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10 Anzeichen, dass du andere mobbst, ohne es zu wissen

18/11/2017 15:48 CET | Aktualisiert 18/11/2017 15:49 CET
kieferpix via Getty Images

Wenn du selbst ein Opfer von Mobbing bist, kannst du dir wahrscheinlich nur schwer vorstellen, dass der Täter gar nicht weiß, was er mit seinem Verhalten anrichtet.

Nach Aussage von Linda James, der Vorsitzenden der Wohltätigkeitsorganisation "Bullies Out", ist "Mobbing zwar eine Form von Aggression, die jedoch sowohl offensichtlich als auch unterschwellig betrieben werden kann."

Mobbing kann aus persönlicher Unsicherheit, Stress oder früheren Erfahrungen heraus entstehen. Und deshalb kann es passieren, dass Mobber sich gar nicht darüber im Klaren sind, wie sehr sie anderen mit ihrem Verhalten schaden.

"Es kann sehr hilfreich sein, uns zu überlegen, wovon unsere eigenen Verhaltensweisen angetrieben werden. Denn so verstehen wir uns selbst besser und können uns leichter motivieren. Außerdem beeinflusst unser eigenes Verhalten ja auch die Beziehungen zu unseren Freunden und Kollegen", so James im Gespräch mit der HuffPost UK.

"An einem gewissen Punkt in seinem Leben muss jeder von uns sich mit negativen Emotionen auseinandersetzen und es ist sehr wichtig, dass wir lernen, mit diesen Gefühlen richtig umzugehen und sie zu verarbeiten.

Negative Gefühle können sich verstärken und die meisten Menschen umgeben sich nur ungern mit Personen, die die Stimmung innerhalb einer Gruppe herunterziehen."

In diesem Artikel wollen wir dir zehn mögliche Anzeichen aufzeigen, die darauf hindeuten könnten, dass du selbst andere mobbst. Außerdem geben wir dir Tipps, wie du deine Einstellung und dein Verhalten verändern kannst.

Daran erkennst du, dass du andere mobbst:

Martin Burrow, Berater bei der britischen Beziehungsberatungsorganisation Relate, ist der Meinung, dass es ein Zeichen von Mobbing sein kann, wenn du im Umgang mit anderen Menschen immer "alle oder fast alle Entscheidungen triffst". Dies kann sowohl im Freundeskreis als auch mit Kollegen passieren.

Bei diesen Entscheidungen geht es oft um ganz banale Themen, zum Beispiel wo ihr abends hingehen sollt oder was ihr dort unternehmen wollt. Doch insgesamt summieren sich alle diese kleinen Entscheidungen.

"Es kann natürlich sein, dass dein Gegenüber dir gern die Führung überlässt. Wenn du der Person jedoch nicht einmal die Möglichkeit gibst, sich in die Planung mit einzubringen oder wenn du ihre Vorschläge sofort abschmetterst, dann stimmt etwas nicht", sagte Burrow der HuffPost UK.

Er fuhr fort, dass es ein weiteres "Zeichen von Respektlosigkeit" sein könnte, wenn du anderen ins Wort fällst, sie nicht ausreden lässt oder wenn du schon darüber nachdenkst, was du als nächstes sagen sollst, anstatt der Person zuzuhören, die gerade spricht. 

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"Manche Menschen müssen einfach nur lernen, ein bisschen besser zuzuhören. Wenn du dich jedoch dabei ertappst, dass du immer wieder versuchst, Gespräche zu dominieren, solltest du dich vielleicht zukünftig etwas mehr zurücknehmen", so Burrow.

Wenn du bemerkst, dass du häufig auf Konfrontationskurs gehst, sollte dir das ebenfalls zu denken geben. "Du solltest darauf achten, ob du oft Streit beginnst, weil du dir dadurch wichtig vorkommst oder weil dir Schweigen unangenehm ist und du einfach irgendetwas sagen willst", fügt Burrow hinzu. "Wenn du kritische oder unangenehme Dinge sagst, weil du eine negative Reaktion provozieren willst, kann das für dein Gegenüber sehr unangenehm sein."

