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5 Sätze, für die dir dein Kind ewig dankbar sein wird

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MUTTER KIND
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1. "Ich glaube trotzdem noch an dich."

Es gibt eine Situation, die ich niemals vergessen werde: Einer meiner Förderschüler hatte sein Haustier misshandelt und der Vorfall wurde in der ganzen Schule bekannt. Der Junge kam mit der festen Überzeugung in mein Klassenzimmer, dass ich ihn wie alle Anderen als hoffnungslosen Fall betrachten würde.

Doch ich nahm all meine Kraft zusammen und sagte zu ihm: "Ich glaube trotzdem noch an dich." Ich wollte sein Verhalten nicht totschweigen oder entschuldigen. Doch ich wollte einfach daran glauben, dass er die Kurve doch noch kriegen konnte.

Fünfzehn Jahre später schrieb er mir einen Brief, in dem stand: "Danke, dass Sie damals an mich geglaubt haben. Sie waren die Einzige und das hat mir sehr viel bedeutet."

Natürlich machen unsere Kinder ab und zu Fehler, genauso wie wir selbst ja auch. Doch indem wir ihnen sagen, dass wir trotzdem noch an sie glauben, zeigen wir ihnen, dass die Welt nicht untergeht, wenn sie etwas falsch machen.

2. "Du musst nicht immer gleich eine Lösung für alles parat haben."

Ungewisse Lebenssituationen und Veränderungen können schwierig und stressig sein. Kinder setzen sich (ebenso wie Erwachsene) oft sehr unter Druck, weil sie glauben, dass sie jedes Problem sofort lösen und jede entstandene Lücke sofort wieder schließen müssen.

Ich musste insgesamt sechs Umzüge in jeweils andere Bundesstaaten hinter mich bringen, bis ich mich endlich von der Vorstellung befreien konnte, dass ich für alles immer sofort eine Lösung parat haben muss. Ich lernte loszulassen und hatte dadurch viel weniger Angst.

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Und plötzlich passierten Dinge, die ich nie für möglich gehalten hätte, und meine Probleme lösten sich ganz von allein. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich meinen Kindern jetzt beibringen kann, dass zur richtigen Zeit sowieso alles gut wird, und dass sie sich bis dahin nicht den Kopf über ihre Probleme zerbrechen müssen.

3. "Mir ist etwas ganz Besonderes an dir aufgefallen."

Bestimmt kennst du das gute Gefühl, von anderen wertgeschätzt zu werden. Einer deiner Kollegen lobt dich, weil du jeden Tag die Kaffeekanne abspülst, und du magst deinen Job plötzlich noch lieber als vorher. Und genau das Gleiche gilt auch für deine Kinder.

Lass sie ruhig wissen, dass dir aufgefallen ist, wie schön sie ihr Bett machen und wie ordentlich sie ihre Stofftiere nebeneinander setzen. Lobe deinen Sohn dafür, dass er dich immer mit einem Lächeln begrüßt.

Zeig deiner Tochter, dass du es toll fandest, wie sie ihre Mannschaftskameradin beim Spiel unterstützt hat. Ich nenne es "das Gute sehen wollen". Dieses Verhalten wirkt äußerst motivierend auf Andere und du kannst damit sogar noch viel mehr bewirken.

Wenn du jemanden wissen lässt, dass du ein spezielles Talent oder eine besondere Charaktereigenschaft an ihm oder ihr entdeckt hast, dann bringst du die jeweilige Person vielleicht sogar dazu, etwas zu wagen, sich einen Lebenstraum zu erfüllen oder sich beruflich zu verändern.

Ich denke heute noch an diesen einen Satz, den meine Lehrerin in der zweiten Klasse zu mir gesagt hatte: "Rachel, du wirst bestimmt mal Schriftstellerin." Ich habe diese Worte mein Leben lang nicht vergessen und sie halfen mir bei meiner Entscheidung, mich beruflich als Schriftstellerin zu versuchen.

4. "Danke, dass du dich mir anvertraut hast."

