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Können wir bitte mit dem Bikini-Figur-Mist aufhören?

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Es gibt Sätze, bei denen geht mir vor Wut die Hutschnur hoch. Sätze wie „Lass uns da das Optimum herausholen" zum Beispiel. Oder der Begriff „Bikini-Figur".

Ich sage nicht, dass es falsch ist, ein wenig mehr als die übliche Routinearbeit zu investieren, um für den Urlaub gut auszusehen. Bei mir passiert das ungefähr zwei Wochen vorher. Denn wenn ich ein Kleidungsstück anziehen soll, das nur ein bisschen mehr Stoff hat als meine Unterwäsche, will ich mich zumindest wohl darin fühlen.

In regelmäßigen Abständen springen Diät-Anbieter und Magazine genau auf diesen harmlosen Impuls an. Jedes Jahr aufs Neue, zur selben Zeit. Als ob Fit werden oder sich gesünder zu ernähren den Rest des Jahres nicht mehr wichtig ist. Und genau dabei habe ich Bauchschmerzen. Denn das größte Problem mit dem Sport- und Diätwahnsinn ist, dass man dabei AUSSCHLIESSLICH Gewicht verlieren soll.

Für einige von uns mag das auch wichtig sein, aber wir sollten hier nicht das Wesentliche aus den Augen verlieren: Wenn wir wirklich Gewicht verlieren müssen, dann nicht um in eine Größe 34 zu passen. Gewicht verliert man, um gesünder zu leben und das Risiko vermeidbarer Krankheiten zu verringern.

Unserer Meinung nach sollten Frauen sich in ihrem Körper immer wohlfühlen, egal wie viel Gewicht sie haben. Aber, wir glauben auch an die Wissenschaft. Und die sagt uns, dass man mit einem BMI über 30 klinisch adipös ist, fettleibig also. Und dass man mit Übergewicht ein höheres Risiko hat, an Herzerkrankungen, Diabetes oder anderen Stoffwechselkrankheiten zu leiden.

Das Problem hat also zwei Seiten.

Zum einen sollten wir selbstbewusster mit unserem Körper sein. Schon allein, um der Standardversion von Schönheit ein Schnäppchen zu schlagen, die von Frauenmagazinen weltweit propagiert wird (natürlich dünn und meist mit heller Hautfarbe).

Zum anderen wird auch von Magazinen und TV Shows häufig suggeriert dass man SO SCHNELL WIE MÖGLICH eine Bikini-Figur braucht. Denn sonst könnten die Menschen um einen herum ja denken, dass man ein Wal ist der unbedingt wieder zurück ins Meer gerollt werden muss.

Ich lebe vergleichsweise gesund, treibe regelmäßig Sport und versuche, nicht zu viel ungesunden Kram zu essen. Und ich weiß mit ziemlicher Sicherheit, dass das nicht über Nacht passiert ist. Und vor allem nicht, weil irgend ein Redakteur den verrückten Plan hatte, eine Woche lang nichts anderes zu sich zu nehmen als Smoothies. Genauer gesagt ist dies das Ergebnis einer veränderten Lebenseinstellung. Vor ein paar Jahren hätte ich noch Pommes zum Frühstück gegessen und dazu mindestens zwei bis drei Zigaretten geraucht.

Jetzt mal im Ernst: Einer Bikini-Figur hinterher zu jagen ist völliger Unsinn. Es bedeutet, dass man nicht mehr als fünf Trauben und zwei Walnüsse als Snack essen darf. Und das wiederum bedeutet, dass das Streben nach Gesundheit gleichgesetzt wird mit etwas, das schmerzhaft und furchtbar ist. Und wenn man versucht in vier Wochen die Hälfte seines Körperumfangs zu verlieren, ist es das bestimmt auch.

Wenn Gesundheit ein Prinzip ist, dass Sie in winzigen Schritten auf Ihr Leben anwenden, kann das eines der besten Dinge sein, die Sie je für sich getan haben. Es gibt Ihnen neue Energie, einen stärkeren Körper und ein längeres Lebens.

Aber für die Magazine ist das keine Geschichte, die zwölf Monate lang funktioniert. „Wie kriegen Sie den Oma-Schlüpper-Herbst-Body" ist nichts, was sich gut verkaufen würde.

Was ich Ihnen raten würde? Ich denke, wir sollten zu allererst das Wort „Bikini-Figur" aus unserem Wortschatz verbannen. Die Huffington Post UK ist hier schon mit gutem Beispiel voran gegangen. Zweitens glaube ich, dass Sie unbedingt weiter machen sollten, wenn Sie bereits den Weg zu besagter Figur eingeschlagen haben. Auch nach Ihrem Urlaub.

Sie werden sich stärker und fitter fühlen. Und das lange nachdem Sie sich den Sand von Füßen gewaschen haben.

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