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Vom Paragraphen zur Cloud - neue Wege in der Rechtsberatung

02/03/2015 11:52 CET | Aktualisiert 02/05/2015 11:12 CEST
Thinkstock

Eine neue Generation wühlt klassische Industrien auf. Junge Unternehmer, die für ihre Ideen brennen. Die nicht nur davon reden, sondern machen. Mit der Reihe Startup der Huffington Post werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und schaffen eine Plattform für kreative Ideen und ungewöhnliche Konzepte.

Wenn auch Ihre Idee Teil der Reihe Startup werden sollte, schreiben Sie eine Mail an blogs@huffingtonpost.de.


Allein in Deutschland gibt es ca. 80.000 Paragraphen, die unser Zusammenleben beeinflussen, lenken und bestimmen. Da ist es verständlich, dass sich nicht jeder Anwalt mit jedem Gesetz auskennen kann. Doch woher weiß ich, welcher Anwalt dann der Richtige für mein Anliegen ist? Und werde ich am Ende von einer hohen Rechnung erschlagen? Warum ist der Rechtsberatungsmarkt immer noch so intransparent?

Als ein Freund ein rechtliches Problem hatte und sich davor scheute, zu einem Rechtsanwalt zu gehen, saßen Rechtsanwalt Dr. Philipp Venohr und ich, Philipp v. Bülow, bei einem Kaffee zusammen und stellten uns eben diese Fragen. Daraufhin entstand die Idee für Jurato. Im September 2013 haben wir zusammen mit Alexander Gloning und Luis Höfer Jurato gegründet. Unser Start-up wurde kurz darauf in den ProSiebenSat.1 Accelerator aufgenommen und wir hatten unsere Anschubfinanzierung. Kurz darauf stiegen ein Business Angel aus einer renommierten Großkanzlei und der Fachverlag Ebner aus Ulm mit einem mittleren sechsstelligen Betrag ein.


Wie wirst Du mit Deiner Idee die Welt verändern?

Jeder Mensch soll auf einfachem Weg den für ihn passenden Anwalt finden. Auch die Kommunikation zwischen Anwalt und Mandant soll schneller und einfacher ablaufen als bisher. Die bei uns registrierten Rechtsanwälte können ihre Mandanten in einer Online-Kanzlei beraten. Das ist Teil des Angebots unserer Plattform. Mit Jurato können Anwalt und Mandant Dokumente teilen, Informationen austauschen und das Honorar abrechnen. Alles natürlich verschlüsselt und ausschließlich auf deutschen Servern gesichert. Mit diesem Konzept wollen wir die Rechtsmarke in Deutschland werden und irgendwann auch in andere Länder expandieren.

Wie wird Deutschland zu einem Gründerland?

Deutschland bietet als Gründungsland schon sehr gute Voraussetzungen. Start-up-Unternehmen haben in der Gründungsphase viele Möglichkeiten der Unterstützung und Förderung. Allerdings kann sich Deutschland noch etwas von den USA abschauen. Dort wird viel mehr Venture Capital investiert und man ist weniger risikoscheu als hierzulande. Ein Unternehmen zu gründen birgt immer gewisse Risiken, jedoch haben Start-ups auch ein großes Potential und bieten Investoren echte Chancen. Es wäre schön, wenn Deutschland als Gründerland diese Chancen vor allem in der Phase nach der Gründung besser fördern würde.

Für welche Überzeugung halten Dich andere Menschen für verrückt?

Als Betriebswirt den Anwaltsmarkt verändern zu wollen, ist vielleicht schon etwas verrückt und kühn. Aber ich habe ein starkes Team aus Juristen und Rechtsexperten an meiner Seite, die mich täglich unterstützen. Mittlerweile bin ich zum „Hobby-Juristen" geworden und habe inzwischen einen sehr guten Überblick über den Rechtsmarkt in Europa.

Was war Dein größter Fehler?

Das ist schwer zu sagen. Im Nachhinein hätten wir mit Jurato vielleicht erst später an Investoren herantreten sollen, als wir es getan haben. Die Plattform war damals in einigen Bereichen noch im Auf- und Ausbau und wir konnten noch keine konkreten Zahlen vorstellen - Bootstrapping ist im Nachhinein immer die beste Lösung. Doch hat der ProSiebenSat.1 Accelerator schon früh an uns geglaubt und großes Potential gesehen, deswegen würde ich es vielleicht nicht als großen Fehler bezeichnen, sondern als Erfahrung.

Welcher Unternehmer hat Dich am meisten beeinflusst?

Einer meiner Vorbilder ist Tony Hawk. Er hat sowohl als Sportler, als auch als Entrepreneur viel erreicht. Er hat sein damals noch wenig verbreitetes Hobby zum Beruf gemacht und Menschen auf der ganzen Welt damit inspiriert. Als er vor dem wirtschaftlichen Kollaps stand, hat er sein eigenes Unternehmen gegründet und sehr erfolgreich vermarktet.

Was bedeutet Work-Life-Balance für Dich?

Als Gründer könnte ich täglich 24 Stunden lang arbeiten, doch schafft man das leider nicht. Nach zehn bis zwölf Stunden im Büro müssen die Batterien einfach wieder aufgeladen werden. Wenn ich abschalten möchte, mache ich gerne Sport und suche das Extreme. Letztes Jahr war ich über Silvester in Stockholm zum Eissegeln. Dabei fliegt man mit einer Art Segelboot mit bis zu 140 km/h über einen gefrorenen See. Im März fahre ich für ein paar Tage nach Marokko und nehme mit meinem Bruder und ein paar Freunden an einer Rallye teil - der komplette Unterschied, aber genauso verrückt.

Welche Technologie wird die nächsten 10 Jahre prägen?

Ich denke, was sowohl unseren Alltag, als auch das Geschäftsleben noch weiter beeinflussen wird, ist das Cloud Computing und die Möglichkeit der E-Collaboration - viele Start-ups arbeiten bereits nur noch in virtuellen Teams. Man kann so nicht nur Geld für Büroflächen sparen, Mitarbeiter haben die Möglichkeit, ihren Arbeitsplatz freier und nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Ich hoffe natürlich, dass auch Anwaltskanzleien von dieser Technologie in Zukunft noch mehr Gebrauch machen werden. Nicht, um die eigenen Büros zu verkleinern, sondern viel mehr, um Mandanten neue und zeitgemäße Alternativen für den Austausch und die Beratung anzubieten. Jurato bietet auf jeden Fall genau das richtige Tool für Kanzleien, die mit der Zeit gehen und Papierberge minimieren wollen.


Mehr Information zum Unternehmen unter: www.jurato.de


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