur eine Mannschaft die Herausforderungen bewältigen und das ist das Parlament und der Rechtsstaat. Dazu gehört Meinungsvielfalt und Freiheit als kollektive Ressource einen Landes. Ebenso unabhängige Justiz und Medien sowie ein fairer transparenter Prozess.

Die Fortsetzung und Förderung einer säkularen Politik in der Türkei dient nicht nur als präventive Strategie für die Menschen in der Region, sondern auch als Toleranz gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen. Wenn man die gesellschaftlichen Missstände bekämpfen möchte, so ist der beste Weg aus der Erfahrung heraus, eine transparente solidarische Sozialpolitik.

www.rahim-schmidt.de

www.facebook.com/pages/Dr-Dr-Rahim-Schmidt/868642083151299

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

Sponsored by Trentino