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Sechs Gründe für einen minimalistischen Kleiderschrank

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MINIMALISMUS KLEIDERSCHRANK
Gettystock
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Als Kind habe ich einmal einen Film gesehen, der von einer Magd handelte, die vor hundert Jahren auf einem Bauernhof arbeitete. Im Herbst wurden dort die Schafe geschoren und sie bekam ein wenig Wolle geschenkt. Die Magd färbte die Wolle, spann sie zu Fäden und strickte sich daraus einen Pullover, der sie den ganzen Winter über warm hielt.

„Die Frau hat nur einen einzigen Pullover?!" staunte ich. Angesichts meines bereits damals gut gefüllten Kleiderschrankes konnte ich mir nicht vorstellen, wie man mit so wenigen Kleidungsstücken auskommen kann. Gleichzeitig fand ich es erstaunlich, wie viel Arbeit die Magd in die Anfertigung ihres Pullovers gesteckt hatte.

Kleidungsstücke sind zur Wegwerfware geworden

Heute tragen wir nicht einen Pullover den ganzen Winter über, sondern jeden Tag der Woche, manchmal des Monats, einen anderen. Kleidungsstücke sind zur Wegwerfware geworden, deren Kauf uns oft mehr Freude bereitet als das spätere Tragen. Shoppen ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Unsere Beute verstopft anschließend unsere Schränke.

Trotz des Überflusses an Kleidern sind wir mit unserer Garderobe aber nicht zufrieden. Entweder finden wir nichts zum Anziehen, weil wir uns nicht für eines unserer vielen Outfits entscheiden können, oder es plagt uns das schlechte Gewissen, weil schöne, einst teure Stücke ungetragen im Schrank verstauben. Der Anblick des geöffneten Kleiderschrankes ist uns unangenehm, weil wir die meisten Hosen, Blusen, Shirts und Jacken angesichts des mangelnden Platzes in irgendwelche Fächer gequetscht haben.

Minimalisten kennen diese Probleme nicht. Ihre Garderobe ist übersichtlich, aufeinander abgestimmt und qualitativ hochwertig. Sie muss nicht ständig ersetzt oder erweitert werden. Und dafür gibt es gute Gründe:

1. Weniger Kleider bedeuten mehr Platz im Schrank

Viele Menschen kaufen sich größere Kleiderschränke und zusätzlichen Stauraum wie Kommoden, wenn in ihren normalen Schrank nichts mehr hineinpasst. Das ist allerdings der falsche Lösungsansatz. Aber stellen Sie sich einmal vor, wie es ist, wenn Sie die Türen Ihres Kleiderschrankes öffnen und neben den geordneten Bügeln auf der Stange noch jede Menge Platz ist. Ihre Shirts liegen ordentlich gestapelt übereinander, jede Hose ist zu sehen und auch Ihre Schuhe und Handtaschen passen noch in den Schrank. Enge beengt, und zwar nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Viel Platz hingegen befreit und beruhigt.

2. Kleider kosten Geld

Überlegen Sie einmal, wie viel Geld Sie für die Anschaffung all Ihrer Röcke, Strickjacken, Halstücher und Pumps ausgegeben haben. Auch wer gerne günstig einkauft gibt in der Summe viel zu viel Geld für Kleidung aus, die er dann doch nicht anzieht. Diese ungeliebten Schrankleichen später wieder zu verkaufen erweist sich als schwierig: Entweder möchte sie niemand haben oder man erhält nur einen Bruchteil dessen zurück, was man einst für sie bezahlt hat. Die richtige Kleidung zu kaufen und auf unnötige zu verzichten spart also bares Geld.

3. Nie mehr „nichts zum Anziehen"

Eine durchdachte Garderobe nimmt Ihnen die Planung Ihres Outfits ab. Je mehr Kombinationsmöglichkeiten Ihre einzelnen Kleidungsstücke bieten, desto weniger brauchen Sie. Der Grundgedanke einer minimalistischen Garderobe ist der, dass alle Stücke zusammen passen und ein Outfit durch Accessoires schnell verändert werden kann.

4. Sie fühlen sich besser

Einige Kleidungsstücke ziehen wir nur an, weil uns das schlechte Gewissen überkommt, wenn wir sie auf dem Bügel verstauben sehen. Also zwängen wir uns in Blusen, an denen die Knöpfe spannen, Hosen, die zu tief sitzen, Jacketts, die an den Schultern schlabbern. Richtig gut fühlen wir uns darin aber nicht. Eine minimalistische Garderobe hingegen besteht nur aus Teilen, in denen man sich wohlfühlt, die passen und ihrem Träger stehen. Viele Menschen empfinden es außerdem als Erleichterung, wenn sie weniger Kleidungsstücke zur Auswahl haben.

5. Mehr Zeit

Kleidung kostet Zeit. Es braucht Zeit, sie zu finden und zu kaufen, sie zu verstauen und zu pflegen. Wie viele Minuten machen wir uns außerdem jeden Morgen Gedanken darüber, was wir anziehen sollen? Wie lange stehen wir vor dem Schrank und überlegen, welche Schuhe zu diesem Rock passen? Ganz zu schweigen von den Urlaubsvorbereitungen. Die gute Nachricht: Wer nicht viele Kleidungsstücke besitzt, hat den Koffer schneller gepackt.

6. Umwelt und Produktionsbedingungen

Viele Modeketten lassen ihre Produkte in Drittländern produzieren, damit sie bei uns so günstig wie möglich verkauft werden können. Dabei ist die Rechnung einfach: Was hier billig angepriesen wird, kann nicht zu fairen Bedingungen hergestellt worden sein. Immer wieder hört man von Unglücken in Textilfabriken, von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen dort. Dieser Zustand ändert sich erst, wenn der Verbraucher auf den Kauf solcher Klamotten verzichtet. Auch die Umwelt leidet unter unserem ausufernden Konsum. Jedes Produkt muss hergestellt werden. Dabei werden Ressourcen verbraucht, die nicht wieder ersetzt werden können. Die Produktion eines T-Shirts verbraucht 2700 Liter Wasser. Weniger Kleidungsstücke zu kaufen und ihre Lebensdauer zu verlängern wirkt sich also unmittelbar auf die Umwelt aus.

Minimalistisch zu leben bedeutet, dass man mit so wenig wie möglich so viel wie nötig erreicht. Darum gibt es für die Größe der eigenen Garderobe auch kein pauschales Limit. Einige Menschen kommen mit zehn Kleidungsstücken aus, andere benötigen 300, um im Alltag richtig gekleidet zu sein. Wie viele Sie benötigen, hängt also ganz von Ihren Bedürfnissen ab. Wenn Sie jedoch das Gefühl haben, dass Sie vom Inhalt Ihres Kleiderschrankes erdrückt werden, dann lesen Sie weiter.

Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch Minimalismus im Kleiderschrank von Pia Mester.

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Was braucht es für ein gutes Leben?

Das größte Auto, das neueste Smartphone, die teuerste Wohung... Hauptsache mehr, viel und teuer. Für viele Menschen mag das die Erfüllung des Lebens sein, doch es gibt auch eine Gruppe, die das ganz anders sieht.

Minimalismus heißt der Trend, sich von allen unnötigen Dingen zu lösen. Was haltet ihr davon? Diskutiert mit. Schreibt uns eine E-Mail an Blog@huffingtonpost.de