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Philipp J. Kroiß Headshot

Beaching Morgan - die Wahrheit

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Angestachelt von Ric O'Barry's Delfinprojekt griffen Medien ein Video auf, das Morgan auf der Bühne von Orca Ocean im Loro Parque liegend zeigt. Auch Huffington Post berichtet darüber. Völlig ignoriert wurde dabei, dass sich der Loro Parque schon längst geäußert hat.

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Morgan lebt gesund und artgemäß im Loro Parque © Philipp J. Kroiß

Krude Theorien

Morgan liegt in einer kurzen Videosequenz auf der zentralen Bühne von Orca Ocean. Weshalb? Darum ranken sich die wüstesten Theorien: von Selbstmordversuch bis hin zu besorgniserregendes, unnatürliches Verhalten ist alles dabei. Journalisten versuchen sich plötzlich als Biologen und Verhaltensanalysten. Selten habe ich mich für Kollegen so geschämt. Dabei ist einer ordentliche Recherche so gut machbar.

Video bringt Licht ins Dunkle


Neben der Erklärung des Loro Parque gibt es nämlich auch ein unabhängiges Video einer bekannten Facebook-Seite über Delfinarien. Hier wurde das Verhalten extra erklärt. In der Videobeschreibung geht man ferner darauf ein, dass das beabsichtige Stranden, teil des Verhaltensrepertoires auch von wilden Orcas ist. Dieses ihr bekannte und völlig natürliche Verhalten wendet Morgan nun auch im Spiel mit Trainern und Artgenossen an.

Hier von abnormalem Verhalten oder gar einem Suizid-Versuch zu sprechen, ist, gelinde gesagt, abenteuerlich. Das Selbstmord-Märchen von Delfinen geht auf eine Erzählung von O'Barry selbst zurück, dass ein Delfin mal in seinen Armen Selbstmord begangen habe. Die Obduktion allerdings widerlegte die These: das Tier verstarb an einer Lungenentzündung.

Das Verhalten ist schon lange bekannt


Was hier gefilmt wurde, ist nichts Neues. Ich habe selbst davon Aufnahmen als Video und Foto und es nicht selten schon beobachtet. Deshalb konnte ich auch diesbezüglich interessierten Kollegen, die an echter Recherche interessiert sind, Material zur Verfügung stellen.

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Dieses Foto aus dem Jahre 2013 zeigt das Spielverhalten vom Video. © Philipp J. Kroiß

Warum dies erst jetzt von Delfinariengegnern entdeckt wird, ist schleierhaft. Seit Jahren spielt sie so mit Adán und keinem Besucher soll das aufgefallen sein? Unglaubwürdig. Tatsächlich gibt es davon auch schon Berichte und Bilder online zu finden.

Zu vermuten ist, dass entweder die Delfinariengegner, von denen diese Aktion ausgeht, das Tier nicht richtig beobachtet haben und tatsächlich davon überrascht wurden, oder, was wahrscheinlicher ist, man gar nicht mehr weiß, was man noch bringen kann und nun mit hanebüchenen Theorien kommt.

Fest steht: Das Verhalten war bekannt und ist von unabhängigen Experten auch immer entsprechend eingeordnet worden. Zum Beispiel hat die höchste Instanz in Sachen Naturschutz in Spanien, SEPRONA, die Orcahaltung überprüft und sie als tadellos beschrieben. Einzig Delfinariengegner deuten nun dieses schon längst bekannte Spielverhalten nun um, um ihre aus Desinformationen basierende Agenda zu pushen.

Gefilmtes Verhalten ist völlig üblich für (spielende) Meeressäuger


Dieses sogenannte Beaching ist Bestandteil ihres Spiels und es ist völlig normal, dass jugendliche Orcas miteinander oder den Trainern spielen. In dieses Spiel integrieren sie alle möglichen Verhaltensweisen, Gegenstände und Lebewesen, die gerade interessant und bekannt sind. So ist es nur ganz normal, dass Morgan auch das beaching behaviour in ihr Spiel integriert.

Nach der Show sprechen die Trainer immer noch Backstage. Morgan hat herausbekommen, dass sie dieses Gespräch durch eine Lücke in der Kulisse beobachten kann und zudem die Chance hat, eventuell noch gestreichelt zu werden.

