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Was ein Moslem 25.000 Islam-Gegnern in Deutschland antwortet

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PEGIDA
Getty
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Pegida demonstriert in Dresden, Legida in Leizpig. Islamhasser und Einwanderungsgegner wie Pegida-Gründer Lutz Bachmann verbreiten ihre Thesen auf der Straße und in den Medien. Ohne Rücksicht auf die Fakten über Muslime und Islam in Deutschland, in Europa. Ein Muslim aus Großbritannien hat die Nase voll davon. Und eine ziemlich gute Idee.

Liebe 25.000 anti-islamische Demonstranten in Dresden,
liebe Pegida,

wie ich höre, habt ihr zu Tausenden gegen meine Religion demonstriert. Letzte Woche, letzten Monat. Ihr geht gegen Einwanderer, Ausländer und Menschen mit dunkler Hautfarbe auf die Straße. Ich werde jetzt keine Vergleiche zu Nazi-Deutschland ziehen. Ich werde euch nicht Bigotterie vorwerfen, ich werde euch nicht beleidigen, und ich werde euch nicht pauschal verurteilen. Aber wir haben hier ein Problem.

Ihr tragt Plakate vor euch her, auf denen ihr behauptet, es gebe zu viele Muslime in eurer Stadt. Dabei sind nur 0,1 Prozent der Einwohner Dresdens tatsächlich Muslime. Ihr protestiert gegen Einwanderer, die angeblich eure Schulklassen überfüllen, sodass eure Kinder für ihr Recht auf Bildung kilometerweit fahren müssen. Dabei sind nur 2,5 Prozent der Einwohner Dresdens ausländischer Herkunft.

Ihr behauptet, dass es in Deutschland eine muslimische Invasion gibt. Dabei sind nur 5 Prozent der Deutschen Moslems.

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"Islamisierung des Abendlandes"? Nur 6 Prozent der Bevölkerung Europas sind Muslime

Ihr demonstriert „gegen die Islamisierung des Abendlandes". Doch nach hundert Jahren, die uns unter anderem zwei Weltkriege, die Auflösung der Kolonien, unzählige Bürgerkriege und Konflikte, ausländische Intervention, Globalisierung und zunehmende Vertreibung beschert haben, stellen die Moslems in Europa immer noch eine Minderheit dar. Nämlich weniger als 6 Prozent. Ziemlich dürftig für eine versuchte Kolonialisierung, oder?

Zu viele Asylbewerber? Im Libanon ist jeder Vierte ein Flüchtling aus Syrien

Ihr demonstriert gegen Flüchtlinge und Asylbewerber, weil ihr denkt, dass sie das deutsche Sozialsystem und eure soziale Sicherheit gefährden. Dem Flüchtlingshilfwerk der UNO zufolge gibt es weltweit 51,2 Millionen Flüchtlinge. Deutschland sorgt für gerade einmal 1 % von ihnen. Ist das wirklich zu viel verlangt? Übersteigt diese humanitäre Verpflichtung tatsächlich den Rahmen der Flüchtlingskonvention von 1951, die eure Regierung ratifiziert hat? Ist das tatsächlich so schlimm, vor allem, wenn man sich im Vergleich einmal den Libanon ansieht, wo Flüchtlinge aus Syrien ein Viertel der Bevölkerung ausmachen?

Video: Unterhaltsam und aufschlussreich: Diese Grafiken lassen Pegida ziemlich blöd aussehen

Gegner der Einwanderung gibt es auch in Großbritannien

Liebe Demonstranten, ihr seid nicht allein. In meiner Heimat Großbritannien gibt es auch eine Anti-Einwanderungs-Partei. Die Ukip hat ihren ersten Sitz in Clacton allein mit einwandererfeindlicher Rhetorik gewonnen. Dabei sind nur 4,3 Prozent der Einwohner Clactons ausländischer Herkunft. In einem parlamentarischen System, bei dem jeder Wahlkreis einen eigenen Repräsentanten wählt, der die Ansichten der Wähler vertreten soll, kann die Ukip für die Bürger Claptons dabei überhaupt nichts erreichen.

Seht ihr da ein Muster? Lasst es mich erklären: Leute von eurem Schlag treten vor allem dort in Erscheinung, wo es das „Problem" eigentlich gar nicht gibt. Hat das vielleicht etwas mit negativer Wahrnehmung zu tun? Angst vor dem Unbekannten? Intoleranz und Ignoranz? Der Versuch, eine schwächere Bevölkerungsschicht zum Sündenbock zu machen? Fehlinformation durch die Medien?

