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Verbietet Kanada bald seine erfolgreichen Wal-Rettungen?

13/05/2017 12:05 CEST | Aktualisiert 13/05/2017 12:05 CEST

Zoogegner attackieren das Vancouver Aquarium seit Jahren mit populistischen Vorwürfen, üblen Fehlinformationen und diffamierenden Lügen. Sie haben gewisse Politiker auf ihre Seite gebracht mit denen sie nun, nicht nur die Walhaltung in Vancouver, sondern auch das einzige Meeressäuger-Rettungszentrum von ganz Kanada zerstören wollen.

Über 100 Meeressäuger pro Jahr gerettet

Die Bilanz des Rettungszentrums ist beeindruckend: Jedes Jahr werden über 100 Meeressäuger ausgewildert. Solche Erfolgsgeschichten sind etwa Levi, den Hafen-Schweinswal, Springer, der Schwertwal und schier unzählige Seehunde und Seelöwen.

Levi war gestrandet und wurde im März 2013 ins Vancouver Aquarium Marine Mammal Rescue Centre gebracht. Weil er zu schwach war, um zu schwimmen, wurde extra für ihn eine Hilfe erdacht und erbaut, die man auf dem Foto sieht.

2017-05-12-1494590481-8127025-Resized20130326LeviPorpoiseRescueMMRMeighanMakarchukDSC_85061.jpg Levi konnte nur durch die Experten des Vancouver Aquarium Marine Mammal Rescue Centre (MMR) gerettet werden - das wird das neue Gesetz verhindern. Foto: MMR, Meighan Makarchuk

Das Tier war in einem erbärmlichen Zustand: kaum Kraft, dazu eine große Lungeninfektion und man vermutete einen Hörverlust. Die Rehabilitation verlief langsam, was ein Problem war, denn bei solchen Unternehmungen drängt die Zeit ab sechs Monaten können die Gewöhnungen an den Menschen zu stark werden und nach zwölf Monaten ist in den meisten Fällender sprichwörtliche Zug abgefahren. Trotzdem kämpften die Mitarbeiter erst um sein Leben und dann seine Auswilderung. Im spät Sommer nahm seine Genesung dann richtig Fahrt auf: er schwamm wieder alleine, jagte sogar erfolgreich, aber auch die Hörprobleme und die Krankheiten waren besiegt. So konnte er am 10. September 2013 konnte er ausgewildert werden und mit professionellem Tagging der Erfolg der Unternehmung nachgewiesen werden.

Bei manchen geretteten Tieren, eine verschwindend geringe Minderheit, wird von den Behörden eine Auswilderung verboten - wie etwa bei Daisy, dem Schweinswal, und Chester, dem Kleinen Schwertwal. Sie müssen dann in Menschenobhut verbleiben und auch hier ist das Vancouver Aquarium bereit, diese Tiere langfristig ein neues Zuhause zu geben. Das wäre nach dem neuen Gesetz unmöglich.

Was soll sich ändern?

Nach der angestrebten Gesetzgebung wäre Levi bereits im März 2013 gestorben und auch Daisy und Chester wären bereits getötet worden. Aufgrund seines Zustandes hätte man ihn wohl noch am Strand töten müssen. Solche humanen Tötungen sollen jetzt Standard werden, wenn es nach dem Vancouver Park Board geht - man schiebt das Tier zurück, wenn es dann eine Chance hätte oder bringt es direkt um. Das geht entweder durch eine Todesspritze oder gezielte Schüsse in den Kopf.

Das bedeutet für viele Kanadische Meeressäuger pro Jahr: Tod statt Leben. Obwohl man eine gute Chance hätte, ihnen das Leben zu retten, verwehrt man den Tieren die Chance, um Zoos zu schaden. 100 marine Säugetiere werden so von Zoohassern geopfert, nur damit man dem verhassten Vancouver Aquarium schaden kann, denn Zoos gehören, so die Tierrechtler, verboten.

Tierrettungen? Egal.

Tierwohl? Egal.

Tierschutz? Egal.

Hauptsache man kann den verhassten Zoos etwas nehmen. Aber das reicht natürlich auch noch nicht - parallel zu der Kampagne in Vancouver läuft eine landesweite Kampagne, die Walhaltung gleich im ganzen Land verbieten will. Es wird also nicht nur das Engagement des Vancouver Aquariums zerstört, es wird sogar gleich unmöglich gemacht, dass sich ein vergleichbares Projekt im übrigen Land konstituieren kann.

Gewichtige Entscheidung

Sollte dieses Gesetz durchkommen gibt es für die Politiker, die das durchgesetzt haben ein eifriges Schulterklopfen der Delfinariengegner. Vielleicht sogar noch mehr - es wäre nicht das erste Mal, dass aus Tierrechtskreisen politische Vertreter eine gewisse Form von Sponsoring erhielten. Aber dann? Tierrechtler haben keine Auswirkung auf Walen, das hat die Vergangenheit zur Genüge gezeigt - was wurden doch zum Beispiel Bernie Sanders und andere Demokraten protegiert und dann hat der erst gegen Clinton und dann sie gegen Trump verloren. Auch die billige Walwerbung und das Marketing, das sie bieten, verschwinden dann.

Zurück bliebe dann ein Kanada, dessen Walschutz stark geschwächt wurde: keine Walrettungen mehr, keine umfassende Walforschung mehr und ein Trauerspiel, den verbliebenen Tieren unter einem unnatürlichen Zuchtstopp beim Dahinscheiden zuzusehen. Zudem ist dann die Flanke geöffnet jede weitere Tierhaltung zu verbieten, denn das populistische Prinzip lässt sich auf jede weitere Tierart übertragen - sogar auf die geliebte Hauskatze.

Kanada steht also vor der Entscheidung - für oder gegen die Wale. Das Vancouver Aquarium hat bereits erklärt bis zu letzten Instanz in dieser Frage gehen zu wollen, um das einzige Meeressäuger-Rettungsprogramm des Landes zu retten. Bereits über 12.000 Menschen haben das Vancouver Aquarium auf der Webseite unterstützt, dieses für Kanada einmalige Rettungsprogramm zu bewahren.

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