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Radfahrer sollten nicht an roten Ampeln halten - Autos auch nicht

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BYCICLE BERLIN
Marco Vacca via Getty Images
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Zusammen mit Steffen M√ľller, wissenschaftlicher Mitarbeiter Fakult√§t f√ľr Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

In den Niederlanden ist es Radfahrern seit 1991 gestattet, an daf√ľr ausgewiesenen Kreuzungen trotz roter Ampel rechts abzubiegen. Auch in Belgien sowie in vereinzelten St√§dten in Frankreich und der Schweiz existieren seit l√§ngerem entsprechende Regeln, welche das √úberqueren einer roten Ampel f√ľr Radfahrer unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Zumindest in deutschen Gro√üst√§dten scheint die Missachtung roter Ampeln durch Radfahrer weitgehend geduldete Praxis.

Nach der deutschen Stra√üenverkehrsordnung (STVO), welche der sicheren Interaktion aller Verkehrsteilnehmer dienen soll, ist dies grunds√§tzlich noch nicht zul√§ssig und kann mit einem Punkt in Flensburg sowie einem Bu√ügeld von bis zu 180 Euro geahndet werden. Allerdings soll die STVO auch einen effizienten Verkehrsfluss gew√§hrleisten, und nach dem altbew√§hrten juristischen Grundsatz ‚ÄěGleiches gleich behandeln, Ungleiches ungleich behandeln" k√∂nnte es Zeit f√ľr ein √úberdenken sein.

Radfahrer und Fußgänger können aufgrund ihres uneingeschränkten Sicht- und Hörfeldes Kreuzungen besser einsehen und herannahende Fahrzeuge schneller wahrnehmen. Dies erlaubt Ihnen eine bessere Einschätzung der Verkehrslage und ermöglicht somit das relativ gefahrlose Überqueren einer roten Ampel.

Radfahrer stellen geringes Risiko f√ľr Verkehrsteilnehmer dar

Zudem stellen Radfahrer aufgrund ihrer kleineren Masse ein geringeres Risiko f√ľr andere Verkehrsteilnehmer dar als motorisierte Fahrzeuge. Zugegeben, die stetige Zunahme von E-bikes, die teilweise Geschwindigkeiten erreichen, welche sie kaum noch von Kleinkraftr√§dern unterscheiden, l√§sst das letzte Argument schw√§cher werden. Eventuell m√ľsste nach Fahrr√§dern, Pedelecs und S-Pedelecs unterschieden werden.

Umweltpolitisch w√§re ein Umdenken sinnvoll, weil das Fahrradfahren schneller werden und die Verkehrsmittelwahl der Menschen positiv zugunsten des Radfahrens beeinflusst w√ľrde. Eine tendenzielle Reduzierung der Umweltbelastung und eine Verbesserung der durchschnittlichen Gesundheit der Bev√∂lkerung k√∂nnten die Folge sein.

Die in anderen L√§ndern gesammelten Erfahrungen sprechen f√ľr eine Gesetzes√§nderung und zeigen, wie eine Umsetzung erfolgen kann. Eine m√∂gliche Variante ist, das √úberqueren einer Ampel am Kopfst√ľck einer T-Kreuzung sowie das Rechtsabbiegen an einer Kreuzung grunds√§tzlich zu gestatten.

Eine weitere Option w√§re, dass rote (Auto-)Ampeln von Fahrradfahrern wie ein Stopp- oder Vorfahrt-gew√§hren-Schild behandelt werden d√ľrfen, wenn nicht gesonderte Rad-Ampeln oder Hinweise (‚ÄěNo Right on Red") beispielsweise an engen und un√ľbersichtlichen Stra√üen und Radwegen das Halten gebieten.

Reform der Fahrradrechte an Ampeln

Vielleicht sollte eine Reform der Fahrradrechte an Ampeln auch zum Anlass genommen werden, die Ampelmentalit√§t grunds√§tzlich zu hinterfragen. Die rote Ampel ist Vielen zum problematischen Symbol f√ľr Deutschland geworden: Der Vorrang von Regeln √ľber die Sinnhaftigkeit im Einzelnen. Insbesondere nachts und an wenig befahrenen Stellen regeln Ampeln h√§ufig einen Verkehr, der nicht vorhanden ist.

Wie oft stehen wir an roten Ampeln, obwohl weder von rechts noch von links ein Auto kommt? Teilweise - Berlin Mitte ist ein gutes Beispiel - stehen (schlecht geregelte) die Ampeln so sinnlos dicht hintereinander, dass der Verdacht anderweitiger Interessen als die in der STVO genannten aufkommt.

Mehr als bisher und fr√ľher k√∂nnten Ampeln an Seitenstra√üen nachts aus- bzw. auf Gelb blinkend geschaltet werden. Ein ‚ÄěStandby " k√∂nnte auch auf zeitweise unterausgelastete Stra√üen ausgedehnt werden. Im Falle eines erh√∂hten Verkehrsaufkommens k√∂nnte die Ampel dann durch die Aktivierung einer Induktionsschleife zur√ľck in den ‚ÄěAktiv" versetzt werden. Dort, wo solche intelligenteren Ampeln nicht umsetzbar erscheinen, sollten sie h√§ufiger durch Fu√üg√§nger- (und Radfahrer-)Zebrastreifen und durch Kreisverkehre ersetzt werden.

Vielleicht regen die Radfahrer mit ihrem oft praktizierten, nun zu legalisierenden Ignorieren roter Ampeln eine grundsätzliche Diskussion in Deutschland an?

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