Wenn sie mit Adán spielt, ist das Verhalten als eine Art Versteckspiel zu interpretieren. Man kann bei den jugendlichen Orcas Morgan und Adán ganz viele Arten von gemeinsamem Spiel beobachten - eine Art Versteckspiel ist eins davon. Je nachdem wie sich Morgan nämlich auf die Bühne legt, kann Adán sie aus dem Wasser nur durch einen spy hop entdecken. Beide scheinen das Spiel sehr unterhaltend zu finden: Morgan vielleicht, weil sie Adán so immer eine Zeit lang verwirren kann, und Adán triumphiert natürlich, wenn er sie trotzdem findet.

Was sich beim ersten Lesen vermenschlichend anhört, ist es gar nicht. Meeressäuger haben ihr ganzes Leben lang einen quasi infantilen Spieltrieb und entwickeln ähnliche Spiele und eine ähnliche anscheinende Freude daran wie kleine Kinder anderer Lebewesen. Häufig wird das vermenschlichend missverstanden, dass Delfine so (intelligent) wären wie Menschen, was nicht der Fall ist.

Spielverhalten ist Luxusverhalten. Da bedeutet, dass es Verhalten ist, das nur gezeigt wird, wenn alle Bedürfnisse der Tiere befriedigt sind. Wer Tiere in Zoos beobachtet, die von sich selbst motiviert, spielen, wie Morgan in diesem Fall, kann von Wohlbefinden ausgehen. Es gibt kein existentiell leidendes Tier, das von sich selbst aus spielt - da sind sich Experten einig. Das zeigt natürlich ganz klar auch die Inkompetenz der Menschen, die nun dieses Spielverhalten als abnormales Verhalten missdeuten.

Mediales Fehlverhalten

Ich erkenne durchaus an, dass sich damit nicht jeder auskennen muss und bin niemandem persönlich böse, der das Geschriebene vor der Lektüre der letzten Zeilen nicht wusste und möchte mich da auch nicht missverstanden fühlen.

Allerdings möchte ich erneut betonen, für Journalistenkollegen und auch für die Menschen, die auf sozialen Medien sich plötzlich berufen fühlen, sich dazu zu äußern und glauben, nach einer Minute Video genug Ahnung dafür zu haben, dass es besser wäre Leute zu fragen, die Morgan kennen, beobachten, erforscht oder mit ihr gearbeitet haben, bevor man sich als Unbeteiligter selbst äußert.

Ohne mich jetzt hier profilieren zu wollen, kann ich sagen, dass ich dies getan habe und darüber hinaus eigene Erfahrung sammeln konnte, weil ich Morgan und ihre Geschichte bereits über Jahre journalistisch begleite.

Es ist zu einer schlechten Angewohnheit in den Medien geworden, dass sowohl Medienschaffende, als auch deren Rezipienten, sich nur oberflächlich informieren, bevor sie sich zu einem Sachverhalt öffentlich äußern.

Das hat die Medien in Verruf gebracht und muss sich ändern, wenn Journalismus und seine Erzeugnisse eine glaubwürdige Zukunft haben wollen - und wer in den Medien weiß, dass man in Zeiten des Internets tatsächlich einen Kampf um die Existenz der klassischen Medien in ihrer Vielfalt kämpft.

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Morgan springt während einer der Trainingssessions, an denen sie freiwillig teilnimmt, einen so genannten "Kicker". © Philipp J. Kroiß

Loro Parque & SeaWorld

Ein weiteres Symptom dieser oberflächlichen Information war, das Loro Parque als eine Art SeaWorld-Ableger dargestellt wurde oder Morgan als SeaWorld-Orca bezeichnet wurde. Beides ist falsch.

Der Loro Parque ist ein unabhängiger Zoo, der von SeaWorld auch völlig unabhängig gegründet wurde. Fünf der sechs Orcas im Loro Parque gehören zwar SeaWorld, aber es ist auch durchaus üblich, dass Besitzer und Halter von bestimmten Tieren nicht unbedingt dieselbe Körperschaft sein müssen.

Morgan ist seit ihrer Rettung im „Besitz", wenn man das denn so nennen will, von den Niederlanden. Das hat sich nie geändert. Morgan wurde nie verkauft - nicht an den Loro Parque und schon gar nicht an SeaWorld. Es ist wahr, dass sie in SeaWorld eine ID-Nummer hat. Das ist allerdings nicht, weil den amerikanischen Unternehmen das Tier gehört, sondern, weil jedes Tier, das mit SeaWorld-Tieren zusammenlebt, so eine Nummer bekommt, um es für Forschung und Beobachtung identifizieren zu können. Es wäre von SeaWorld so zu tun als würde Morgan nicht existieren, weil sie ja Teil des Pods im Loro Parque ist von dem auch Tiere von SeaWorld ein Teil sind.


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