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Wie soll ich meinen Töchtern beibringen, ihren Körper zu lieben, wenn ich meinen eigenen hasse?

30/11/2017 12:57 CET | Aktualisiert 30/11/2017 13:01 CET
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Ich kann meinen Körper nach der Schwangerschaft nicht akzeptieren. Ich kann es einfach nicht.

So, jetzt ist es raus.

Wir leben in einer Zeit, in der die Emanzipation der Frauen allgegenwärtig ist. Es gibt eine Vielzahl von Artikeln und Blogs darüber, wie schön der weibliche Körper ist (vor allem nach der Schwangerschaft) - doch ich kämpfe damit, meinen Körper nach zwei Kindern zu akzeptieren.

Ich lese die Worte all der starken Frauen, die ihren Hüftspeck, ihre hängenden Brüste und ihre Fettpölsterchen lieben, weil all dazu gehört, wenn man Kinder bekommt. In der Theorie kann ich das absolut nachvollziehen und gebe ihnen zu 100 Prozent Recht.

Ich möchte mich wirklich genauso fühlen. Aber wenn ich ehrlich bin, ist genau das Gegenteil der Fall.

Andere Leute sehen mich nicht nackt und verletzlich

Ich habe zwei wunderbare kleine Menschen geboren. Doch es hatte verheerende Auswirkungen auf meinen Körper. Ich bin sehr klein, nur knapp 1,55 Meter. Mein ganzes Leben lang war ich fit und in Form. Sogar während beider Schwangerschaften habe ich trainiert. Aber wenn du so klein bist, sieht ein Extrapfund aus wie fünf und fühlt sich an wie zehn.

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Jetzt, im reifen Alter von 40 Jahren und zwei Kinder später, fühle ich mich nicht einmal mehr, als wäre ich in meinem eigenen Körper. Ich schaue in den Spiegel und könnte weinen.

Manchmal tue ich das auch. Ich fühle mich unwohl in meiner eigenen Haut. Meine einst straffen Brüste sind jetzt "weich", wie meine 9-Jährige immer sagt. Ich habe Fettpölsterchen an der Taille und ein Bäuchchen wird zum grausamen Standard, nachdem man Babys in seinem Körper beherbergt hat.

Mit meinem Po und meinen Oberschenkeln fange ich erst gar nicht an. Wenn es eine Stelle gibt, die wackeln kann, dann wackelt sie auch.

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"Du siehst großartig aus", sagen die anderen zu mir. Oder: "Du bist zierlich" Und ich weiß, sie meinen es aufrichtig, aber ich fühle es nicht. Diese Leute sehen mich in einem anderen Licht. Sie sehen mich nicht nackt und verletzlich.

Meine größte Sorge dabei sind meine Töchter

Mein Mann sagt mir regelmäßig, dass ich hübsch, sexy und wunderschön bin. Ich fühle nichts davon. Kein bisschen.

Alle Komplimente der Welt schmälern meine ausgiebigen Wutanfälle beim Anziehen nicht. Ihr wisst, wovon ich rede. Die Momente, in denen einfach NICHTS passt.

Du reißt dir ein T-Shirt nach dem anderen herunter und wirfst sie voller Wut durch dein Schlafzimmer. Du ziehst dir Spanx für dein Meeting am Montag an, damit dein Bauch nicht über den Bund der Hose quillt, in der du dich eh schon wie eine Presswurst fühlst.

Du starrst in deinen Kleiderschrank und hoffst, dass etwas auftaucht, worin du dich hübsch fühlst. Aber du bist in der seltsamen Phase, in der die Zeit für Schwangerschaftskleidung vorbei ist, du dich aber in deiner normalen Kleidung nicht wohl fühlst.

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Und meine größte Sorge bei alldem ist: Ich habe zwei kleine Mädchen, die mich bei jedem Schritt beobachten. Sie hören alles. Selbst wenn ich denke, dass sie in ihre iPads und die unerträglichen Videos vertieft sind, in denen kleine Mädchen Spielzeug auspacken.

Meine ältere Tochter fragt mich vor kurzem: "Mama, warum hast du gesagt, dass deine Arme fett sind und du sie hasst?" Innerlich schreie ich, zur Hälfte scherzend: "Hast du sie dir mal angeschaut?" Aber alles, was ich denken kann, ist: "Verdammt, ich muss das in den Griff kriegen. Sie bekommen das mit."

Ich stecke in einem Dilemma fest

Meinen Töchtern ein positives Körperbild zu vermitteln, ist meine Aufgabe. Es ist eine große Verantwortung. Meine Drittklässlerin kommt schon nach Hause und erzählt von Gleichaltrigen, die sagen, dass sie fett sind. Wenn ich das höre, will ich mich übergeben.

Ich stecke fest in diesem Dilemma. Ich hasse meinen eigene Körper und muss meinen Töchtern beibringen, sich selbst zu lieben und ihren Körper zu akzeptieren. Das ist eine schwierige Situation.

Und alles, woran ich denken kann, ist: Warum kann ich nicht mehr wie diese Frauen sein, die wunderbare Stücke darüber schreiben, wie sie ihre Unperfektheiten lieben? Warum kann ich nicht einfach sagen "Scheiß egal" und mich nicht darum kümmern, ob meine Jeans zu eng ist, obwohl ich stundenlang mit dem Kinderwagen joggen war und jede Kalorie gezählt habe?

An Selbstbewusstsein mangelt es mir nicht. Manche nennen mich "Feuerwerk". Ich hab mehr Mut als die Meisten. Aber ich kann meinen Körper nach den Schwangerschaften einfach nicht akzeptieren. Und das macht mich fertig.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei der HuffPost US und wurde von Johanna Gill aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)

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