Nach Aussage von James können auch die folgenden Verhaltensweisen darauf hindeuten, dass du ein Mobber bist:

  • Du schließt andere Personen bei gesellschaftlichen Anlässen aus oder isolierst sie.
  • Du schüchterst andere ein.
  • Du machst persönlich oder per E-Mail Witze, mit denen du andere offensichtlich beleidigst.
  • Du dringst in die Privatsphäre von anderen ein, indem du sie bedrängst, ausspionierst oder stalkst.
  • Du schreist herum und benutzt vulgäre Ausdrücke.
  • Du kritisierst andere Menschen ständig und beharrlich.
  • Du machst dich über die Meinung von anderen lustig.
  • Du benutzt ungefragt die persönlichen Gegenstände oder Arbeitsmaterialien von anderen Menschen.
  • Du wendest körperliche Gewalt an oder drohst diese an.
  • Du verbreitest Gerüchte und/oder Klatsch.

So kannst du dein mobbendes Verhalten ändern:

 

Die Gründe, warum jemand andere Menschen mobbt, sind oft sehr vielschichtig und hängen immer von der jeweiligen Person ab. Wenn man sein eigenes mobbendes Verhalten erkennen und verändern will, sollte man nach Aussage von Burrow jedoch im ersten Schritt versuchen, sich darüber klarzuwerden, dass es sein eigenes Leben ist, mit dem man unzufrieden ist.

"Wenn du selbst unsicher und unzufrieden bist, kann es sein, dass du dich besser fühlst, wenn du andere heftig kritisierst. Das kann entweder nur in deinen eigenen Gedanken passieren oder aber auch direkt", so Burrow.

"Es kann auch passieren, dass du zum Mobber wirst, weil es in deinem Leben einen Bereich gibt, in dem du selbst gemobbt wirst oder wurdest. Vielleicht haben dich deine Eltern, deine älteren Geschwister oder ein ehemaliger Chef früher einmal schikaniert oder sie tun es immer noch. Es kommt sehr häufig vor, dass Menschen zu Mobbern werden, weil sie selbst schon einmal gemobbt wurden."

Auch James ist der Meinung, dass Selbstreflexion unerlässlich ist, wenn man ein netterer Mensch werden will. "Du solltest dir bewusst machen und verstehen, wo deine eigenen negativen Gefühle herkommen und wann diese Gefühle auftreten. Denn du solltest lernen, sie zu kontrollieren, bevor sie die Kontrolle über dich ergreifen."

Es gibt auch praktische Schritte, die du ergreifen kannst, wenn du sichergehen willst, dass dein Verhalten sich nicht negativ auf andere Menschen auswirkt.

Mehr zum Thema: Mobbing und unfaire Bewerbungsprozesse: Behinderte berichten davon, wie sie im Beruf diskriminiert werden

Arbeite an deinem Selbstbewusstsein

Burrow empfiehlt beispielsweise, dass man Gespräche mit "einem positiven Einstieg beginnen sollte. Man könnte seinem Gegenüber vielleicht ein Kompliment machen oder sich nach den Interessen seines Gesprächspartners erkundigen". Denn dadurch "erzielt man höchstwahrscheinlich eine positive Reaktion."

"Versuche, dich etwas zurückzunehmen und lass andere mehr die Führung übernehmen", fährt Burrow fort. "Versuch vielleicht mit einem nicht ganz so wichtigen Thema anzufangen, damit ihr euch mehr auf Augenhöhe befindet. Auf diese Weise baut man bessere Beziehungen auf. Denn Mobbing ist oft auch ein Zeichen von Einsamkeit."

Mehr zum Thema: Alle Eltern sollten von dieser neuen perfiden Mobbingmethode unter Kindern und Jugendlichen wissen

Der letzte Rat von Burrow lautet, dass man sich therapeutische Hilfe suchen sollte, zum Beispiel bei einer Beziehungsberatungsorganisation wie "Relate". Denn das hilft einem, sein eigenes Verhalten besser zu verstehen.

"Wenn du an deinem Selbstbewusstsein arbeitest und dein allgemeines Wohlbefinden durch mehr Achtsamkeit verbesserst, bist du auch weniger anfällig dafür, zum Mobber zu werden", so Burrow.

"Bei einem Selbstsicherheitstraining könntest du lernen, dich auf friedliche Weise selbst zu behaupten. Das könnte dir auch helfen, wenn du selbst ein Opfer von Mobbing bist."

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost UK und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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