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Wissenschaft ist für Haltung von Meeressäugern

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DOLPHINS CAPTIVATION
Marco Simoni via Getty Images
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Im letzten Jahr haben 86 Wissenschaftler aus aller Welt eine Erklärung unterschrieben, die sich für Delfinhaltung ausspricht. Anders als mancher vielleicht denken mag, handelt es sich hierbei nicht hauptsächlich um Mitarbeiter von Zoos oder deren zugeordneter Stiftungen - die machen nur rund 20 Unterschriften aus.

Die größte Gruppe sind unabhängige Wissenschaftler und Experten. Der überwiegende Teil der Unterzeichner ist bei Universitäten und vergleichbaren unabhängigen Einrichtungen angestellt - von Harvard über St. Andrews bis hin zu Berlin. Die Liste liest sich wie das Who Is Who der Meeressäugerforscher unserer Zeit.

2017-02-22-1487772430-5211558-oopub.JPGMit seiner edukativen Orcashow erreicht der Loro Parque tausende Besucher pro Tag.

Was sagen Wissenschaftler zur Meeressäugerhaltung?

„Wir, die unterzeichnenden Mitglieder der wissenschaftlichen Gemeinschaft, möchten die Bedeutung von Meeressäugetieren in Zoos, Aquarien und Meeressäugetieren anerkennen und unsere Unterstützung für die Forschung in diesen Einrichtungen ausdrücken. Wir wissen, dass entscheidende Forschungsergebnisse aus Studien von Delphinen und verwandten Arten aus Menschenobhut stammen, wo der überwiegende Teil von dem, was über ihre Wahrnehmung, Physiologie und Kognition bekannt ist, erforscht wurde.

Dazu gehören sowohl grundlegende Fakten über diese Tiere (z.B. Echolokation und wie es funktioniert, Tauchphysiologie, Energetik, Tragzeit, Hörbereich, Signaturpfeifen und so weiter) und angewandte Informationen, wie sie auf Umweltstressoren reagieren und wie man ihre Krankheiten diagnostiziert und behandeln.

Die Vorteile dieser Forschung reichen weit über die Tiere in zoologischen Einrichtungen hinaus. Die Interpretation von Daten aus Feldstudien basiert auf dem, was wir über die Kognition und Physiologie dieser Tiere in Menschenobhut gelernt haben. Darüber hinaus tragen die Forschungsergebnisse von diesen Tieren zu unserem kollektiven Verständnis über das Tierreich bei, weil die Wissenschaft von Natur aus eine kollaborative Unternehmung ist.

Schließlich wirkt sich die Erforschung in Menschenobhut auf die Schutzbemühungen aus: a) die Bereitstellung der grundlegenden Informationen, die notwendig sind, um Erhaltungspläne und -praktiken zu erstellen (z.B. typische Atmungsraten, Stoffwechselraten, Schwangerschaftslänge, Hörbereich und Schwellen usw.), (b) das Dokumentieren physiologischer und verhaltensbasierter Reaktionen auf Umweltstressoren wie Geräusche und Umweltverschmutzung, um die Popluationsmanager zu informieren, und (c) die Entwicklung und Erprobung von Techniken und Instrumenten zur Bewertung von Tieren im Feld.

Die Fortschritte, die aus der Forschung in haltungen von Meeressäugern gekommen sind, konnten nicht aus Studien von Tieren in freier Wildbahn kommen. Feldstudien sind entscheidend, aber viele Forschungsfragen sind ungeeignet zur Entdeckung aus der Ferne.

Untersuchungen zur Schwangerschaft, Geburt und fein überwachte Kalbentwicklung erfordern die Art der nahen und konsistenten Beobachtung, die nur in zoologischen Einstellungen möglich sind. Die Hypothesenprüfung, die für Fragen über Kognition, Wahrnehmung und Physiologie erforderlich ist, erfordert die Fähigkeit, Tiere mit spezifischen Situationen und Herausforderungen zu konfrontieren, die die notwendigen Kontrollen, Konsistenz und Wiederholung ermöglichen, die in der Wildnis unmöglich zu erreichen sind.

In der Tat, wie bei der Forschung in jeder Disziplin, ein umfassendes Verständnis dieser Tiere erfordert eine Kombination von in-situ und ex-situ-Studien; Studien in der Wildnis und in zoologischen Einstellungen. Diese Idee ist weder neu noch spezifisch für Meeressäugetiere, sondern ist entscheidend für die Art und Weise, wie wissenschaftliche Forschung funktioniert."

Das Vancouver Aquarium hatte auch auf seinem Blog dieses Statement veröffentlicht.

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Das Wohlergehen der Tiere im Loro Parque wird auch von unabhängigen Experten überprüft. © Philipp J. Kroiß

Menschenobhut ist also wichtig für Wissenschaft und Artenschutz
Diese mehr als 80 Experten erklären also, dass wir Einrichtungen, wie etwa Delfinarien, brauchen, da nur so umfassende Forschung möglich wird, die letztendlich dazu dient, den wilden Artgenossen zu helfen. In Zeiten von Umweltverschmutzung, Überfischung und der Zerstörung von marinen Lebensräumen, ist das ganz besonders wichtig.

Es gibt wenige Wissenschaftler, die bei Zoogegner- und/oder Delfinariengegnerorganisationen angestellt oder mit ihnen anderweitig verbunden sind, die das bezweifeln.

Sie sind aber nicht unabhängig. Unabhängige Wissenschaftler, die gegen Meeressäugerhaltung sind und eine nachgewiesene Expertise auf dem Gebiet besitzen, sind hingegen nicht bekannt. Tierrechtler zeigen immer gleiches Personal vor, da aus rund 20 Personen besteht, die ein ähnliches Dokument gegen die Haltung von Meeressäuger in Canada herausgebracht haben.

Wenn man zum Beispiel bezüglich Beifangs forschen möchte, um dies zu reduzieren, braucht man Tiere in Menschenobhut für wichtige Grundlagenforschung und dann auch die Ersterprobung der Maßnahmen. Man merkt an diesem Beispiel: Forschung in Menschenobhut ist unersetzbar und eine Säule für Arten- und Naturschutz.

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