Ich erkläre es gern noch genauer. In London sind 36,2 Prozent der Einwohner ausländischer Herkunft. In relativen Zahlen sind das fünfzehn Mal so viele Ausländer wie in Dresden. Ausländer aus sehr viel mehr verschiedenen Ländern als in Dresden. Die Ukip hat in London im Vergleich zum restlichen Land dennoch die schlechtesten Umfragewerte - und zwar bei allen Bevölkerungsgruppen, ob Ausländer oder nicht. London ist eine Metropole, in der Menschen aller Hautfarben Seite an Seite arbeiten. Und es geht uns gut. Ich habe gestern einen Atheisten gesehen. Und wisst ihr was? Ich wollte ihn weder bekehren noch ihn wegen Blasphemie köpfen. Ich habe ihm einfach beim Aussteigen aus dem Bus geholfen. Er war 74 Jahre alt.

Ergibt das Sinn?

Euer Wissen über den Islam stammt nur aus den Medien

Euer gesamtes Wissen über den Islam stammt aus einem Kasten in eurem Wohnzimmer. Die Informationen, denen ihr euch aussetzt, bestätigen nur, was ihr hören wollt und sind voller kognitiver Dissonanzen. Diese Informationen, die jeden, der nicht ist wir ihr, polarisiert und entmenschlicht.

Euch gefällt die Rechtsaußen-Berichterstattung der Medien über den Islam. Dadurch fühlt ihr euch gut. Überlegen. Besser als andere. Wir sind schließlich die barbarischen Moslems. Wir haben keinen Respekt vor Frauen, und wir zwingen anderen unseren Glauben auf.

Viele weibliche Staatsoberhäupter in islamischen Ländern

Wisst ihr eigentlich, dass es in der Türkei, in Indonesien und in Bangladesch - allesamt Staaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit - mehr gewählte weibliche Staatsoberhäupter gab als in fast allen anderen westlichen Ländern? Wisst ihr eigentlich, dass der Koran eindeutig sagt „In der Religion gibt es keinen Zwang", und dass unser Prophet deutlich gemacht hat „wer einen Menschen nichtmuslimischen Glaubens verletzt, wird nicht einmal in die Nähe des Paradieses kommen"?

Eure Fehlinterpretation des Islam spielt Terroristen in die Hände

Wisst ihr eigentlich, dass eure verdrehte Fehlinterpretation meiner Religion den Terroristen in die Hände spielt? Wisst ihr eigentlich, dass ihr und die Terroristen euch bei einer Sache einig seid, die einen wichtigen Teil eurer Identität auszumachen scheint, nämlich, dass der Islam eine gewaltbereite Religion ist? Wisst ihr eigentlich, dass ihr diese Behauptung sogar mit denselben Methoden stützt: indem ihr eine Sure aus dem Kontext reißt und jeder intellektuellen Diskussion aus dem Weg geht?

Wer sind Moslems für euch überhaupt? Araber? Weniger als 20 Prozent von uns sind Araber. Inder oder Pakistani? Das sind auch nicht einmal 20 Prozent. Türken? Weniger als 5 Prozent. Sonst niemand mehr? Über die Hälfte von uns könnt ihr also nicht richtig zuordnen.

Ihr schließt von unserer Herkunft auf unsere Identität. Ist es nicht frustrierend, dass so viele Menschen ein derart beschränktes Weltbild haben? Zeigt das nicht eine engstirnige Perspektive, die sich allein auf das existenzielle Leben und Vorurteile beschränkt? Führt diese Haltung nicht ziemlich wahrscheinlich zu ignoranten Vermutungen und Beleidigungen angesichts des Unbekannten?

Ich frage mich, wie ihr zu deutschen Moslems steht. Werden die verschont, weil sie weiß sind? Oder werden sie zu Verrätern erklärt und gemieden? Ist es schwierig, sich zu entscheiden, ob man Rassist ist oder einen Mitbürger vernachlässigt? Entscheidet euch gegen beide Optionen. Entscheidet euch für Bildung. Toleranz. Freundlichkeit.

Verlasst diesen Teufelskreis, in dem rechtsgerichtete Medien (die nichts über Ausländer wissen) rechtsgerichteten Menschen (die nichts über Ausländer wissen) erzählen, wie sie über Ausländer denken sollen.

Ihr Islamhasser und Pegida-Leute, redet doch mal mit Muslimen

Habt ihr jemals einen Muslim getroffen? Und „treffen" heißt hier nicht, Beschimpfungen zu schreien oder jemanden in oder vor seiner Wohnung zu erstechen. Habt ihr schon einmal mit Moslems zusammengesessen? Mit Moslems gesprochen? Mit Moslems zusammengearbeitet?

Probiert es einmal. Vielleicht an einem Flughafen, wo wir mit 42 mal höherer Wahrscheinlichkeit durchsucht werden. Da könnt ihr euch sicher sein, dass von uns keine Gefahr ausgeht.

Mit freundlichen Grüßen
ein echter Moslem (keiner von denen aus dem Fernsehen)


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Dieser Beitrag erschien zuerst in der HuffPost UK und wurde von Bettina Koch aus dem Englischen übersetzt.


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