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"Was tun, wenn's mal wieder knallt?" - Umgang mit Konflikten

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Du kennst es: Immer wieder gibt es Momente in Beziehungen - egal ob privat oder beruflich - in denen es irgendwie knirscht oder brodelt. Aber woher kommt der Sand im Getriebe der Beziehungsmaschine und was können wir tun, damit die Zahnräder wieder einwandfrei ineinander greifen?

Harte These: Im Grunde startet jeder Konflikt in dir selbst

Menschen sind unterschiedlich und deshalb treten in jeder Beziehung früher oder später Konflikte auf? Na gut, klar, es gibt unterschiedliche Wahrnehmungen der Wirklichkeit. Aber so einfach wollen wir uns nicht zufrieden geben.

Denn ganz eigentlich entstehen Konflikte immer in uns selbst. Nämlich dann, wenn Dinge anders kommen, als wir sie gerne hätten. Wenn Erwartung und Wirklichkeit auseinanderdriften. Wie stark diese Diskrepanz ausgeprägt ist und wie du damit umgehst, hängt - wie so oft - mehr von deinem Charakter, als vom Verhalten deines Gegenübers ab.

Konflikte werden größer, wenn sie nicht gelöst werden

  1. Wenn du ENTHUSIAST bist, stressen dich vor allem Langeweile, Meckerkultur, Bedenkenträger und Routine. Du magst es gar nicht, wenn dir dein Freiraum genommen wird oder du zu viele Probleme wälzen musst, egal ob im Beruf oder im Privaten.

    Und weil Konflikte in die Negativ-Schublade gehören, versuchst du auch die tunlichst zu vermeiden. Statt dich wie gewohnt abzulenken, Sätze wie „Ach komm, passt schon!" von dir zu geben oder zu fliehen, könntest du dir Zeit nehmen und deinem Gegenüber deine Beobachtungen schildern.

    Wie genau hast du die konfliktauslösende Situation wahrgenommen? Was hat dir daran nicht gepasst? Wie hättest du es dir stattdessen gewünscht? Eine zielführende Streitkultur vertieft Verbindungen. Warum man das anstreben sollte?

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    Weil es erwiesen ist, dass bedeutsame Beziehungen zu mehr Lebenszufriedenheit und Produktivität - also Erfolg - führen. Nach Regen kommt wieder Sonnenschein... und der ist dann umso schöner.

  2. Du bist ein HERAUSFORDERER? Dann ist Wut dein „go-to-Gefühl". Wenn Menschen dich unfair behandeln, du dich machtlos fühlst, Personen lügen oder Dinge vorgaukeln, die nicht stimmen, bist du sofort auf der Palme. Auch Rumheulen ohne Grund, Langsamkeit, Machtmissbrauch und Dienst nach Vorschrift sind für dich Öl im Feuer des Konfliktes. Ganz ruhig, Brauner.

    Statt wie gewohnt direkt und hart zu kommunizieren oder auszurasten, könntest du deinem Gegenüber erst einmal ein bisschen Aufmerksamkeit schenken und ihm genau zuhören. In der Ruhe liegt die Kraft. Und außerdem funktioniert Kriegsführung auch viel besser, wenn man alle notwendigen Informationen hat.

    Du wirst sehen: Lässt du den anderen zuerst (und ohne Unterbrechungen) zu Wort kommen, lösen sich viele Unterstellungen in Luft auf. 90% deiner Kämpfe müssen gar nicht ausgefochten werden. Du siehst einfach zu schnell einen Feind im anderen. Geh erst einmal davon aus, dass keine bösen Absichten im Spiel sind!

  3. Als HELFERHERZ scheust du Konflikte um jeden Preis. Bevor du in Ungnade fällst oder eine Verbindung gefährdest, nimmst du dich lieber brav zurück. Aber das ist auf Dauer natürlich auch nicht gut, denn wo bleibst du dann langfristig in der Beziehung?

    Statt wie gewohnt klein beizugeben oder deinem Gegenüber seinen Wunsch zu erfüllen, könntest du mal allen Mut zusammennehmen und deine Bedürfnisse offenlegen!

    Bereite dich vor, indem du deine Gedanken aufschreibst, bitte darum, ausreden zu dürfen und äußere Sätze wie "Ich habe mich ... gefühlt.", „Ich mochte die Situation nicht, weil..." und "Für die Zukunft wünsche ich mir...!"

    Du wirst sehen: Auf diese Weise kannst du deine innerlich geführten Beziehungskonten wieder ein bisschen mehr in Balance bringen. Das wird dir Kraft und Selbstbewusstsein geben.

  4. Als PERFEKTIONIST liebst du die 100 % und hast von allen irgendwie immer den höchsten Anspruch. Damit ist quasi vorprogrammiert, dass deine Erwartungen von deinem Umfeld nicht erfüllt werden.

    Dich stresst es, wenn deine Kollegen zu viele Fehler machen oder ungenau arbeiten, wenn deine Freunde sich nicht an Vereinbarungen und Versprechen halten oder sich moralisch inkorrekt verhalten. Deine Reaktion? Das wird dir jetzt nicht gefallen, weil du dich eigentlich in Beherrschung übst und deinen Ärger nicht zeigen willst.

    Mehr zum Thema: Studie zeigt, wie sich Frauen und Männer nach einem Streit versöhnen

    Aber glaube mir, dein Umfeld kennt ihn, deinen erhobenen Zeigefinger. Du wirst ernst, deine Sprache normativer und deine Stirn legt sich in Falten. Man sieht dir den Frust über das Fehlverhalten anderer einfach an. Nicht gerade förderlich für die Beziehung.

    Statt wie gewöhnlich mit Groll nach Hause zu gehen, könntest du in die offene Kommunikation eintreten.

    Schildere deine Beobachtungen und Gefühle, indem du deinem Gegenüber erzählst, was die Situation in dir ausgelöst hat. Gib ihm nicht das Gefühl, dass du ihn beschuldigst, sondern sprich in „Ich-Botschaften". Es macht den anderen kompromissbereiter, wenn er nicht belehrt wird. Außerdem: Je früher du Feedback gibst, desto weniger Platz findet der Zorn in dir. Vertraue darauf, dass Beziehungen gestaltet werden können und lerne loszulassen und zu verzeihen.

Was denn nun? Der Klügere gibt nach oder f*** it?

Sagen wir, du hast den ersten Schritt gemacht, deinem Gegenüber die Möglichkeit geboten, sich in dich hineinzuversetzen und vor allem auch umgekehrt. Der andere verhält sich immer noch wie ein Idiot? Gut, wenn von „love it, change it or leave it" die ersten beiden nicht funktionieren, dann ist es manchmal vielleicht die beste Strategie, das Feld zu räumen.

Trotzdem lohnt es sich für all die wunderbaren Menschen und Beziehungsmöglichkeiten da draußen, deine Konfliktfähigkeit zu entwickeln, selbst wenn der Weg zum inneren „Zen" noch ein weiter ist.

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