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Wenn Delfine ihre Kälber töten

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DELFIN
Yuri Checcucci via Getty Images
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Delfine werden vermenschlichend stilisiert: hochintelligent, hochsozial und hochgradig liebevoll. Das ist aber genauso falsch wie das Bild der Walfänger, die in den Meeressäugern nur dumme Trantiere sehen: denn beides verklärt das Bild auf diese herrlichen Tiere. Trotzdem scheut man nicht davor zurück, beide Bilder von unterschiedlichen Richtungen aus pseudowissenschaftlich belegen zu wollen. Pseudowissenschaftlich ist ein gutes Stichwort für das, was nun „The Dodo" zum Tod eines Delfinkalbs in Japan schrieb.

Pseudowissenschaftliches Märchen
Der Autor des Artikels, Stephen Messenger, überschrieb sein Machwerk mit dem Titel „Mutterdelfin tötet ihr eigenes Baby, um ihr ein Leben in Gefangenschaft zu ersparen". Kühne These, zumal, wenn man im Artikel selbst zugeben muss, dass der „exakte Grund für den Tod des neugeborenen Delfins unklar ist". Unklar ist untertrieben: Man hatte zum Zeitpunkt, an dem Messenger den Artikel schreibt, keine Ahnung, woran das Kalb starb.

Dieser Umstand hindert den Autor allerdings nicht daran, einfach mal ein Märchen zu erzählen:
Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit in Japan eine Delfinmutter, das ihre Baby umgebracht hat, weil sie es selbst hasst in einem Delfinarium zu leben und das ihren süßen, kleinen Baby ersparen möchte. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute - also die Mutter.
Flankiert wird er dabei von einer gewissen Laura Bridgeman, einer professionellen Tierrechtlerin, dadurch passionierten Delfinarienhasserin, sowie Kampagnenstrategin ohne jede relevante wissenschaftliche Ausbildung oder nachgewiesene Expertise im Bereich Biologie, Meeressäuger, Delfine oder deren Haltung. Sie unterstützt diese These und ignoriert dabei völlig den Forschungsstand, den glaubwürdige Experten natürlich kennen würden.

Was die Wissenschaft sagt
Nun haben wir einige Studien, die man auflisten kann und die ganz klar von Infantizid bei wilden Delfinen sprechen. Ja, wilde Delfine bringen ihre Kälber um - das ist Realität in unseren Ozeanen. Viele mag das schockieren, weil es nicht in das Bild der immer freundlichen „Flipper" passt.

Die renommierte Seite Zoo News Digest hat hierzu einen Beitrag geteilt:

Macht das Delfine jetzt zu schlechten Tieren? Nein. Es gehört einfach zu ihrem Leben in der Natur dazu. Daran ist nichts gut oder schlecht, weil man nicht den Fehler machen darf, biologische Prozesse moralisch fassen zu wollen. Delfine töten Kälber - das ist halt so. Würde man an dieser Stelle Bridgeman und Messenger bzw. „The Dodo"s Argumentation folgen, würden die wilden Delfine ihre Kälber ja bekanntlich töten, weil sie ihnen ein Leben unter diesen Umständen ersparen wollten.

Vermenschlichung ist ein falscher Freund
Was bleibt also übrig? Die Erkenntnis, dass Vermenschlichung von Tieren, also das eigene Hineinprojizieren in Tiere, zu keinem vernünftigen Ergebnis führt. Sogar die Selbstprojektion in andere Menschen klappt ja nicht einmal erkenntnisgewinnend, wieso sollte das dann mit biologisch noch viel unterschiedlicheren Wesen funktionieren?

Was „The Dodo" hier fabriziert hat, und das nicht zum ersten Mal, ist richtig schlechter Journalismus, der sich realitätsfremde Märchen ausdenken muss, um die Ideologie, der er sich verschrieben hat, zu pflegen. Leider fallen immer noch Medien auf solche Desinformationsmedien wie „The Dodo" rein, weil sie lustige oder putzige Tiervideos teilen, die dann viral gehen, obgleich die Tierrechtsideologie jede Form der Tierhaltung ablehnt.

In diesem Artikel von Herrn Messenger hat sich aber erneut die hässliche Fratze gezeigt, die hinter der netten Fassade steckt: man berichtet auf Basis von Märchen und nicht auf Basis von Fakten, denn die Todesursache des Kalbs kannte zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung keiner.
Es kann trotzdem widerlegt werden, dass Infantizid bei Delfinen etwas Unnormales oder Unnatürliches wäre, wenn es findet auch in der Wildbahn stattfindet. Das ist im Einzelfall der Kälber natürlich traurig, aber sorry: das ist halt Natur und die ist eben nicht immer kitschig, schön und liebevoll und passt so kaum in das schönfärberische Bild, was manchmal von ihr gezeichnet wird.

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