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Ein Vater ist kein Babysitter oder Helfer - er ist ein Elternteil

08/01/2016 15:29 CET | Aktualisiert 08/01/2017 11:12 CET

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Ich muss mal eben etwas loswerden. Ein recht großes "etwas". Also bitte entschuldigt meinen kleinen Wutausbruch.

Wisst ihr, was schön wäre? Es wäre schön, in einer Welt zu leben, in der Männer nicht auf ein Podest gestellt werden, weil sie dabei helfen, sich um die Kinder zu kümmern. Es wäre schön, in einer Welt zu leben, in der sich Männer um ihre Kinder kümmern und das nicht als besonders außergewöhnlich gesehen wird.

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Ich verstehe schon. Unsere Gesellschaft ist noch auf dem Weg zur Gleichberechtigung der Geschlechter. Wir kämpfen noch immer dafür, dass Frauen am Arbeitsplatz dieselben Rechte haben wie Männer, denn ja, es gibt Frauen, die nicht nur Babys haben, sondern auch Karriere machen wollen.

Wir arbeiten noch daran. Traditionell waren Männer diejenigen, die das Geld verdient haben und die Frauen waren die fürsorglichen, die sich um Haushalt und Familie kümmerten. Das hieß auch: Männer "halfen" nicht mit den Kindern. Das ist also "neu" für uns.

Aber ich habe das Gefühl, dass wir vielleicht schon etwas weiter sein sollten als wir es sind.

Mein Mann und ich sind sehr glücklich verheiratet. Aber während den Hauptarbeitszeiten - 6 bis 17.30 Uhr - teilen wir uns unsere Elternpflichten so auf, als wären wir alleine. Am Wochenende und abends sind wir als Familie zusammen, aber unter der Woche tagsüber haben wir Schichtdienst.

Ich übernehme die Morgenschicht. Ich mache Frühstück, bereite Brotzeiten vor, achte darauf, dass sich alle Kinder die Zähne putzen und sich anständig anziehen, bringe sie zur Schule, gehe mit den drei Kindern, die noch nicht in der Schule sind, wieder nach Hause, passe auf, dass die Zwillinge nicht in den Matsch oder die Toilette fallen, bespaße das Baby, lese ihnen etwas vor und lasse sie ihren Mittagsschlaf machen.

Um 12.30 Uhr übernimmt mein Mann, während die Kinder schlafen. Er tobt mit ihnen und schickt sie raus zum Spielen und lädt ihre Freunde zum Spielen zu uns nach Hause ein, so dass 12 oder 13 Kinder im Haus sind (Ich hatte gerade eine leichte Panikattacke) und kümmert sich darum, dass sie ihre Hausaufgaben erledigen.

Er weiß genau, in welches Heft welche Aufgaben kommen, unterschreibt Zettel, die die Kinder aus der Schule mitbringen und kümmert sich darum, dass ihre Brotzeitboxen alle in der Spüle landen und für morgen wieder sauber sind.

Er füttert das Baby und wechselt Windeln und kümmert sich darum, dass sie ihre Spielsachen vor dem Abendessen aufräumen und das Haus einigermaßen sauber und aufgeräumt ist und dann kocht er Abendessen.

Obwohl ich dankbar bin für alles, was er tut, ist es nichts besonderes. Das nennt man Eltern sein.

Die Menschen sind geschockt, dass wir das so machen. "Es muss schön sein, einen Mann zu haben, der so viel hilft," sagen sie.

Nunja, ich war nicht die einzige, die beschlossen hat, sechs Kinder zu haben. Ich habe das auch nicht alleine gemacht. So sieht es aus. Und ja, verdammt, er hilft, damit ich auch arbeiten kann.

Was mein Mann verstanden hat (und vielleicht ist es das, was ihn außergewöhnlich macht, denn so viele scheinen das nicht verstanden zu haben) ist, dass ich durch meine Arbeit eine bessere Mutter bin. Das geht nicht jeder Frau so. Und das ist in Ordnung. Aber für mich ist es so. Er versteht das und er ist froh, dass er mir helfen kann, meine Karriere zu verfolgen.

Aber wenn er auf die Kinder aufpasst, damit ich mich in meinem Zimmer einsperren und ein paar Texte schreiben kann, die vielleicht, vielleicht aber auch nicht einige Leben verändern, dann ist das kein Babysitten.

Wenn ich einmal im Monat abends ausgehe und mich mit meinen Freunden aus dem Buchclub treffe, um fünf Minuten über ein Buch und anschließend drei Stunden über die Neuigkeiten in unseren Leben zu sprechen und er währenddessen auf die Kinder aufpasst, dann ist das KEIN BABYSITTEN.

Wenn er beschließt, dass er ein Huhn im Ofen machen oder ein bisschen angestauten Papierkram abarbeiten will oder wenn er sich ein paar Stunden um das Baby kümmert, damit ich ein bisschen Schlaf bekomme, dann "hilft" er nicht nur ein bisschen. Dann ist er EIN VATER.

Freunde und Babysitter und Vollzeit-Nannys: Hilfe. Papas: Eltern.

Ich bin froh, dass wir das klären konnten.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf Crash Test Parents. Folgt Rachel auf Twitter, Facebook und Instagram.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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