Als ich meine Tochter eines Abends zu Bett brachte, erzählte sie mir plötzlich etwas sehr Verstörendes. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals ein derartiges Geständnis von ihr zu hören bekommen würde. Mir blieb die Luft weg. Ich war unglaublich enttäuscht von ihrem Verhalten.

Und dennoch wusste ich es zu schätzen, dass sie es mir erzählt hatte. Dass sie sich mir anvertraute. Eigentlich war mir nach heulen und schreien zumute, doch ich wusste, dass ich nicht mehr an sie herankommen würde, wenn ich jetzt wütend reagierte, und dass sie mir in Zukunft wohl auch nichts mehr erzählen würde.

Ich riss mich zusammen und sagte ihr, dass es gut war, dass sie sich mir anvertraut hatte. Und mit dieser Aussage schaffte ich es, die Schleusen zu öffnen. Versteh mich jetzt nicht falsch: Ich habe meiner Tochter selbstverständlich zu verstehen gegeben, dass ich von ihrem Verhalten enttäuscht bin, und dass sie sich mein Vertrauen erst wieder würde verdienen müssen.

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Doch ich wusste, dass sie mich in diesem Augenblick brauchte, und deshalb verurteilte ich sie nicht und ich ließ sie auch nicht im Stich. Ich trat sie nicht noch weiter in den Boden. Es wird in ihrem Leben noch genug Menschen geben, die genau das tun.

Wenn dein Kind dir anvertraut, dass es etwas Schlimmes angestellt hat und dass es dich enttäuscht hat, dann kannst du ihm entweder eine Lektion erteilen, damit es nie vergisst, was es getan hat ... ODER du kannst auf dein Kind zugehen und dafür sorgen, dass ihr nicht nur jetzt sondern auch in Zukunft über alles sprechen könnt.

Ob dein Kind dir vertraut und immer zu dir kommt, wenn es Hilfe braucht, liegt ganz allein in deiner Hand.

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5. "Du kannst immer nach Hause kommen."

Ich werde nie vergessen, wie meine Mama mit einem alten Geschirrtuch in der Hand vor mir stand und zu mir sagte: "Ich will, dass du weißt, dass dein Vater und ich dich immer lieben werden, ganz egal was du auch tust. Und egal, was auch passiert, du kannst immer wieder nach Hause kommen."

Als typische Sechzehnjährige nickte ich damals nur lässig und tat so, als sei mir das sowieso klar. Doch in Wirklichkeit bedeutete es mir unglaublich viel.

Durch diese zwei simplen Sätze wurde mir erst so richtig bewusst, wie sehr meine Eltern mich liebten. Plötzlich hatte ich keine Angst mehr, eines Tages einen derart schlimmen Fehler zu begehen, dass sie mir nicht mehr verzeihen können.

Ich fürchtete mich nicht mehr davor, ihren Erwartungen möglicherweise nicht gerecht zu werden. Ich hatte keine Angst mehr davor, auch mal etwas zu wagen oder einfach nur ich selbst zu sein.

Mit ihrer bedingungslosen Liebe hatten sie ein unzerstörbares Fundament für mich geschaffen. Als hätte ich eine seelische Rüstung, die mir niemand mehr nehmen konnte.

Und meine Eltern hielten ihr Wort, auch wenn ich über die Jahre hinweg so manche Dummheit anstellte und sie mehr als einmal sehr enttäuschte. Als ich meine tiefsten Abgründe aufschrieb und der ganzen Welt zu lesen gab, wusste ich, dass meine Eltern die Ersten sein würden, die mich mit offenen Armen empfingen.

Gib deinen Kindern die Freiheit, etwas auszuprobieren, zu scheitern und es am Ende doch zu schaffen, indem du ihnen zeigst, dass deine Liebe größer ist als jeder Fehler.

Dieser Text erschien ursprünglich bei Thrive Global und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

Thrive Global ist ein Portal für alle Themen rund um Wellness, Work-Life-Balance und Karriere. Es wurde 2016 von Arianna Huffington gegründet. Thrive Global hat es sich zum Ziel gesetzt, der Spirale aus Stress und Burnout in unserer Gesellschaft ein Ende zu setzen und zu zeigen, wie Erfolg auf gesunde Weise zu erreichen ist.

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(lk)